Wo das Geld auf der Straße liegt

Recycling: - Starnberg -­ Ökologisch und ökonomisch arbeiten ist der Leitgedanke von Birgit Gehr und Alexandra Wehner. Die beiden Frauen haben mit ihrer Recycling-Firma "Blues GmbH" in einer Männerdomäne Fuß gefasst. Sie machen aus dem Straßenkehricht der Kommunen Bio-Splitt und vieles andere mehr.

Was sich am Straßenrand und auf den Gehwegen sammelt, oder sich im Gully festsetzt ist ­ ganz klar ­ Dreck, Müll. Kieselsteine, Sand, Zigarettenkippen, Staub, Zweige und viele andere Dinge finden sich in den riesigen, schadstoffbelasteten Kehrichthaufen der Städte und Gemeinden. Hunderttausende Tonnen wurden bis vor wenigen Jahren verbrannt oder zur Deponie gefahren. Dabei kann man mit diesem Kehricht noch ganz viel anfangen ­ "das haben wir bewiesen", betont Alexandra Wehner.

Zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Birgit Gehr gründete sie vor fünf Jahren die "Blues" ­ die Bay. Logistik Umwelt & Entsorgungs Systeme GmbH ­ ihr Werbeslogan: "Uns geht Ihr feuchter Kehricht an." Ihre Hauptkunden: kommunale Einrichtungen.

Im Gewerbegebiet Schorn bei Starnberg bereiten die beiden in einem speziellen Verfahren Kehricht und Sinkkastenräumgut auf. In ihrer trockenmechanischen Anlage, die ­ ökologisch vorbildlich ­ ohne Wasser arbeitet, wandeln sie den Müll unter anderem in feinen Bio-Splitt oder in etwas gröbere Mineralik, sogenannten RC-Baustoff, um. "Mit unserem Splitt kann man Radlwege schottern", erklärt Birgit Gehr. "Aber auch Pflasterer nehmen ihn her", ergänzt Alexandra Wehner. Der RC-Baustoff dagegen eigne sich hervorragend etwa als Ausgleichsschicht für Mülldeponien. "Bis 2012 müssen alle Deponien in Deutschland geschlossen sein", sagt Wehner.

Daher sind sie mit "Blues" auch in das Geschäft mit der Restverfüllung eingestiegen. Kontaminierte Böden beispielsweise von Schießplätzen bereiten sie ebenfalls auf. Und einen Zwei-Jahres-Auftrag, eine Deponie nach dem Modell einer "Public Private Partnership" zu etablieren, haben sie auch schon in der Tasche.

Rund 80 Prozent ihres Umsatzes machen sie aber derzeit noch mit der Verwertung von Straßenkehricht ­ das sind rund 20 Prozent Marktanteil in Bayern. Doch davon allein könne man nicht leben, meint Wehner: "Wenn es so ein milder Winter war wie heuer, dann schaut‘s recht mau aus."

Daher ist das Frauenduo immer auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Eine Idee haben sie bereits, aber die soll (noch) nicht an die Öffentlichkeit. "Es könnte ja ein Großer kommen und sie uns wegschnappen", meint Alexandra Wehner und lacht.

Die "Großen" das sind die "Abfall-Mogule" ­ eine männerdominierte, nicht immer ganz durchsichtige Großlobby. "Sie lassen uns arbeiten, aber sie verfolgen unsere Geschäfte mit großem Interesse", weiß Alexandra Wehner.

Belächelt habe man sie anfangs, "zwei Freundinnen, die ein bisserl Sandspielen" ­ doch die beiden, die tatsächlich seit zehn Jahren gut befreundet sind, haben sich durchgeboxt.

"Kannst Du sie nicht überzeugen, verwirre sie!" ­ Das sei damals ihr Leitspruch gewesen. Und sie haben sie alle verwirrt, und zwar mit Kompetenz und einem gehörigen Durchhaltevermögen. Schließlich bilden die beiden ein optimales Team: Birgit Gehr hat Berufserfahrung in der Abfallwirtschaft, kannte demnach das System und seine Tücken. Und Alexandra Wehner brachte ihr Knowhow im Bereich Vertrieb und Marketing mit. "Das passt einfach", meint Wehner.

"Wir haben zwei Jahre lang, sieben Tage die Woche mindestens 12 Stunden gearbeitet", erinnert sich Birgit Gehr an die Anfangszeit ­ dahin wolle sie für kein Geld der Welt wieder zurück. "Wir haben damals alle Fehler gemacht, die man nur machen kann."

Ursprünglich waren sie ein Trio, doch die Trennung kam schon nach einem halben Jahr. "Wir mussten ihn ausbezahlen, damit war unser Kapital weg." Die Banken glaubten zwar an das Konzept der beiden, aber das Risiko wollten sie nicht tragen. "Wir haben alles in die Firma reingelegt was wir privat hatten", erzählt Birgit Gehr ­ oft sei nicht einmal Geld zum Tanken da gewesen. Durch Zufall fand sich im dritten Jahr ein privater Investor, seitdem ging es bergauf.

Mittlerweile zählt die Firma ­ ein aktives Mitglied des Umweltpakts Bayern ­ 150 Kunden, zwölf fest Angestellte, zwei Auszubildende, zwei Freie, eine Diplomandin und zwei Praktikantinnen. Der Jahresumsatz lag 2006 bei 750\x0f000 Euro, dieses Jahr sollen es über zwei Millionen werden ­ damit wäre dann auch erstmals die Gewinnzone erreicht.

"Wir sind sehr viel professioneller geworden", resümiert Alexandra Wehner, "früher haben wir geschäftliche Dinge bei einer Flasche Wein auf dem Balkon geklärt, jetzt machen wir das auf einer Gesellschafterversammlung".

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