Auf Sicherheit setzen wollen derzeit viele verunsicherte Anleger. Doch nun das Ersparte in Gold oder Fremdwährungen umzutauschen ist kein guter Rat. Foto: Sanders/Fotolia

Geldanlage in der Euro-Krise: Gelassenheit zahlt sich aus

Berlin - Wohin mit dem Geld in der Euro-Krise? Viele Anleger sind verunsichert, doch Anlageexperten empfehlen Gelassenheit. Umschichten kostet nur Gebühren und Gold hat keinen, Immobilien dagegen viel Nutzwert.

Die Finanzkrise der Griechen hat die Euro-Zone in Turbulenzen gebracht. Die gemeinsame Währung, der Euro, geht in die Knie. Bei vielen Anlegern wächst schon wieder die Angst ums Ersparte. Bei den Verbraucherzentralen laufen die ersten besorgten Anfragen auf, ob bisherige Weichenstellungen richtig sind oder Rücklagen nicht doch lieber umgeschichtet werden sollten, beispielsweise in Gold, Immobilien oder Dollar, wie Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Düsseldorf berichtet.

Ihr Tipp: Gelassen bleiben und nicht hektisch umschichten. Das koste nur Gebühren. Panik sei unbegründet, betont auch Andreas Beck vom Institut für Vermögensaufbau in München. Der Euro sei lange unter einem Dollar gedümpelt. Dass er jetzt vom extrem hohen Niveau der letzten Monate etwas nach unten gerutscht sei, sei noch kein Beinbruch. Wohin mit dem Geld in der Euro-Krise? Hier einige Antworten für Sparer, die ihre Geldanlage auf den Prüstand stellen und vielleicht krisenfester machen wollen.

Schnell noch rein in Gold?

Das Edelmetall ist momentan die begehrteste Geldanlage weltweit. Anleger kaufen schon seit Monaten alles, was sie an Goldigem kriegen können. Die Feinunze kostet aktuell 1182 Dollar. Doch je stärker die Kaufwut, desto schwankungsanfälliger der Markt. Jetzt lieber die Finger davon lassen, rät Beck: „Das ist eine klassische Blase.“ Die Annahme, Gold sei in Krisenzeiten wertstabil, gelte nicht mehr. Der Nutzwert liege bei null. „Teuer und spekulativ“, winkt auch Oelmann ab. Wer unbedingt kaufen will, sollte das in Tippelschritten tun, Rückschläge nutzen und nicht das ganze Ersparte investieren.

Was ist mit Aktien?

Die Griechenland-Krise macht die Aktienmärkte nervös. Weitere Korrekturen sind nicht auszuschließen. Dabei war das Umfeld für Aktien in der letzten Zeit günstig: Steigende Unternehmensgewinne, anziehende Konjunktur in Deutschland und niedrige Zinsen. „Aktien sind prima“, bekräftigt Beck. Aber das Investment sollte möglichst breit gestreut und nur ein Teil des Vermögens dafür eingesetzt werden. Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft der Universität Hohenheim, hält Aktien vor allem für junge Leute sinnvoll.

Staatsanleihen kaufen trotz Schulden?

Wertpapiere von Staaten seien durchaus attraktiv, meint Beck. Für mutige Anleger besonders interessant seien momentan kurz laufende griechische Anleihen. Wem das zu heikel ist, kann sich auf deutsche Papiere konzentrieren. Investments wie Bundesschatzbriefe gelten als kostengünstig und sicherer als bei Geldinstituten. Der Staat bürgt mit seinem Vermögen und dem Steueraufkommen. „Der Bund ist ein 1a-Schuldner, da kann der Anleger ruhig schlafen“, sagt Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW).

Lohnt sich umschichten in Fremdwährungen?

Verbraucherschützerin Annabel Oelmann rät eher davon ab, die Euro-Schwäche nutzen zu wollen und sich beispielsweise mit amerikanischen Dollars oder Schweizer Franken einzudecken. Die Spekulation auf Währungsgewinne sei nicht ohne Risiken und recht kostpielig wegen der Umtauschgebühren. Sobald der Euro-Raum seine Probleme bewältigt habe, werde sich auch der Euro wieder erholen. Wer sich langfristig global absichern will, risikobereit und von steigenden Kursen beim Dollar oder Schweizer Franken überzeugt ist, sollte dagegen nicht zögern, so Oelmann.

Wie steht’s um den Immobilienkauf?

„Betongold“ ist infolge von Euro-Schwäche und Griechenland-Krise ein Investitions-Schlager. Maklerverbände melden deutlich steigende Kauflust in Ballungsräumen. Immobilien gelten als inflationssicher und solides Fundament fürs Alter. Überdies sind die Bauzinsen auf historischem Tiefstand. Und der Andrang drückt insgesamt die Preise. Der Immobilienkauf für den Eigenbedarf biete einen großen Nutzwert, betont Beck.

Sein Tipp: Jetzt zugreifen, wer damit schon länger liebäugele und ein geeignetes Objekt in guter Lage finde. Als Kapitalanlage kann das Investment rentabel sein, muss es aber nicht. Eigenkapital von etwa 20 Prozent der Kaufsumme ist wichtig.

Auf Tagesgeld ausweichen?

Grundsätzlich bieten Tages- und Festgeldkonten eine unkomplizierte und flexible Variante, sein Geld in Krisenzeiten zu parken. Sicher ist sie noch dazu. Das Geld ist durch den Einlagensicherungsfonds der Banken abgesichert. Allerdings gibt es nur magere Zinsen. Wer auf die Idee kommt, bisherige Anlagen aufzulösen und das Ersparte nur noch auf Tages- oder Festgeldkonten zu parken, sei schlecht beraten, erklärt Verbraucherschützerin Annabel Oelmann.

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