Geldanlage zur Fußball-WM: Für Sparer kaum zu gebrauchen

- Noch sind es einige Monate bis zum Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft. Doch die Kommerzschlacht hat schon begonnen. Viele Banken wollen mit der WM als Werbeträger ihre Finanzprodukte an den Mann bringen. Fans sollten aber besser nicht zugreifen. Experten zufolge sind die meisten Produkte Anlagen ohne besonderen Mehrwert.

Goldmünze

"Lohnenswert finde ich allenfalls die zur WM aufgelegte Goldmünze der Bundesrepublik", sagt Peter Grieble, Geldanlage-Experte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Weil die Münze nur in vergleichsweise geringer Auflage erschienen ist, könnte sie langfristig einen gewissen Sammlerwert versprechen - "besonders, wenn Deutschland im Turnier weit kommt." Sie wurde im Herbst 2005 ausgegeben und ist inzwischen nur noch über Internetauktionshäuser oder den Münzhandel erhältlich. Allerdings sollte man die 100-Euro-Münze der Bundesrepublik nicht mit der Vielzahl sonstiger WM-Münzen privater Anbieter verwechseln, deren Wertsteigerungspotenzial höchst fraglich ist.

Kreditkarten

Die Deutsche Bank hat eine Kreditkarte aufgelegt, bei deren Gebrauch die Kundendaten in einen Verlosungstopf für WM-Tickets gehen. Und die Postbank vermarktet seit einiger Zeit Kreditkarten, die gegen Aufpreis mit dem Logo des Lieblingsvereins bedruckt werden. Bei beiden Kreditinstituten sollen Abonnements von Sportzeitschriften oder sportbezogene Einkaufsgutscheine die Kunden für die Karte begeistern. "Das sind reine Fanartikel", sagt Grieble. "Da muss ich halt wissen, was mir das wert ist."

Sparbücher

Trotz WM-Bezug: Mit einem Geldregen auf dem Sparbuch sollten Käufer nicht rechnen. Höhere Zinsen ließen sich Banken in der Regel durch hohe Jahresgebühren bezahlen. Dieses Geschäft sei eher als "Marketing-Gag" zu sehen, sagt Alexander Kapfer vom Vermögensverwalter FIVV in München.

Ähnlich verhalte es sich mit der "FC-Bayern-Sparkarte" der Hypovereinsbank. Das Sparbuch mit branchenüblicher Verzinsung lockt mit Zinssteigerungen bei Erfolgen des Clubs.

Vor allem junge Fans umwirbt die Berliner Volksbank mit einem Sparbuch, für das Hertha-BSC-Maskottchen Herthinho Pate steht. "Lobenswert" findet es Peter Grieble, dass damit Kinder früh an das Sparen herangeführt werden. Mehr als ein normales Sparbuch sei das aber nicht.

Wertpapiere

Wenig empfehlenswert finden die Experten auch Wertpapiere rund um den Fußball. Die Postbank etwa hat einen Fonds mit Aktien aufgelegt, die vom Geschäft mit der Fußball-WM besonders profitieren sollen. Mit einer Auswahl von ähnlichen Titeln hat die WestLB das Zertifikat "WM Select" mit elf deutschen Aktien aufgelegt.

"Die Aussage, dass einzelne Unternehmen konkrete Gewinne von der Fußball-WM haben werden, ist aber nur eine Marketing-Offensive", so das Fazit von Peter-Thilo Hasler, Analyst der HypoVereinsbank. Andere Unternehmensnachrichten hätten viel stärkeren Einfluss auf die Entwicklung einer Aktie. Für Techniktitel wie Medion sei etwa das Weihnachtsgeschäft weit bedeutsamer als die WM. Geht man insgesamt von einem Umsatz zwischen fünf und zehn Milliarden Euro durch die WM in Deutschland aus, würde das für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ein Wachstum von 0,5 Prozent bedeuten, rechnet Hasler vor. "Und das ist schon sehr hoch gegriffen. Da ist jede nachhaltige Erwartung an deutliche Zuwächse des BIP übertrieben", so Haslers Fazit. Eine Schwankung des Ölpreises um fünf oder zehn Euro hätte auf den Aktienmarkt viel größere Auswirkung. "Außerdem nimmt die Börse solche Ereignisse ja meist schon etliche Monate vorweg", fügt Verbraucherschützer Peter Grieble hinzu.

Auch Aktien von Fußballvereinen hätten sich überwiegend als schlechtes Investment erwiesen, sagt Alexander Kapfer. Die Aktie von Borussia Dortmund etwa sei für rund zehn Euro an die Börse gekommen. "Jetzt liegt sie bei zwei Euro und ein bisschen." Laut Peter Grieble seien Fußballaktien eher etwas zum "Über-den-Kamin-Hängen".

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