Geldanlage für Kinder: So wachsen die Geschenke mit

- Ob Führerschein, Auslandssemester oder Studiengebühr - junge Erwachsene benötigen finanziellen Spielraum. Der lässt sich am leichtesten schaffen, wenn sie noch jung sind und kleine Sparbeträge über Jahre hinweg mit dem Kind groß werden können.

Wer für Kinder investiert, hat in der Regel einen langfristigen Anlagezeitraum. Das Geld dürfte erst nach zehn oder mehr Jahren für Ausgaben benötigt werden. Das ist ein großer Vorteil. Denn dadurch kommen Anlageformen in Betracht, die Wertschwankungen unterliegen, dafür aber auch höhere Renditen bieten.

Regelmäßiges Sparen

Wer weiß, dass er ein Kind über einen längeren Zeitraum finanziell unterstützen will, kann dies über regelmäßige Zahlungen tun.

Fondssparplan

Bei einem Fondssparplan werden in regelmäßigem Abstand (meist monatlich) für einen festen Betrag Anteile an einem Investmentfonds gekauft. Die Zahlung kann jederzeit gestoppt, verringert oder erhöht werden. Die bereits erworbenen Anteile können jederzeit verkauft werden. Einen Sparplan richten Banken, Sparkassen oder auch freie Anlageberater ein. Wer über eine Direktbank geht oder den Sparplan unmittelbar bei der Fondsgesellschaft eröffnet, kann sich mitunter Teile des Ausgabeaufschlags oder Depotgebühren sparen, erhält aber auch keine Beratung.

Der Sparplan kann auf den Namen des Kindes abgeschlossen werden, allerdings müssen beide Eltern der Einrichtung per Unterschrift zustimmen. Sie bleiben zudem verfügungsberechtigt, können also die Fondsanteile auch verkaufen. Sie dürfen die Mittel aber nicht zweckentfremden - etwa um eigene Ausgaben zu decken. Wer sichergehen will, kann den Sparplan auf eigenen Namen abschließen, um ihn später - etwa zum 18. Geburtstag des Kindes - zu überschreiben. Allerdings muss man den Sparplan bis dahin selbst bei der Steuer veranlagen.

Nach Einschätzung der Experten von "Finanztest" eignen sich - bei einem langfristigen Anlagehorizont - Aktienfondssparpläne auch für Kinder am besten zum Vermögensaufbau. Auf lange Sicht lassen sich Kurseinbrüche aussitzen. Das verringert das Verlustrisiko. Historisch haben Aktienfonds eine Rendite von acht bis zehn Prozent im Jahr erwirtschaftet. Nach Einschätzung von Stephanie Kühn, Anlageberaterin in Grafing, bietet sich etwa der weltweit anlegende Standardaktienfonds Templeton Growth (Isin: LU 011 476 074 6) an. "Finanztest"-Expertin Karin Baur nennt auch den in Europa investierenden Fidelity European Growth (Isin: LU 004 857 879 2) als "Klassiker". Allerdings sollte bei der Anlage in einen Aktienfonds der Ausstiegszeitpunkt flexibel sein, um eine schlechte Börsenphase abwarten zu können und nicht im Kurstief verkaufen zu müssen.

Wer einen festen Termin im Auge hat, kann zum Beispiel vom Fidelity Target Fund profitieren, erklärt Kühn. Dieser peilt ein bestimmtes Ziel-Jahr an, in dem das investierte Geld verfügbar sein soll (für das Zieljahr 2020 Isin: LU 017 251 686 5). Entsprechend wird in den Jahren vor dem Ende der Laufzeit von Aktien in festverzinsliche Wertpapiere umgeschichtet, um größere Schwankungen in der Schlussphase zu verhindern.

Rentenfonds unterliegen zwar geringeren Schwankungen, bieten aber laut Karin Baur mit sechs bis sieben Prozent eine geringere Rendite. Zudem könne die Wertentwicklung in Phasen steigender Zinsen zunächst gering ausfallen und die Zinserträge müssen versteuert werden.

Sparpläne erfordern eine Mindestanlagesumme. Diese liegt meist bei 50 oder 100 Euro im Monat. Wer weniger aufbringen will, kann oft auch einen Betrag von 100 Euro pro Vierteljahr in den Sparplan investieren.

Banksparplan

Auch bei Banksparplänen wird regelmäßig eine bestimmte Summe eingezahlt, die von der Bank - je nach Marktsituation - verzinst wird. Zwar ist der Anlagebetrag sicher, aber die Rendite eher gering. Derzeit sei abhängig von der Laufzeit mit zwei bis vier Prozent Effektivzins zu rechnen, erklärt die "Finanztest"-Expertin. In der Regel ist ein Ausstieg vor dem Ende der Laufzeit nur schwer möglich.

Ausbildungsversicherung

Experten sehen auch Ausbildungsversicherungen skeptisch. Hierbei wird meist wie bei einer Lebensversicherung eine - entsprechend der Marktsituation derzeit eher geringe - Verzinsung angeboten. Außerdem ist ein Versicherungsschutz enthalten, der gewährleisten soll, dass zum Beispiel Geld für eine Ausbildung zur Verfügung steht, wenn der Hauptverdiener stirbt. Besteht bereits eine ausreichende Risiko- oder Kapitallebensversicherung für die Familie, ist dies aber überflüssig. Unter dem Strich beurteile sie dieses Angebot als "nicht wirklich attraktiv", erklärt Stephanie Kühn.

Einmalanlage

Auch mit einmaligen Zahlungen lässt sich eine Spargrundlage fürs Kind schaffen.

Aktienfonds

Nach Kühns Einschätzung fährt man dabei ebenfalls mit einem Aktienfonds am besten. Das Problem: Erwischt man einen extrem ungünstigen Anlagezeitpunkt, dem lange schwächelnde Börsen folgen, ist die Rendite dahin. Dem kann man Rechnung tragen, indem man die Anlage-Summe aufteilt und im Laufe mehrerer Monate oder Jahre einzahlt. Die Mindestanlagesumme beträgt hier in der Regel 2000 oder 2500 Euro.

Bundesschatzbriefe

Die Bundeswertpapiere gelten als sichere Anlage und sind auch für kleine Summen geeignet. Allerdings ist auch hier die Rendite mager. Der Anleger hat die Wahl zwischen Typ A (sechs Jahre Laufzeit mit jährlicher Ausschüttung der Zinsen) und Typ B (sieben Jahre Laufzeit und Ansammlung der Zinsen). Die Rendite steigt von 1,75 Prozent im ersten Jahr der Laufzeit bis 2,75 Prozent (Typ A) bzw. 3,0 Prozent (Typ B) im letzten.

Sparbriefe

Banksparbriefe haben ebenfalls eine feste Laufzeit, während der der Zinssatz in der Regel ansteigt. Die Zinsen bewegen sich hier zwischen einem und vier Prozent. Ein vorzeitiger Ausstieg ist nicht möglich.

Tagesgeld

Wer sporadisch kleine Beträge für ein Kind anlegen will und nicht langfristig orientiert ist, ist nach Ansicht der "Finanztest"-Expertin mit Tagesgeld-Konten gut bedient. Direktbanken bieten teils über zwei Prozent Zinsen, ohne eine Kontoführungsgebühr zu erheben oder eine Mindestanlage vorauszusetzen. Außerdem ist das Geld täglich verfügbar.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Deutschlands Wirtschaftsboom dauert an - aber Einkommens-Ungleichheit
Der private Konsum, gute Geschäfte in der Industrie oder am Bau treiben den Wirtschaftsaufschwung. Doch von dem Wachstum profitieren nicht alle Menschen gleichermaßen.
Deutschlands Wirtschaftsboom dauert an - aber Einkommens-Ungleichheit
Dax schließt nach EZB-Entscheid mit Verlusten
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax ist am Donnerstag nach dem Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) mit leichten Verlusten aus dem Handel gegangen. Der deutsche …
Dax schließt nach EZB-Entscheid mit Verlusten
Airbus-Verwaltungsratschef für Wechsel in der Führungsetage
Korruptionsverdacht und Personalspekulationen: Seit Monaten rumort es beim europäischen Luftfahrtriesen Airbus. Nun wird auch ganz offen über mögliche Management-Wechsel …
Airbus-Verwaltungsratschef für Wechsel in der Führungsetage
IG Metall kündigt Warnstreiks auch im Südwesten an
Ludwigsburg (dpa) - Der Metall- und Elektroindustrie stehen in der laufenden Tarifrunde auch in Baden-Württemberg ab dem 8. Januar die ersten Warnstreiks bevor.
IG Metall kündigt Warnstreiks auch im Südwesten an

Kommentare