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Geldanlage: Mit dem Risiko wächst die Aussicht auf Rendite.

Serie Geldanlage: Rendite steigt mit dem Risiko

München - Die Lage am Aktienmarkt ist unsicher, die Zinsen für Spareinlagen gering, Gold und Rohstoffe teuer - wer derzeit Geld anlegen will, hat es nicht leicht. Wir erklären die verschiedenen Anlageklassen mit ihren Vorzügen und Nachteilen. Teil I: Anleihen.

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Der Schlüssel zur optimalen Geldanlage liegt in der Vermögensaufteilung. Ein Baustein davon können Anleihen sein. Anleihen - auch Rentenwerte genannt - stehen seit der Finanzmarktkrise und der Angst um die vom Staatsbankrott bedrohten Euro-Staaten im Fokus der Anleger. Vor allem Papiere erstklassiger Emittenten wurden als sicherer Hafen für die Geldanlage gesucht und ließen deren Notierungen steigen. Während sich die einen über üppige Kursgewinne freuen können, beklagen die anderen die mittlerweile sehr niedrigen Zinsen. Derzeit rentieren deutsche Bank-Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei etwa 2,3 Prozent (siehe Tabelle).

Was versteht man unter Anleihen?

Wer Anleihen kauft, leiht dem Herausgeber für eine vorab festgelegte Zeit Geld und erhält dafür eine regelmäßige Verzinsung. Emittenten dieser Papiere sind zumeist Staaten oder Banken, in seltenen Fällen auch Unternehmen. Wie hoch die Rendite ist, hängt an der Laufzeit, dem allgemeinen Zinsniveau und an der Bonität des Herausgebers. Derzeit rentieren deutsche Bank-Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei etwa 2,3 Prozent.

Welche Arten von Anleihen gibt es?

Die Vielfalt der verschiedenen Anleihen ist groß. Neben den klassischen Inhaberschuldverschreibungen gibt es auch diverse Sonderformen:

-Pfandbriefe oder Kommunalobligationen sind Anleihen, die durch Hypotheken oder Grundschulden gedeckt sind

-Zero-Bonds (Null-Kupon-Anleihen) haben keine regelmäßige Zinszahlung. Bei Fälligkeit erhält der Anleger die Zinsen für die gesamte Laufzeit.

-Floater sind Anleihen mit variabler Verzinsung, die an einen Referenzzins gekoppelt sind

-Fremdwährungsanleihen lauten auf eine „fremde“ Währung. Das bedeutet, dass Anlagebetrag und Zinsen beispielsweise in US-Dollar abgerechnet werden.

-Unternehmensanleihen werden von Firmen ausgegeben

-Wandelanleihen können während der gesamten Laufzeit in Aktien des Emittenten umgewandelt werden

-Stufenzinsanleihen sind mit einem kontinuierlich steigenden Zins ausgestattet

-Inflationsgeschützte Anleihen bieten Schutz vor Inflation, da die Verzinsung an den Verbraucherpreisindex gekoppelt ist.

Was beeinflusst die Kurse?

Die meisten Staatsanleihen und Bankschuldverschreibungen werden an der Börse gehandelt. Das Auf und Ab der Notierungen am Rentenmarkt wird wie bei Aktien durch aktuelle Nachrichten beeinflusst. Dies sind beispielsweise die konjunkturelle Entwicklung, da1s Sparverhalten, die Politik der Europäischen Zentralbank, das allgemeine Preisniveau oder auch psychologische Faktoren.

Welche Risiken bergen Anleihen?

Anleihen gelten zwar als sichere Anlageform, dennoch gibt es Risiken, die man beim Kauf beachten sollte.

-Kursrisiko: Ein steigendes Zinsniveau wirkt sich negativ auf die Kursentwicklung aus. Wer eine Anleihe vorzeitig verkaufen muss, hat dann möglicherweise Kursverluste.

-Emittentenrisiko: Wie bei jeder Geldleihe, so besteht auch bei Anleihen das Risiko, dass der Herausgeber die Zinsen oder im Extremfall sogar das Kapital nicht zurückbezahlen kann. Anleihen des insolventen Bankhauses Lehman-Brothers gelten als warnendes Beispiel. Wie hoch das Risiko ist, lässt sich am Unternehmensrating ablesen, die regelmäßig von großen Rating-Agenturen veröffentlicht werden.

-Liquiditätsrisiko: Davon spricht man, wenn eine Anleihe aufgrund fehlender Nachfrage an der Börse nicht mehr oder nur mit hohen Kursabschlägen verkauft werden kann.

-Kündigungsrisiko: Je nach Anleihebedingung kann der Herausgeber das Papier auch vorzeitig kündigen und zurückzahlen.

Welche Alternativen gibt es?

Wer nicht selbst die Auswahl aussichtsreicher Anleihen treffen möchte, kann auch auf diverse Rentenfonds zurückgreifen. Das war in den letzten Jahren sehr lukrativ: Wer beispielsweise vor drei Jahren auf einen Fonds mit langen Restlaufzeiten gesetzt hat, konnte sich aufgrund der stark steigenden Kurse zuletzt auf jährliche Renditen von über zehn Prozent freuen. Anleger, die zur Depotbeimischung auch Unternehmensanleihen, Wandelschuldverschreibungen oder Auslandsanleihen kaufen möchten, sind mit entsprechenden Fonds aufgrund der Risikomischung gut beraten.

Was deutsche Anleihen derzeit bringen:

Laufzeit Rendite

1 Jahr*

0,61 %

3 Jahre

0,96 %

5 Jahre

1,45 %

7 Jahre

1,91 %

10 Jahre

2,30 %

Fazit und aktuelle Strategie

Deutsche Staats- oder Bankschuldverschreibungen sind eine sichere Anlageform und sollten als Basisinvestment in keinem Depot fehlen. Wer sie bis zum Ende der Laufzeit hält, hat nahezu kein Risiko. Sonderformen wie Unternehmens-, oder Fremdwährungsanleihen eignen sich zur Optimierung der Rendite, sind aber nur für risikobereite Anleger und nur zur Depotbeimischung geeignet.

Derzeit sind die Kurse für deutsche Anleihen von Top-Emittenten auf einem sehr hohen Niveau, was bedeutet, dass die Renditen entsprechend niedrig sind. Experten gehen davon aus, dass mit zunehmender Konjunkturbelebung die Nachfrage nach Anleihen wieder nachlässt und somit die Kurse fallen. Das wirkt sich vor allem bei langen Laufzeiten aus. Es ist deshalb beim Kauf von Anleihen oder Rentenfonds ratsam, auf kurze bis mittlere Laufzeiten zu setzen.

Florian Oehnbeck

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