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Nachhaltigkeit spielt für viele Geldanleger eine große Rolle. Ein Vergleich zeigt, dass sich Investmentfonds, die ökologische, ethische und soziale Aspekte berücksichtigen, nicht schlechter abschneiden müssen als herkömmliche.

Mit gutem Gewissen

Lohnt sich eine nachhaltige Geldanlage?

München - Das Interesse an nachhaltigen Geldanlagen wächst. Und das dürfte nicht nur daran liegen, dass mehr Menschen auf Nachhaltigkeit achten. Sondern auch an den Chancen, die dieser Anlagestil bietet.

Achten Sie beim Einkaufen auch auf die Nachhaltigkeit von Produkten? Wenn ja, dann befinden Sie sich in bester Gesellschaft. Laut einer Umfrage der Marktforschungsfirma Nielsen unter Konsumenten aus 60 Ländern, sind 55 Prozent bereit, für Produkte einer Firma, die nach sozialen und ökologischen Grundsätzen handelt, einen Aufpreis zu zahlen. Nachhaltig zu handeln, zahlt sich für Unternehmen also aus, was sich wiederum auf deren Umsatz- und Ertragspotenzial positiv auswirken kann. Dessen scheinen sich immer mehr Anleger bewusst zu werden.

Wie das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) im Mai bekannt gab, wuchs der Bereich nachhaltiger Investments im deutschsprachigen Raum in 2014 um 47 Prozent auf die Rekordsumme von 197,5 Milliarden Euro. Aber auch institutionelle Anleger treibt das Thema um. Der Norwegische Pensionsfonds zum Beispiel gab jüngst bekannt, nicht mehr in Energieunternehmen zu investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit klimaschädlicher Kohle erzielen. „Vorfälle wie die Katastrophe auf der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im Jahr 2010 oder der Atomunfall in Fukushima führen Investoren immer klarer vor Augen, dass es für die langfristige Wertentwicklung entscheidend sein kann, ob sich ein Unternehmen nachhaltig aufstellt oder nicht“, urteilt deshalb Christian Bahr vom Indexanbieter STOXX Limited, der eine ganze Familie an Nachhaltigkeitsindizes herausgebracht hat.

Das zeigte sich zuletzt auch beim Ölkonzern BP. Das Unternehmen wurde für die Katastrophe auf der Ölplattform Deepwater Horizon zu einer Entschädigungszahlung verurteilt. Aus diesem Grund rutschte das Unternehmen im zweiten Quartal mit 5,8 Milliarden Dollar tief in die Verlustzone. Der Aktienkurs brach ein.

Die Idee nachhaltiger Investments ist grundsätzlich leicht nachvollziehbar: Neben den traditionellen Kriterien der Geldanlage – Rentabilität, Liquidität und Sicherheit – berücksichtigt ein Fondsmanager zusätzlich ökologische, ethische und soziale Aspekte. Das heißt, er investiert nur dann, wenn ein Unternehmen, neben einem guten Ertrags-Risiko-Profil, auch diesen zusätzlichen Kriterien gerecht wird. Ganz so einfach ist es in der Praxis jedoch nicht. Denn ein Haken an Nachhaltigkeitsfonds ist, dass diese nach unterschiedlichen Ansätzen vorgehen. Manche Fonds verfolgen einen Best-in-Class-Ansatz, bei dem ein Fondsmanager zum Beispiel in der Ölindustrie nach dem Unternehmen sucht, das am nachhaltigsten wirtschaftet. Andere haben Ausschlusskriterien. Das heißt, ein Fonds investiert nicht in Firmen, die Waffen herstellen, Menschen diskriminieren und ausbeuten oder die Umwelt verschmutzen.

Laut der FNG-Statistik zum Beispiel sind weltweit bei angelegten Geldern von insgesamt über vier Billionen Euro Firmen, die mit Antipersonenminen oder Streumunition Geld verdienen, tabu. So nachvollziehbar das alles aus ethischen Gesichtspunkten ist, so umstritten ist, ob sich das unter dem Strich in barer Münze auszahlt. Zuletzt zumindest konnten sich die Ergebnisse sehen lassen, wie Tom Herrmann von der FiNUM.Private Finance AG in München bestätigt. „Nachhaltige Fonds bieten meist eine überdurchschnittliche Rendite von etwa sechs bis sieben Prozent pro Jahr. Und im vergangenen Jahr konnte fast jeder zweite Fonds seinen Wert um mehr als zehn Prozent erhöhen.“ Und gemäß einer Analyse der UBS erlitten Investoren zwischen 1990 und 2014 gegenüber dem US-Aktienindex S&P 500 zumindest keinen Renditenachteil.

Allerdings kann sich die Beimischung noch aus anderen Gründen lohnen. „Manche Anleger nutzen diese Art des Investments auch zur Diversifizierung des Portfolios“, sagt Herrmann. Dazu kommt: Heute beschränkt sich das Anlageuniversum nicht mehr nur auf Aktien, sondern erstreckt sich auch auf Anleihen, wo die größere Nachhaltigkeit eines Emittenten, sowohl bei Unternehmen wie auch bei Staaten, Risiken reduzieren soll. Dennoch sollten Anleger nicht gleich zum erstbesten Produkt greifen. „Ansatz und Verständnis von Nachhaltigkeit variieren von Produkt zu Produkt und von Anbieter zu Anbieter stark“, macht Marc Pietzonka von der KSW Vermögensverwaltung klar. Wer nachhaltig investieren möchte, dem rät er, sich erst über sein eigenes Verständnis von Nachhaltigkeit im Klaren zu sein. „Das ist entscheidend, um das passende Produkt zu finden.“  

Passive Exchange Traded Funds zum Beispiel, die einen Index abbilden, verfolgen aufgrund ihrer Standardisierung meist den Best-in-Class-Ansatz. „Das passt nicht zu jedem Anleger“, so Pietzonka. Wichtig sei für ihn, dass sich ein Produktanbieter ganzheitlich mit Nachhaltigkeit beschäftigt und es nicht nur ein Randthema ist. Das sei zum Beispiel bei den Fondsanbietern von Ökoworld oder der Triodos Bank so. „Beide können langjährige Erfahrung im Bereich nachhaltiges Investieren vorweisen und verfolgen das Thema durchgängig.“ Und die Ergebnisse ihrer Fonds können sich sehen lassen. Es scheint sich also nicht nur beim Einkauf, sondern auch bei der Geldanlage zu lohnen, auf Nachhaltigkeit zu achten.

Von Gerd Hübner

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