"Geldregen" der Aktiengesellschaften fließt größtenteils in Ausland

- Düsseldorf - Die erwartete Rekord-Dividendensumme von Deutschlands wichtigsten Aktiengesellschaften fließt in diesem Jahr überwiegend auf die Konten ausländischer Investoren. "Die Mehrheit der deutschen Aktien liegt heute bei Aktionären im Ausland", sagte der DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker in einem dpa-Gespräch.

Deshalb würden die ausländischen Investoren auch den größten Teil des "Geldregens" der DAX-30-Unternehmen für das Geschäftsjahr 2006 abbekommen, der auf mehr als 20 Milliarden Euro geschätzt wird. Die Dividenden werden auf den Hauptversammlungen 2007 beschlossen, deren Reigen in der kommenden Woche mit ThyssenKrupp in Bochum beginnt.

"Relativ viele Privataktionäre sind auf dem Rückzug", schilderte Hocker mit Verweis auf Zahlen des Deutschen Aktieninstitutes die Situation. Demnach kehrten der Aktie im ersten Halbjahr 2006 fast 900 000 Kapitalanleger in Deutschland den Rücken. Ein Grund hierfür sei sicher auch die aktuelle Diskussion der Politik um Steuerrechtsänderungen, die große Kreise verunsichert habe. So werde etwa die geplante Abgeltungssteuer, die in diesem Jahr beschlossen werden solle, für etliche Aktionäre eine massive Steuererhöhung mit sich bringen.

Ein weiterer Grund sei die im internationalen Vergleich schwache Aktienkultur in Deutschland. "Wir verlassen uns seit Bismarck darauf, dass der Staat unsere Pension regelt", betonte Hocker. "Im Ausland kümmert man sich selbst um die Rente." Deshalb gebe es in den USA große Pensionsfonds, die auch zunehmend in Deutschland investierten.

Der wachsende Einfluss amerikanischer und englischer Investoren werde auf den Hauptversammlungen 2007 deutlich werden. "Diese Fonds werden jetzt langsam rabiater. Sie drücken zunehmend unseren Unternehmen ihre Vorstellungen auf." Betroffen hiervon seien beispielsweise Vorratsbeschlüsse für Kapitalerhöhungen mit Bezugsrechtsausschluss. Diese würden wegen der damit verbundenen Verwässerungseffekte nicht mehr so einfach "durchlaufen" wie noch in den Vorjahren.

Auch in der Organisation der Hauptversammlungen spiegelten sich amerikanische Vorbilder wider. "Vermehrt werden Dienstleister eingesetzt, um die Präsenz auf den Aktionärstreffen zu erhöhen. Damit sollen Zufallsmehrheiten verhindert werden." Diese so genannten "Proxy-Solicitors" motivierten die Aktionäre, ihre Rechte vertreten zu lassen. "Das kostet viel Geld, macht aber Sinn."

Mit den Hauptversammlungen 2007 werden erstmals alle 30 im Aktienindex DAX gelisteten Unternehmen die Vergütungen ihrer Vorstände individualisiert vorlegen. "Kaum einer der normalen Aufsichtsräte kennt die Vorstandsvergütung im Detail. Das wird jetzt besser", sagte der Hauptgeschäftsführer der größten deutschen Aktionärsvertretung.

Die Korruptionsaffären bei Siemens und VW würden keine zentrale Themen der Hauptversammlungen anderer DAX-Unternehmen. Die Skandale hätten aber eine nicht zu unterschätzende abschreckende Wirkung, die dafür sorgten, dass mehr Transparenz einziehe und Unregelmäßigkeiten schneller aufgedeckt würden. "Die so genannten nützlichen Abgaben werden nicht mehr toleriert", unterstrich Hocker.

Die Aktionärsrechte in Deutschland würden in diesem Jahr insbesondere durch neue Regelungen auf EU-Ebene gestärkt. "Ein wichtiges Thema ist hier die grenzüberschreitende Stimmrechtsvertretung." Wer beispielsweise Aktionär einer italienischen Gesellschaft sei, könne seine Rechte dann leichter auf der Hauptversammlung vertreten lassen.

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