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Nach der Winterpause Kurzarbeit, im zweiten Halbjahr Sonderschichten. Im Münchner MAN-Werk lief es im Jahresverlauf 2013 immer besser.

Trotz roter Zahlen

Geldsegen für MAN-Aktionäre

München - Ein hoher Verlust seiner Tochter MAN kostet den VW-Konzern über 800 Millionen Euro. MAN-Kleinaktionären kann das egal sein. Sie bekommen eine Garantiedividende.

MAN-Aktionäre haben wenig zu sagen. Seit der Eingliederung in den Volkswagen-Konzern beherrscht die Wolfsburger Mutter den Münchner Nutzfahrzeug- und Maschinenbauer mit über 52 000 Mitarbeitern. Doch die entmachteten Alteigentümer haben nicht nur die Verantwortung abgegeben, sondern auch das Risiko: Macht MAN Verlust, zahlt ihnen VW trotzdem eine Garantieausschüttung von 3,07 Euro pro Aktie.

So passiert es fürs abgelaufene Jahr 2013. Da hat MAN nach Steuern 513 Millionen Euro Verlust gemacht. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen gerade noch 14 Cent Dividende vor. Trotzdem bekommt – außer VW – jeder Aktionär 3,07 Euro. Die Differenz überweist Wolfsburg.

Außerdem muss Volkswagen nun auch Verluste von MAN ausgleichen. Die sind sogar noch höher als die ausgewiesenen 513 Millionen, weil sie nach anderen Regeln errechnet werden. Dafür fließen noch einmal 724 Millionen Euro von Wolfsburg nach München. Zusammengenommen kostete Volkswagen die Herrschaft über MAN 2013 über 800 Millionen Euro.

Nicht überraschend für VW

Das alles kommt aber nicht überraschend auf VW zu. Probleme bei einem Kraftwerksprojekt in der Karibik, für die MAN Rückstellungen bilden musste, waren vor Vertragsabschluss bekannt. Das gilt auch für Altlasten der ehemaligen MAN-Tochter Ferro- staal, die nachträglich zu zusätzlichen Steuerlasten führen. Und zum Teil sind die Verluste auch darauf zurückzuführen, dass MAN durch den Beherrschungsvertrag mit VW 184 Millionen Euro gegenüber dem Fiskus nicht mehr geltend machen konnte. Entsprechend hat Volkswagen, das, was jetzt nach München fließt, vorher bei der Bewertung von MAN vor der endgültigen Übernahme eingespart. Ein Nullsummenspiel, sagt Finanzchef Peter Park.

Der Verlust ist auf das früher so ertragreiche Maschinenbaugeschäft zurückzuführen. Für die Nutzfahrzeugsparte lief das Jahr nach einem schwachen Auftakt gar nicht so schlecht. Sie konnte den Auftragseingang um zwei Prozent steigern, den Umsatz sogar um drei Prozent auf zwölf Milliarden Euro. Das operative Ergebnis blieb mit 458 Millionen Euro auf Vorjahresniveau.

Dagegen rutschte die Maschinenbausparte tiefer in die Krise. Auftragseingang und Umsatz gingen zurück. Das operative Ergebnis brach um über 90 Prozent ein auf 40 Millionen Euro.

Aufs laufende Jahr blickt MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen vorsichtig optimistisch. Er erwartet zwar leicht sinkende Umsätze, aber deutlich steigende Gewinne. Für die erwarteten Umsatzeinbußen macht MAN den schwachen brasilianischen Real verantwortlich. Der wirkt doppelt belastend: Geld, das im wichtigen Markt Brasilien erlöst wird, ist in Euro weniger wert. Und weil in Brasilien produzierte Teile billiger wurden, erreicht MAN nicht mehr die von der dortigen Regierung vorgegebenen Quoten für heimische Produktionsanteile. Damit gehen Zollvergünstigungen verloren.

Die Aktionäre muss das nicht kümmern. Ihre Ausschüttung heißt zwar im nächsten Jahr nicht mehr Garantiedividende, sondern Ausgleichszahlung. Es bleibt aber auf Dauer bei 3,07 Euro – Jahr für Jahr. Bei rund 95 Euro Aktienkurs ist das angesichts des Zinsniveaus keine schlechte Rendite findet Pachta-Reyhofen, der selbst auch MAN-Aktien hält.

Martin Prem

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