Geldspritze fürs Studium

München - 700 Euro gehen beim Durchschnittsstudenten für Miete, Essen und Versicherungen drauf. Der Kinobesuch ist da noch gar nicht eingerechnet, von Studiengebühren ganz zu schweigen. Ohne Unterstützung ist das für viele nicht zu schaffen. Wir erklären, wo welche finanzielle Hilfe zu bekommen ist.

Die günstigste Förderung kommt vom Staat, der Studierenden das "Bafög" zusprechen kann.

Bafög

Je nach Einkommen der Eltern können Studierende mit einer Unterstützung von bis zu 585 Euro im Monat rechnen. Es dürfen aber nicht mehr als 350 Euro monatlich dazuverdient werden. Die Zahlungen erfolgen allerdings nur für die Dauer der vorgesehenen Regelstudienzeit. Außerdem werden ab dem vierten Semester Leistungsnachweise verlangt, um sicherzustellen, dass der Geförderte nicht hinterherhinkt.

Für Studenten lohnt sich das, da die Hälfte des bewilligten Geldes einen Zuschuss darstellt und nicht zurückgezahlt werden muss. Die andere Hälfte, maximal 10 000 Euro, verlangt der Staat zurück, aber zu besten Konditionen: Es fallen keine Zinsen an.

Bafög-Empfänger können sich außerdem von den Rundfunkgebühren befreien lassen und den Sozialtarif der Telekom nutzen und so insgesamt über 20 Euro ( 17,03 Euro GEZ, 6,94 Euro Sozialtarif) pro Monat sparen. Das Befreiungsformular für die GEZ ist auf der Homepage von studis-online.de zum kostenlosen Download bereitgestellt. Hier findet sich auch ein Link zur Telekom, um mehr über den Sozialtarif zu erfahren.

Studiendarlehen

Kaum jemand bekommt einen Bankkredit leichter als ein Student. Eine Immatrikulationsbescheinigung reicht aus. Sicherheiten werden von den meisten Banken und Sparkassen nicht verlangt. Eine Übersicht über bundesweit verfügbare Angebote zeigt die obige Grafik. Zusätzlich gibt es Angebote der Landesbanken, die im jeweiligen Bundesland gelten. In Bayern liegt die Mindestrate mit 20 Euro monatlich sehr niedrig. Es ist allerdings nicht unbedingt sinnvoll, sich für niedrige Raten und eine lange Rückzahlung zu entscheiden; denn je länger die Rückzahlung dauert, desto mehr Zinsen fallen an. In der Regel gelten Altersgrenzen. Sie variieren zwischen 35 und 45 Jahren. Auch wer länger als die geltende Regelstudienzeit plus vier Semester studiert, hat keinen Anspruch mehr. Zu beachten ist, dass alle jemals studierten Hochschulsemester berücksichtigt werden. Ein später Fachwechsel kann sich so schnell negativ auswirken. Die Rückzahlung wird nur eingefordert, wenn ein gewisses Mindest-Nettoeinkommen vorliegt. Wer weniger als 960 Euro im Monat verdient, bleibt vorerst verschont.

KfW-Studienkredit

Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW (www.kfw.de) verlangt für ihren Studienkredit einen Effektivzins von 6,34 Prozent. Es handelt sich allerdings um einen variablen Zins, der Risiken in sich birgt. Er ist von den Bewegungen auf dem Kapitalmarkt abhängig und kann bis zur Zinsobergrenze von 8,9 Prozent steigen.

Den Studierenden sollte bewusst sein, dass sie nach dem Studium ein Schuldenberg erwartet. Wer zehn Semester lang den Höchstsatz von 650 Euro bezieht, muss am Schluss 39 000 Euro zurückzahlen zuzüglich der Zinsen. Hierfür hat der Kreditnehmer maximal 25 Jahre Zeit, die Raten sind allerdings frei verhandelbar. Der Studienkredit hat aber einen großen Vorteil: Die Studierenden können selbst wählen, wie viel Geld sie beziehen wollen. Wenn die Eltern mal etwas großzügiger sind, kann der Kredit reduziert werden und die Schulden halten sich in Grenzen.

KfW-Bildungskredit

Für Studierende im letzten Ausbildungsabschnitt bietet die KfW den Bildungskredit an. Mit 5,1 Prozent Effektivzins bietet er weit bessere Zinskonditionen als der Studienkredit. Der Höchstbetrag liegt bei 300 Euro monatlich und wird maximal vier Semester gezahlt. Die Rückzahlung erfolgt in monatlichen Raten von 120 Euro und wird vierteljährlich eingezogen. Im Unterschied zum Studienkredit sind die Raten nicht verhandelbar, der Kredit kann aber auch hier jederzeit ohne zusätzliche Kosten vorzeitig zurückgezahlt werden.

Auch der Bildungskredit unterliegt den Schwankungen des Kapitalmarkts, hat aber keine Zinsobergrenze. Da der Zeitraum überschaubarer ist als der des Studienkredits, wirkt sich das Risiko des variablen Zinses nicht so stark aus. Vor allem für Ergänzungsstudiengänge oder Weiterbildungen ist der Bildungskredit gut geeignet.

Gebührenbefreiung

Bevor sich Studenten mit einem Kredit belasten, sollten sie sich erst informieren, ob sie überhaupt studiengebührenpflichtig sind. In Bayern kann eine Befreiung aus sozialen Gründen oder durch besonders gute Leistungen erfolgen.

Wer durch besondere Leistungen nicht zur Kasse gebeten wird, liegt bei den einzelnen Hochschulen. Diese können zehn Prozent ihrer Studenten von der finanziellen Bürde befreien, weil diese sich etwa durch hohes Engagement an der Uni oder durch besondere akademische Leistungen auszeichnen.

Befreit sind außerdem Studenten, die ein behindertes oder ein Kind unter zehn Jahren betreuen, deren Eltern für mehr als drei Kinder Kindergeld beziehen oder bei denen ein sozialer Härtefall vorliegt, etwa durch eine Privatinsolvenz.

Sozialleistungen

Grundsätzlich haben Studierende keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe, es gibt allerdings Ausnahmen. Studierende haben die Möglichkeit, sich während der Schwangerschaft oder zur Betreuung eines Kleinkindes vom Studium beurlauben zu lassen. Nun besteht kein Anspruch auf Bafög mehr und Arbeitslosengeld II kann auf dem normalen Weg beantragt werden. Natürlich müssen dazu die allgemeinen Voraussetzungen für den Bezug gegeben sein.

Auch wenn keine Beurlaubung erfolgt, bezieht sich der Ausschluss vom Arbeitslosengeld nur auf den ausbildungsbedingten Bedarf. Kosten, die durch eine Schwangerschaft oder ein Kind entstehen, stehen in keinem Zusammenhang zur Ausbildung und gelten als Mehrbedarf. Hier haben auch Studenten Anspruch auf Mehrbedarfszuschläge (bis zu 183 Euro pro Monat) und einmalige Leistungen wie eine Baby-Erstausstattung. Außerdem können studierende Eltern für ihr unter 15 Jahre altes Kind Sozialgeld beantragen.

Eine Leistung vom Staat, von der Studierende selbst profitieren, ist das Kindergeld. Bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres haben Studenten Anspruch auf 154 Euro monatlich. Wer mehr als 7680 Euro im Jahr verdient, verliert den Anspruch aber.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gute Bezahlung ist den Deutschen im Job am wichtigsten
Wie gut ein Arbeitgeber bewertet wird, darüber entscheiden einer Umfrage zufolge vor allem Vergütung und Jobsicherheit. Karrierechancen oder die Vereinbarkeit von …
Gute Bezahlung ist den Deutschen im Job am wichtigsten
Fehler bei Wartungsarbeiten: Commerzbank-Geldkarten gestört
Frankfurt/Main (dpa) - Kunden der Commerzbank und ihrer Tochter Comdirect haben am Samstag über Stunden hinweg ihre Geldkarten nicht benutzen können. Ursache dafür waren …
Fehler bei Wartungsarbeiten: Commerzbank-Geldkarten gestört
Bankenverband rechnet mit Tausenden neuen Jobs in Frankfurt
Berlin (dpa) - Der Verband der Auslandsbanken rechnet wegen des Austritts Großbritanniens aus der EU mit Tausenden neuen Stellen am Finanzplatz Frankfurt.
Bankenverband rechnet mit Tausenden neuen Jobs in Frankfurt
Auch Unschuldige auf "schwarzer Liste" der Finanzindustrie?
Banken dürfen keine Geschäfte mit Terroristen oder Geldwäschern machen. Für Informationen nutzen sie Datenbanken wie World-Check. Doch die soll auch Unbescholtene als …
Auch Unschuldige auf "schwarzer Liste" der Finanzindustrie?

Kommentare