Geldwäsche: Ermittlungen auch gegen den Commerzbank-Chef

- Frankfurt - Die Commerzbank gerät zunehmend unter Druck. Nach dem Wirbel um vermeintliche "Luxusboni" für Betriebsräte und neue Übernahmegerüchte hat nun der Verdacht der Geldwäsche die Spitze des Frankfurter Instituts erreicht. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller soll von den mutmaßlichen kriminellen Machenschaften in den 90er-Jahren in Russland gewusst haben.

Noch lässt sich die Frankfurter Staatsanwaltschaft nicht entlocken, was sie gegen den Bankmanager in der Hand hat, und spricht nur vom "Anfangsverdacht der Geldwäsche". Dabei stellt sich die Bank demonstrativ hinter Müller. Und auch viele Branchenexperten halten die Vorwürfe für nicht haltbar: "Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass an den Vorwürfen gegen Müller etwas dran ist", sagt der Frankfurter Rechtswissenschaftler Christoph Schalast. "Man darf nicht vergessen, wie viel Geld damals bei der Privatisierung des russischen Telekommunikationsmarktes geflossen ist."

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Mitte 2004 wegen des Verdachts, dass bei Privatisierungen in Russland in den 90er-Jahren Gelder aus kriminellen Quellen mit Hilfe von Scheinfirmen gewaschen wurden. Die Commerzbank war wegen ihrer treuhänderischen Mehrheitsbeteiligung an der mittlerweile aufgelösten First National Holding (FNH) ins Visier der Ermittler geraten. Dabei sind die Dimensionen des Geldwäscheverdachts noch unklar. Medieninformationen, denen zufolge rund 100 Millionen Euro aus illegalen Geschäften über Konten der Bank gelaufen sein sollen, wurden nicht bestätigt.

Seitdem die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen gegen aktuelle und ehemalige Mitarbeiter der Commerzbank vor gut einem Monat forcierte, überschlagen sich die Ereignisse. Zunächst räumte Deutschlands drittgrößte börsennotierte Bank mit Verspätung ein, dass der überraschende Rücktritt von Personalvorstand Andreas de Maiziere auch im Zusammenhang mit den Ermittlungen stand. Jetzt gehört auch Bankchef Müller, der vor de Maiziere für das Osteuropageschäft der Bank verantwortlich war, zum Kreis der inzwischen neun Beschuldigten - nachdem die Staatsanwaltschaft Anfang August noch versichert hatte: "Müller ist nicht Gegenstand des Ermittlungsverfahrens."

Inzwischen heißt es bei der Behörde: "Im Zuge des Osteuropageschäfts, das Müller verantwortete, wird gegen ihn ermittelt." Bei genauer Durchsicht von beschlagnahmten Akten und Computer-Festplatten habe sich ein Anfangsverdacht gegen den Vorstandsvorsitzenden ergeben. Dem "Spiegel" zufolge soll Müller sich mindestens ein Mal mit dem heutigen russischen Telekommunikationsminister Leonid Reiman und einem dänischen Anwalt getroffen haben, der im Verdacht stehe, als Strohmann fungiert zu haben.

Der Vorsitzende des Commerzbank-Aufsichtsrats, Martin Kohlhaussen, und der Vorstand hätten kein Verständnis für die Erweiterung des Verfahrens und gingen von Müllers vollständiger Entlastung aus, hieß es. Hans Hermann Altenschmidt, der als Arbeitnehmervertreter in dem Kontrollgremium sitzt, sagte: "Ich bin sicher, dass an den Vorwürfen gegen Müller nichts dran ist." Es werde aber kein Freibrief ausgestellt. "Wir wollen, dass die Vorwürfe restlos aufgeklärt werden", so Altenschmidt.

Aus Sicht des Kieler Krisenforschers Frank Roselieb hat die Commerzbank bei allem Wirbel Glück im Unglück: "Die Commerzbank ist nicht der Branchenprimus und daher im Windschatten der anderen Institute." Zugute komme dem Institut zudem, dass beispielsweise der beginnende Bundestagswahlkampf viele Negativschlagzeilen überlagere.

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