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Dem spanischen Unternehmen ACS ist es mit seinem Übernahmeangebot für Hochtief gelungen, seine Beteiligung am größten deutschen Baukonzern Hochtief auf mehr als 30 Prozent aufzustocken.

ACS hält jetzt über 30 Prozent an Hochtief

Madrid - Schwarzer Tag für Hochtief: Die Übernahme des größten deutschen Baukonzerns durch den spanischen Konkurrenten ACS ist am Dienstag ein großes Stück näher gerückt.

Denn das Unternehmen des Real-Madrid-Präsidenten Florentino Perez hat sich durch sein Kaufangebot bereits mehr als 30 Prozent der Hochtief-Aktien gesichert, wie es in Madrid mitteilte. Damit können die Spanier in Zukunft weitere Hochtief-Aktien zukaufen, ohne den Aktionären des Essener Traditionsunternehmens ein teueres Pflichtangebot zu machen.

Nach früheren Angaben plant ACS, seinen Anteil an Hochtief möglichst noch bis zum Jahresende auf über 50 Prozent aufzustocken. Das Ende der Unabhängigkeit von Hochtief scheint damit besiegelt. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warf der Bundesregierung deshalb Tatenlosigkeit vor. “Die Bundesregierung hat keinen Finger gerührt“, sagte er den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe. Nun gehe nicht nur die Ära des größten deutschen Bauunternehmens zu Ende. “Den Schaden haben die Arbeitnehmer zu tragen, von denen viele um ihren Arbeitsplatz fürchten“, fügte der SPD-Politiker hinzu. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) geht ebenfalls davon aus, dass Hochtief nun nur noch geringe Aussichten hat, seine Unabhängigkeit zu verteidigen. Hochtief wollte den Ausgang des Übernahmeangebots zunächst nicht kommentieren.

Ein Unternehmenssprecher wies lediglich darauf hin, dass wegen gesetzlicher Fristen erst Ende Januar endgültig Klarheit über die künftige Beteiligung von ACS am Essener Konzern bestehen werde. Doch auch die Arbeitnehmer beim Essener Konzern stellen sich inzwischen offenbar auf eine Machtübernahme durch die Spanier ein. Das “Handelsblatt“ zitierte Betriebsratschef Siegfried Müller mit den Worten: “Wir werden jetzt im Laufe der nächsten Wochen den Gesprächsfaden wohl aufnehmen müssen.“ Als Voraussetzung für eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat und ACS forderte Müller aber einen “rechtsverbindlichen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016“. Dies wäre weit mehr als ACS in einer Vereinbarung mit der Gewerkschaft IG BAU bislang zugebilligt hat.

Hauptversammlung könnte Entscheidung bringen

Weitere wichtige Weichenstellungen zur künftigen Machtverteilung beim Essener Konzern könnten bereits auf der Hauptversammlung von Hochtief am 12. Mai fallen. Denn schon eine geringfügige weitere Aufstockung des eigenen Aktienpakets dürfte den Spaniern nun reichen, um bei der Aktionärsversammlung über eine Mehrheit zu verfügen. Schließlich sind auf den deutschen Hauptversammlungen meist nur rund 60 Prozent des Aktienkapitals vertreten. Dann könnten die Spanier den Aufsichtsrat von Hochtief weitgehend nach ihren Wünschen neu besetzen und damit indirekt auch einen Austausch des ACS-skeptischen Vorstands einleiten. ACS hatte wiederholt beteuert, Hochtief solle auch nach der Übernahme als selbstständiges, börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Essen erhalten bleiben. Man plane weder eine Zerschlagung des Konzerns noch einen Beherrschungsvertrag.

Auch ein Personalabbau in Deutschland werde nicht angestrebt. Bei Hochtief stoßen diese Ankündigungen allerdings auf großes Misstrauen. Vorstand und Aufsichtsrat warnten erst kürzlich, es handele sich dabei um rechtlich unverbindliche Absichtserklärungen. Nach Angaben von ACS wurde das Umtauschangebot, bei dem der Konzern neun eigenen Aktien für jeweils fünf Hochtief-Papiere anbot, bis zum Ende der Annahmefrist am 29. Dezember für insgesamt knapp 2,4 Millionen Hochtief-Aktien angenommen. ACS kontrolliert damit jetzt nach eigenen Angaben 30,34 Prozent der Hochtief-Anteile.

dapd

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