So gelingt der Start in die Radl-Saison

München - Endlich wird es wärmer, der Fahrrad-Frühling kann kommen. Doch wie macht man seinen Drahtesel fit für den Frühling? Was ist beim Kauf eines neuen Radls zu beachten? Und wie schützt man sich vor Diebstahl? Hier finden Sie guten Rat rund ums Rad.

Die Sonne scheint verführerisch, der Schnee ist weg: Zeit, das Fahrrad aus seinem Kellerverlies freizulassen oder aus der hintersten Ecke der Garage zu holen. Doch bevor es losgeht zur ersten Tour, sollte das Radl wieder verkehrstauglich gemacht werden. Traudl Schröder vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) Bayern erklärt, worauf es ankommt.

Rundum-Check

Wer sich ein bisschen auskennt, kann selbst Hand anlegen. Inbusschlüssel, Reifenheber, Kreuzschlitzschraubenzieher, Schlitzschraubenzieher und Schraubenschlüssel sollten bereitliegen. Der ADFC bietet übrigens Technikkurse an. Wer lieber auf Nummer sicher gehen mag, kann den Fachmann ans Rad lassen. Ein Rundum-Früh- jahrs-Check kostet in einem Fachgeschäft circa 50 bis 60 Euro ohne Material.

-Am wichtigsten sind die Bremsen. Sie müssen beweglich sein und die Bremsklötze müssen dick genug sein. Schröders Tipp: „Jede Bremse einzeln anziehen. Lässt sich das Rad dennoch schieben, ist die Bremse nicht mehr funktionstüchtig.“ Im Zweifelsfall sollten die Bremsen sofort repariert oder erneuert werden.

-Als Nächstes sind die Reifen dran. Wenn der Mantel Risse aufweist, sollte er ausgetauscht werden. Stimmt der Luftdruck? Normalerweise steht auf dem Mantel, bis zu welchem Druck man den Reifen aufpumpen kann. Ist der Luftdruck zu niedrig, herrscht Platten-Gefahr, weil sich spitze Gegenstände leichter durch den Mantel bohren. Außerdem wird die Felge in Mitleidenschaft gezogen, ein Achter droht. An Tankstellen oder bei Fahrrad-Fachgeschäften kann man den Luftdruck meist kostenlos überprüfen.

-Auch wenn die Tage wieder länger werden, muss die Fahrradlampe funktionieren. Falls nichts leuchtet: Kabelverlauf nachsehen, Kontaktstellen blank kratzen; Glühlampen testen und gegebenenfalls auswechseln.

-Zum Schluss steht noch die Reinigung auf dem Programm. Besonders die Kette sollte gepflegt werden. Sind die Ritzel (Zähne) stark verdreckt, greifen sie nicht mehr, die Kette springt leicht heraus. Gleiches gilt, wenn sie Rost angesetzt hat. Ein bisschen Fahrradöl wirkt Wunder. Aber Vorsicht: Zu viel Fett bindet Schmutz und wirkt wie eine Schleifpaste.

Ein neues Fahrrad

Wer mit einem neuen Rad in den Frühling starten will, sollte nicht geizig sein. Rund 570 Euro wollen Deutsche durchschnittlich für ein neues Fahrrad ausgeben. Das ist das Ergebnis einer Studie des ADFC. Von Fahrrädern unter 450 Euro rät ADFC-Sprecherin Schröder ab: „Wenn man sich die Preise für die Einzelteile ansieht, kann die Qualität eines billigen Fahrrads nicht hoch sein.“ Sowohl der ADFC als auch die Stiftung Warentest raten dazu, ein neues Fahrrad beim Fachhändler zu kaufen. Die Beratung, Montage und richtige Einstellung von Sattel und Lenkerhöhe gibt es dort gratis dazu.

Welches Fahrrad das richtige ist, muss der Käufer selbst entscheiden. Grundsätzlich sollte das Rad zur Körpergröße passen. Dabei spielt nicht nur der Raddurchmesser, sondern die Rahmenhöhe eine Rolle. Wer mit einem Fahrrad liebäugelt, sollte unbedingt eine Probefahrt machen – und zwar nicht nur kurz um den Block. Denn ob man sich wirklich im Sattel wohlfühlt, merkt man erst nach ein paar Kilometern.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen sechs Rad-Arten:

-Cityrad: Das klassische Stadtrad bringt einen gut durch den Alltag und ist auch für gemütliche Ausflüge am Wochenende geeignet. Das Citybike bietet meist eine bequeme Sitzposition, Schutzbleche und einen Gepäckträger. Es verfügt über eine Nabenschaltung mit sieben oder weniger Gängen.

-Rennrad: Ein reines Sportgerät. Es ist besonders leicht, die Sitzposition ist flach und nach vorne gestreckt. Es eignet sich für lange Touren auf asphaltierten Straßen. In der Stadt können Straßenbahnschienen den dünnen Reifen zum Verhängnis werden.

-Trekkingrad: Für die Straße, aber auch für nicht ganz zu unwegsames Gelände geeignet. Mit einer 14- bis 21-Gang-Schaltung sind auch steile Berge kein Problem.

-Mountainbike: Das robuste Rad ist vor allem für Gelände- und Berg-Fahrten geeignet. Mit 27 Gängen kommt man auch die steilsten Berge hoch. Doch das Mountainbike ist auch in der Stadt nicht verkehrt: Mit den breiten Reifen sind Kopfsteinpflaster, hohe Bordsteinkanten und Straßenbahnschienen kein Problem.

-Fitnessrad: Ein Ableger vom Rennrad. Statt des Rennlenkers hat das Fitnessrad eine gerade Lenkstange. Sportlich, aber oft recht teuer.

-Faltrad: Für Pendler eine tolle Alternative. Wer mit dem Zug zum Arbeitsplatz fährt und dann noch ein paar Meter gehen muss, kann das kleine Rad mit klappbarem Rahmen einfach mitnehmen. Allerdings rollen die Minis nur auf asphaltierten Straßen gut.

Das richtige Zubehör

Lenkgriffe aus Echtleder oder eine Marienkäfer-Klingel: Manches Zubehör ist reiner Schnickschnack. Aber es gibt Dinge, die ein Fahrrad haben muss.

-Lichtanlagen mit Nabendynamos und Halogenleuchten sind Pflicht. „Auf Seitenläufer-Dynamos sollte man sich nicht mehr einlassen“, rät der ADFC.

-Für den Alltag sind Schutzbleche und ein Gepäckträger angenehm.

-Ein Fahrradhelm ist eine individuelle Entscheidung. Die Stiftung Warentest rät besonders Senioren zum Kopfschutz: 2008 starben in Deutschland 456 Radfahrer an den Folgen eines Unfalls. Fast die Hälfte der getöteten Radler waren 65 Jahre oder älter.

-Die Straßenverkehrsordnung schreibt außerdem viele Elemente verpflichtend vor. Ein Dynamo für die Beleuchtung ist Pflicht, Akkulampen dürfen nur zusätzlich verwendet werden. Zwei gelbe Speicherreflektoren an jedem Rad, weißer Reflektor vorn und ein roter hinten, eine Klingel und Pedalrückstrahler gehören an das Fahrrad.

Gut versichert?

Wer sich für ein neues Rad entschieden hat, möchte möglichst lange Spaß dran haben. Die Ergo-Versicherungsgruppe hat ermittelt, dass statistisch gesehen in Deutschland jeden Tag fast 1000 Fahrräder gestohlen werden. Die richtigen Vorkehrungen müssen also getroffen werden.

-Beim Schloss nicht sparen – Traudl Schröder (ADFC) rät: „Man sollte zehn Prozent des Fahrradkaufpreises einplanen.“ Ein billiges Schloss sei wie ein Geschenkband: „Es lädt den Fahrraddieb direkt zum Knacken ein.“

-Auf den richtigen Abstellplatz kommt es auch an. Dunkle und einsame Stellen sollten grundsätzlich vermieden werden. Um das Risiko möglichst gering zu halten, sollte man das Fahrrad möglichst an einem festen Gegenstand anketten.

-Rahmennummer, Fabrikat und besondere Merkmale sollte man in einem Fahrradpass notieren. Einen solchen bekommt man beim Fahrradhändler, der Polizei oder der Versicherung.

-Eine Zusatzversicherung lohnt sich laut ADFC erst ab Rädern im Wert von über 1000 Euro. Oft übernimmt auch die Hausratsversicherung – sofern vereinbart – die Kosten für ein gestohlenes Rad.

Aglja Adam

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weiteres Grundsatzurteil zum Mindestlohn erwartet
Erfurt (dpa) - Das Mindestlohngesetz beschäftigt erneut das Bundesarbeitsgericht in Erfurt. Heute verhandeln die Bundesrichter darüber, ob Geringverdiener einen Anspruch …
Weiteres Grundsatzurteil zum Mindestlohn erwartet
Allianz-Deutschland-Chef wirft Handtuch
Turbulenzen bei der Allianz: Ein überraschender Rücktritt überlagert die Botschaft, die der Versicherer eigentlich an die Öffentlichkeit bringen will.
Allianz-Deutschland-Chef wirft Handtuch
Dax kaum verändert - Warten auf US-Notenbank
Frankfurt/Main (dpa) - Die Anleger am deutschen Aktienmarkt haben sich fürs Stillhalten entschieden. Vor den mit Spannung erwarteten Aussagen der US-Notenbank (Fed) zur …
Dax kaum verändert - Warten auf US-Notenbank
Niederlande erwarten hohes Wirtschaftswachstum
Den Haag (dpa) - Die Niederlande erwarten ein starkes Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent in diesem Jahr und 2,5 Prozent 2018. Die Entwicklung der Wirtschaft und der …
Niederlande erwarten hohes Wirtschaftswachstum

Kommentare