Gelungener Börsen-Coup kann für Hedge-Fonds noch teuer werden

- Bonn - Ein gelungener Coup: Erst verhinderten sie den Versuch, die Deutsche Börse zu übernehmen, dann drückten mehrere Hedge-Fonds mit einer vergleichweise geringen Beteiligung den Rücktritt von Börsen-Chef Werner Seiffert und Aufsichtsratschef Rolf Breuer. Doch das könnte sich nun rächen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat Anhaltspunkte für ein abgestimmtes Vorgehen gefunden. "Denen gehen wir jetzt auf den Grund", sagte Bafin-Präsident Jochen Sanio.

<P>Die Behörde muss nun klären, ob die Fonds zusammen mehr als 30 Prozent an der Deutschen Börse AG hielten und in Absprache vorgegangen sind. Wenn die 30 Prozent gehalten wurden, hätte dies angezeigt und den übrigen 70 Prozent Anteilseignern ein Übernahmeangebot vorgelegt werden müssen.<BR>Kritische Aktionäre unter Führung der Hedge-Fonds TCI und Atticus hatten zunächst die geplante Übernahme der Londoner Börse verhindert. In der vergangenen Woche trat auf Druck dieser Aktionäre Vorstandschef Seifert zurück.<BR><BR>Die in Verdacht geratenen Fonds sind nun nach Angaben Sanios angeschrieben und innerhalb einer Frist um Auskunft gebeten worden. Die Briefe hätten alle ausländische Adressen gehabt, sagte Sanio, der sich zur Zahl der Adressaten nicht äußern wollte. Ein Übernahmeangebot wäre auch im Nachhinein noch zwingend. "Wenn sie da drin sind, kommen sie nicht mehr raus", sagte Sanio. Auch wenn die Anteile in der Zwischenzeit verkauft worden seien, wäre noch ein Angebot abzugeben. Den Minderheitsaktionären steht nach Angaben Sanios das Recht zu, auf Schadenersatz für entgangene Zinsen zu klagen. Sanio verwies darauf, dass die Bafin beweispflichtig sei.<BR><BR>Am 27. April hatte nach Angaben Sanios ein Minderheitsaktionär vor dem Münchner Oberlandesgericht Recht bekommen, der gegen zwei andere Aktionäre geklagt hatte, die nach Erreichen des 30-Prozent-Anteils kein Übernahmeangebot vorgelegt hatten. Das Urteil sei noch nicht rechtskräftig. Aber die Bafin werde sich bei ihrem jetzigen Vorgehen daran orientieren. Das Münchner Urteil besage klar: "Wer Drohkulissen aufbaut, um Entscheidungen zu beeinflussen, begeht Acting in Concert", sagte Sanio. Diese Haltung vertrete seine Behörde ebenfalls. "Das ist Bafin pur."<BR><BR><BR></P>

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