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Gemeinsame Zukunft: Spätestens wenn Paare heiraten, entscheiden sie sich häufig auch für ein gemeinsames Konto. Das hat Vorteile, birgt aber auch Risiken.

Pro und Kontra der gemeinsamen Veranlagung

Darum ist ein Gemeinschaftskonto nicht immer die beste Wahl

Gemeinschaftskonto – ja oder nein? Über diese Frage denken viele Ehepaare und Lebenspartner nach. Schließlich hat ein gemeinsames Konto viele Vorteile. Trotzdem ist es nicht immer die beste Wahl.

Aus dem Ich wird ein Wir, das Paar zieht zusammen – und hat Ausgaben für den Haushalt, die beide gemeinsam finanzieren müssen. Spätestens mit der Eheschließung denken daher viele über ein Gemeinschaftskonto nach. Was muss dabei alles bedacht werden? Ein Überblick.

Von einem Gemeinschaftskonto ist die Rede, wenn es mehr als einen Inhaber gibt, zum Beispiel bei Eheleuten oder Lebenspartnern. „Gemeinschaftskonten kommen aber grundsätzlich nicht nur bei Paaren in Betracht, sondern sind beispielsweise auch bei Erbengemeinschaften denkbar“, sagt Ralf Scherfling von der Verbraucherzentrale NRW. Wichtig zu beachten: Wenn Ehepaare oder Lebenspartner ein Gemeinschaftskonto unterhalten, heißt das nicht, dass das Guthaben beiden je zur Hälfte gehört, erklärt Constanze Grüning vom Bund der Steuerzahler. „Die Inhaberschaft des Kontos betrifft vielmehr nur das Verhältnis zur Bank.“ Wie nun die genauen Besitzverhältnisse in Bezug auf das Guthaben sind, müssen Partner untereinander regeln.

Zwei Varianten beim Gemeinschaftskonto

Beim Gemeinschaftskonto gibt es grundsätzlich zwei Varianten: Das Und-Konto sowie das Oder-Konto.

  • Und-Konto: „Bei einem Und-Konto sind Auszahlungen und alle Arten von Transaktionen nur möglich, wenn alle Kontoinhaber unterschrieben haben“, erläutert Scherfling. Umgekehrt heißt das, dass niemand alleine über das Konto verfügen kann. Die Kontoinhaber müssen sich also jedes Mal genau abstimmen. „Bei einem Und-Konto gibt es keine Möglichkeit, mit der Girocard oder einer Kreditkarte über das Geld zu verfügen“, sagt Stephanie Pallasch von der Stiftung Warentest.
  • Oder-Konto: Beim Oder-Konto steht jedem Inhaber die volle Verfügungsbefugnis zu. Jeder kann – ohne den anderen um Erlaubnis zu fragen – Geld überweisen oder abheben und auch einen Dispositionskredit nutzen. „Allerdings kann kein einzelner Ehepartner alleine zu Lasten des Kontos einen Kreditvertrag abschließen oder einen bestehenden Kreditvertrag ändern“, betont Julia Topar vom Bundesverband deutscher Banken. Das geht nur gemeinsam. Auch Vollmachten für das Gemeinschaftskonto könnten nur gemeinsam erteilt werden.

Oder-Konten sind alltagstauglicher

In der Regel entscheiden sich Eheleute für das Oder-Konto. Denn hier kann jeder Kontoinhaber einzeln über das Geld verfügen. „Das ist in der Regel praktischer, gerade bei den sogenannten Haushaltskonten“, sagt Pallasch. Ist der Ehe- oder Lebenspartner gerade nicht erreichbar – zum Beispiel, weil er auf einer Dienstreise oder im Krankenhaus ist – dann hat dies beim Und-Konto zur Folge, dass weder Geldabheben noch andere Transaktionen möglich sind. „Das Oder-Konto ist in jedem Fall alltagstauglicher“, so Topar: „Jeder Ehepartner ist flexibel und kann über das Geld, das auf dem Konto liegt, verfügen.“

Was viele nicht wissen: Beim Oder-Konto kann ein Kontoinhaber die Einzelverfügungsvereinbarung mit der Bank einseitig widerrufen. „Das hat zur Folge, dass die Kontoinhaber von da an nur noch gemeinsame Verfügungen vornehmen können“, erläutert Grüning. Das Oder-Konto wird also in ein Und-Konto umgewandelt. „Eine Umwandlung eines Und- in ein Oder-Konto bedarf hingegen der Zustimmung aller Kontomitinhaber, ist also nicht einseitig möglich“, betont Grüning. Ebenfalls wichtig: „Auch bei einem Oder-Konto muss die Kontoauflösung von allen Kontoinhabern veranlasst werden“, erklärt Pallasch.

Gefahr der Pfändung und Mithaftung

Der Vorteil, dass jeder Kontoinhaber alleine über das Konto verfügen darf, kann auch zum Nachteil werden: „Denn andere Kontoinhaber müssen nicht gefragt werden und bekommen „Alleingänge“ erst im Nachhinein mit“, sagt Scherfling. Probleme gibt es auch dann, wenn ein Kontoinhaber einem Dritten Geld schuldet. „Denn dieser Dritte kann zum Beispiel das Gemeinschaftskonto pfänden lassen, sofern es sich um ein Oder-Konto handelt.“ Dann kommen auch andere Kontoinhaber nicht mehr wie bisher üblich an das Konto.

Viele Ehepaare behalten ihre eigenen Girokonten und eröffnen für die Finanzierung des gemeinsamen Haushaltes ein Gemeinschaftskonto. Es kann aber auch Sinn machen, wenn beide Seiten statt eines Gemeinschaftskontos ihre Einzelkonten beibehalten. Diese Variante hat aus Sicht von Scherfling den Vorteil, dass jeder auf seinem Konto die notwendigen Transaktionen schnell durchführen kann – „ohne wie beim Und-Konto auf den Partner angewiesen zu sein und ohne wie beim Oder-Konto der Gefahr einer Kontopfändung und Mithaftung ausgesetzt zu sein, die auf Handlungen des Partners zurückzuführen sind.“

Wenn einer das gemeinsame Konto überzieht, haftet der andere ebenfalls. „Und zwar in voller Höhe“, betont Topar. Scherfling verweist darauf, dass sich die Bank im Zweifel nicht an den wendet, der die Schulden verursacht hat, sondern an den, der finanziell am ehesten in der Lage ist, die Schulden zurückzuzahlen. „Schlimmstenfalls muss man den Partner dann im Nachhinein verklagen, um sein Geld wiederzubekommen“, erklärt der Verbraucherschützer.

Von Sabine Meuter

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