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Bullen symbolisieren steigende Kurse an der Börse. Mit Fonds können Anleger an den Gewinnen teilhaben.

Fonds: Gut gemischt ist halb gewonnen

München - Immer mehr Deutsche setzen beim langfristigen Vermögensaufbau auf Mischfonds. Die Auswahl des passenden Fonds ist allerdings schwierig. Denn die Mehrheit bleibt hinter dem Markt zurück. Eine Analyse.

Was jemand nicht selbst kann oder sich nicht zutraut, überlässt er einem Spezialisten. Das gilt bei der Autoreparatur, der Elektrik im Haus und sollte auch bei der Geldanlage gelten. Für viele Anleger scheinen deshalb Misch- oder Multi-Asset-Fonds ihren Reiz zu haben. Bei diesen Produkten stehen dem Fondsmanager mehrere Anlageklassen zur Verfügung und er entscheidet auf Basis seiner Analyse, welche Anlageklassen im jeweiligen Umfeld am vielversprechendsten sind, und wie er die ihm zur Verfügung stehenden Anlageinstrumente im Portfolio am besten gewichtet.

Das heißt, der Fondsmanager nimmt dem Anleger die schwierige Entscheidung ab, wann und wie er in welche Anlageklassen investiert. Dieser Gedanke scheint bei den Anlegern in Deutschland derzeit gut anzukommen. Laut dem Fondsverband BVI flossen diesen Produkten allein seit Jahresbeginn 17 Milliarden Euro zu. Insgesamt stecken 165 Milliarden Euro in den in Deutschland vertriebenen Mischfonds – Tendenz stark steigend.

Ganz einfach ist die Auswahl aber nicht. Denn die Unterschiede zwischen den Fonds dieser Kategorie sind immens. Das Spektrum reicht vom klassischen Mischfonds, der nur in Aktien, Anleihen und Cash investiert, bis zum Multi-Asset-Konzept, wo der Fondsmanager auch Rohstoffe, Gold oder Immobilien beimischen kann. Zudem gibt es risikoreduzierte Produkte, bei denen die maximale Aktienquote zum Beispiel auf 20 Prozent begrenzt ist, ausgewogene Fonds oder sehr offensive Vehikel, bei denen Aktien 100 Prozent am Portfolio ausmachen können.

Doch genau in dieser Vielfalt liegt das Risiko: „Die Produkte sind sinnvoll, aber sie bergen auch die große Gefahr, dass der Fondsmanager in seiner Asset Allokation einmal deutlich danebenliegt“, warnt Oliver Lang, Vorstand des Maklerpools BCA. Dass das gar nicht so selten vorkommt, bestätigt eine Analyse von dem Analysehaus Morningstar aus dem Jahr 2013. Demnach schneiden zum Beispiel global investierende flexible Mischfonds im Vergleich zu einem Portfolio, das zu je 50 Prozent aus einem globalen Renten- und einem weltweiten Aktienindex besteht, schlecht ab. Während der Vergleichsindex auf Sicht von drei Jahren laut Mornings auf ein Plus von 8,14 Prozent pro Jahr kam, lag der Ertrag der Mischfonds bei bescheidenen 1,35 Prozent pro Jahr im Schnitt.

Entsprechend ist die Zahl der Fonds, mit denen Anleger in der Vergangenheit besser abgeschnitten hätten, begrenzt. Laut der Untersuchung gelang es auf Sicht von drei Jahren nur 2,2 Prozent der Fonds den Vergleichsindex zu schlagen. Über den Zeitraum von zehn Jahren waren es zumindest 8,3 Prozent der Fonds und auf Jahressicht fast 17 Prozent.

Es sind zwar Ausnahmen, aber der eine oder andere Fondsmanager scheint in der Vergangenheit dennoch einen guten Job gemacht zu haben. Ein Beispiel ist der FvS Multiple Opportunities (siehe Tabelle). Basierend auf den eignen unabhängigen Research des Vermögensverwalters kann der Fondsmanager, je nach Umfeld in eine Vielzahl an Anlageklassen investieren. Aktuell ist der Fonds zu rund 73 Prozent in Aktien investiert, dazu kommen jeweils rund neun Prozent Cash, Gold und Anleihen. Dass es nur so wenigen aktiv gemanagten Fonds gelingt, so gut abzuschneiden, hat nach Ansicht von Fondsanalyst Gordon Rose von Morningstar einen guten Grund: „Ein Großteil der schlechten Performance ist den hohen Gebühren geschuldet“, sagt er. Für ihn sind deshalb kostengünstigere passive Lösungen eine Alternative.

Markus Jordan hat eine solche Alternative. Er bietet unter dem Namen easyfolio drei passive Anlagestrategien, die unterschiedliche Aktienquote in Höhe von 30, 50 oder 70 Prozent aufweisen, an. Das heißt, die Aktiengewichtung ist fix und wird nur regelmäßig wieder angepasst. Diese Portfolios investieren ausschließlich in ETFs, um die Kosten niedrig zu halten, und werden an die Ursprungsgewichtung auch regelmäßig angepasst. „Passive, breit gestreute Anlagestrategien wie easyfolio liefern dem Anleger den Marktertrag, nicht mehr und nicht weniger“, erläutert Jordan seine Philosophie. „Und damit sind sie meist erfolgreicher als viele andere aktiv verwaltete Strategien.“

Auf Grund der kurzen Historie, sie wurden erst zu Beginn dieses Jahres aufgelegt, ist die bisherige Wertentwicklung jedoch wenig aussagekräftig. Fondsanalyst Rose hält die Portfolios allerdings für etwas teuer. Besser schätzt er in dieser Hinsicht den Arero Weltfonds ein.

Der Grundgedanke dieses Fonds, der auf der Forschung von Professor Martin Weber von der Universität Mannheim basiert, war es, ein Anlageprodukt zu schaffen, dass sich durch niedrige Kosten und eine maximale Streuung auszeichnet. Für die Umsetzung hat der Wissenschaftler einen Weltindex entwickelt, der zu 60 Prozent aus Aktien, zu 25 Prozent aus Anleihen und zu 15 Prozent aus Rohstoffen besteht, wobei die Gewichtung regelmäßig wieder an diese Ursprungsgewichtung angepasst wird.

Entscheidend aber ist, dass der Fonds lediglich laufende Kosten in Höhe von 0,5 Prozent aufweist. Und obwohl es für Rohstoffe zuletzt schlecht lief, kann sich das Ergebnis sehen lassen: Laut Morningstar kam der Fonds in den vergangenen drei Jahren auf ein Plus über elf Prozent pro Jahr, auf Sicht von fünf Jahren waren es knapp sieben Prozent jährlich. Wer also für den Vermögensaufbau einen Spezialisten sucht, für den können auch gemischte Fonds eine Lösung sein. Nur Wunder sollten Anleger dabei nicht erwarten.

Von Gerd Hübner

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