KATWARN ausgelöst! Schwere Unwetter in Bayern

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Verdienen Kinder zu viel – also mehr als 7680 Euro im Jahr –, dann fällt nicht nur das Kindergeld weg, sondern auch andere Sozialleistungen.

Kindergeld für Volljährige

Genau rechnen lohnt sich

Für über drei Millionen volljährige Kinder zahlt der Staat Kindergeld. Allerdings: Falls das Einkommen der Sprösslinge zu hoch ausfällt, müssen die Eltern die Leistung zurückzahlen – und verlieren damit auch andere Ansprüche, die am Kindergeld hängen. Was tun?

Auch für volljährige Kinder gibt es Kindergeld (siehe Kasten). Sie dürfen allerdings pro Jahr netto maximal Einkünfte von 7680 Euro haben. Andernfalls wird das Kindergeld rückwirkend für das komplette Jahr gestrichen. Denn beim Kindergeld gilt das Prinzip „ganz oder gar nicht“, erklärt Kurt Eikemeier von der Bundesagentur für Arbeit, deren Familienkassen für die Leistung zuständig sind: „Verdienen die Kinder zu viel, fällt das Kindergeld sofort ganz weg“. Das macht dann ein Minus von 1848 Euro pro Jahr aus (ab dem vierten Kind sogar 2148 Euro).

Auswirkungen auf Sozialleistungen

Falls das Kindergeld entfällt, gehen auch andere Sozialleistungen verloren – etwa der Sieben-Prozentpunkte-Zuschlag zum Arbeitslosengeld I (ALG I), der nur Erwerbslosen zusteht, die Anspruch auf Kindergeld haben. Das ALG I beträgt dann statt 67 Prozent nur 60 Prozent vom früheren Nettolohn. Auch die Kinderzulage bei Riester-Verträgen oder der (auslaufenden) Eigenheimzulage ist an den Kindergeldanspruch gekoppelt.

Alle Einkünfte der Kinder miteinrechnen

Für potenzielle Kindergeld-Bezieher lohnt es sich also, genau zu rechnen. Beim Kindergeld-Anspruch zählen fast alle Einkünfte der erwachsenen Söhne und Töchter. Neben der Ausbildungsvergütung und dem Lohn (auch aus einem Minijob) gehören dazu etwa auch das volle Arbeitslosengeld und die Hälfte vom Bafög. Von den Einkünften werden allerdings der volle Arbeitnehmeranteil zu den Sozialversicherungsbeiträgen und – auch bei Azubis – die Werbungskosten abgezogen (hier: mindestens der Pauschbetrag von 920 Euro pro Jahr). Bei steuerfreien Bezügen – etwa aus Minijobs oder Arbeitslosengeld – wird ein pauschaler Abzug von 180 Euro vorgenommen.

Beispiel: Für den 20-jährigen Auszubildenden Luca Lohmann aus München schlagen seine Nebeneinkünfte aus einem Minijob als Diskjockey und die Zinsen aus Bundesschatzbriefen, die seine Oma ihm zum 18. Geburtstag geschenkt hat, zu Buche. Zusammen mit seinem Ausbildungsentgelt kommt er damit 2008 auf Einkünfte von 11 000 Euro. Dem stehen Abzugsbeträge von 3070 Euro gegenüber – unterm Strich bleiben damit anrechenbare Einkünfte von 7930 Euro übrig. Das sind genau 250 Euro mehr, als für den Kindergeld-Anspruch erlaubt ist.

Im Dezember die Ansprüche retten

Für Luca würde es schon reichen, wenn er im Dezember seinen Minijob, der ihm monatlich 260 Euro einbringt, ruhen ließe. Dann lägen seine Einkünfte um zehn Euro unter dem Grenzbetrag. Alternativ könnte er zusätzliche Werbungskosten „produzieren“. Er könnte etwa ohnehin geplante Käufe für einen beruflich genutzten PC und Software vorziehen. Das zahlt sich allerdings fürs Kindergeld nur dann aus, wenn die Werbungskosten (etwa auch für Fachliteratur oder Gewerkschaftsbeiträge) insgesamt den Pauschbetrag von 920 Euro übersteigen.

Ein freiwilliger Verzicht auf Teile des Gehalts, etwa das Weihnachtsgeld, das einem vertraglich oder vereinbarungsgemäß zusteht oder zugestanden hätte, rettet das Kindergeld jedoch nicht. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden (Az.: VIII R 16/02).

Familienkasse muss alles wissen

Eine ganz schlechte Idee ist es dagegen, gegenüber der Familienkasse Zinseinnahmen oder andere Einkünfte zu verschweigen. Die Betroffenen seien „in jedem Fall in der Pflicht, der Familienkasse alles mitzuteilen, was für den Kindergeldanspruch Bedeutung hat“, so Kurt Eikemeier von der Bundesagentur. Wer dies nicht tut, fällt leicht auf. Denn durch einen Datenabgleich bekommen die Familienkassen mit, wer Einkünfte verschweigt.

Mehr Informationen

zum Thema gibt es unter der Fax-Abrufnummer 0900/12 52 665 52 40 (62 Cent pro Minute, 6 Seiten) bis 19. 12. 08. Kein Fax? Dann senden Sie einen mit 0,90 Euro frankierten Rückumschlag plus 1,45 Euro in Briefmarken unter dem Stichwort „Kindergeld“ an: Versandservice, Lerchenstr. 8, 86938 Schondorf.

Von Rolf Winkel

Für minderjährige Kinder erhalten die Eltern ohne besondere Prüfprozeduren Kindergeld. Es spielt keine Rolle, ob die Kinder (noch) zur Schule gehen oder arbeiten. Die für die Zahlung des Kindergelds zuständigen Familienkassen der Arbeitsagenturen interessieren sich auch nicht für das Einkommen der Betroffenen.

Diese reibungslose Kindergeld-Zahlung endet, wenn die Kinder volljährig werden. Ab dann gibt es Kindergeld nur unter bestimmten Voraussetzungen, die regelmäßig geprüft werden. Kindergeld gibt es nur für solche erwachsenen Kinder, die

  • eine Ausbildung machen (bis 25 Jahre),
  • einen Ausbildungsplatz suchen (bis 25 Jahre)
  • arbeitslos sind (bis 21 Jahre),
  • ein freiwilliges soziales Jahr oder ökologisches Jahr absolvieren (bis 25 Jahre)
  • Zwangspausen (maximal vier Monate) zwischen Ausbildungsabschnitten oder Ausbildung und Dienstzeit einlegen müssen (bis 25 Jahre).

Während des Zivil- oder Wehrdienstes wird kein Kindergeld gezahlt. Dafür verschieben sich die genannten Altersgrenzen um die Dauer des abgeleisteten Dienstes nach hinten.

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