General Motors streicht 30000 Jobs

- Detroit/Rüsselsheim - Der weltgrößte Autokonzern General Motors (GM) streicht in seinem verlustreichen Nordamerika-Geschäft mit 30 000 Stellen rund jeden sechsten Arbeitsplatz. Damit sollen nach erneuten Milliarden-Verlusten 5000 Jobs mehr wegfallen als bislang geplant. Zwölf Produktions- und Service-Standorte in den USA und Kanada werden geschlossen. Dadurch sollen die Einsparungen bis Ende 2006 um eine auf sieben Milliarden Dollar erhöht werden. Die deutsche Tochter Opel, bei der bereits ein massiver Stellenabbau läuft, ist von den neuen Streichungen nicht betroffen.

Der Großteil des Stellenabbaus solle durch natürliche Fluktuation und Vorruhestand erfolgen, sagte GM-Chef Rick Wagoner am Montag. Die Entscheidungen seien schwer zu fällen gewesen, weil sie tausende Beschäftigte und ihre Familien sowie die Städte, in denen die Werke liegen, treffen. "Aber diese Schritte sind notwendig für GM, um die Kosten auf das Niveau unserer Wettbewerber zu bringen." Sie seien ein Schlüsselelement des Plans, das Nordamerika-Geschäft wieder in die Gewinnzone zu bringen. Der Abbau werde den Gewinn "erheblich" belasten, hieß es, ohne dass eine Größenordnung genannt wurde.

Der Heimatmarkt macht GM seit Monaten schwer zu schaffen. In den ersten drei Quartalen 2005 addierte sich der Verlust dort auf 4,8 Milliarden Dollar. Auslöser waren ein sinkender Absatz als Folge der hohen Spritpreise, ein ruinöser Preiskrieg sowie hohe Pensionsverpflichtungen. Das Minus in Nordamerika brachte auch den gesamten Konzern auf ein Neunmonats-Minus von 3,8 Milliarden Dollar.

GM hatte bereits im Juni angekündigt, 25 000 Jobs in amerikanischen Produktionsstätten zu streichen, um die Kapazitäten drastisch zu senken. Dabei waren die Fortschritte in Europa hervorgehoben worden, wo bereits ein über zwei Jahre verteilter Abbau von 12 000 Stellen läuft. Zum Ende des dritten Quartals hatte GM 173 000 Beschäftigte in Nordamerika und 56 000 in Europa. In den USA, die besonders stark von den Werkschließungen betroffen sind, arbeiteten für GM 142 000 Menschen.

Opel wird von der neuen Sparrunde nicht betroffen sein. Der im Frühjahr beschlossene "Zukunftsvertrag", der die Streichung und Auslagerung von 9500 Stellen bei Opel vorsieht, werde wie geplant umgesetzt und nicht verschärft, sagte Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz der dpa. Die gleiche Einschätzung verlautete aus Unternehmenskreisen. "Auch unsere Budgets werden nicht gekürzt", sagte Franz. Das habe GM zugesagt. Die Modelloffensive könne damit wie vereinbart fortgesetzt werden.

In Nordamerika will GM die Produktionskapazität bis Ende 2008 auf 4,2 Millionen Fahrzeuge senken - um eine Million mehr als bislang angekündigt. Strategisch will der Konzern die Fertigung aus Standorten mit hohen Lohnkosten wie die USA oder Europa möglichst abziehen. Druck kommt vor allem von asiatischen Wettbewerbern, die hohe Qualität bei niedrigeren Preisen und sparsamere Antriebstechnologien wie den Hybrid liefern.

GM will nun in der bis Ende 2006 die laufenden Ausgaben um sechs statt um fünf Milliarden Dollar senken und zusätzlich eine Milliarde bei den Materialkosten einsparen. Im Oktober einigte sich der Konzern bereits mit Mitarbeitern auf Abschläge bei der Gesundheitsversorgung. Dadurch soll unterm Strich rund eine Milliarde Dollar im Jahr eingespart werden.

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