+
Arbeiter am Montageband von GM: Der US-Automarkt kühlt sich langsam ab. Foto: Steve Fecht

Trotz Trumps "Job-Wunder"

General Motors streicht in USA weitere 1100 Stellen

Der führende US-Autohersteller General Motors baut noch mehr Arbeitsplätze ab. Das wirft Zweifel auf, ob sich Präsident Trump bei seinem versprochenen Job-Wunder auf die Autobranche verlassen kann. Nach jahrelangem Absatzboom stehen die Zeichen auf Abkühlung.

Detroit (dpa) - US-Präsident Donald Trump fordert vehement mehr Jobs im Land, doch beim größten Autobauer fallen weitere Stellen weg. General Motors (GM) kündigte am Montag an, rund 1100 Arbeitsplätze in einem seiner Werke in Lansing im US-Bundesstaat Michigan zu streichen.

Als Grund nannte ein Sprecher die Verlagerung der Produktion der Geländelimousine GMC Acadia nach Spring Hill in Tennessee. Dort seien zuvor etwa 800 neue Stellen entstanden.

Bereits im November hatte GM mitgeteilt, wegen der Absatzflaute bei bestimmten Modellen rund 2000 Arbeitern in Ohio und Michigan zu kündigen. Dem "Wall Street Journal" zufolge hat der Konzern innerhalb von sechs Monaten etwa 4400 Stellen abgebaut. GM bekommt zu spüren, dass sich der US-Automarkt abkühlt. Nachdem Billigsprit und niedrige Zinsen der Branche 2016 einen Rekord von 17,5 Millionen verkauften Neuwagen beschert hatten, mussten zuletzt Abstriche gemacht werden.

Für Trump sind das keine guten Nachrichten. Er hat angekündigt, mehr Jobs entstehen zu lassen als je ein Präsident zuvor. "Ich werde der größte Arbeitsplatzbeschaffer sein, den Gott je geschaffen hat", versprach Trump. Die Entwicklung bei GM wirft jedoch Zweifel auf, ob die Autobranche viel zum Job-Wunder beitragen kann. Zumal auch andere Schwergewichte unter der abflauenden Autokonjunktur leiden. Bei Fiat Chrysler gab es 2016 die ersten Stellenstreichungen seit dem Krisenjahr 2009 und auch Ford drosselte die Produktion.

Trump versucht, die Autoindustrie mit aggressiven Kommentaren auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und der Androhung von Strafzöllen auf Linie zu bringen. "Produziert in den USA oder zahlt hohe Einfuhrsteuern!", attackierte er GM zu Jahresbeginn. Tatsächlich versprach der Konzern daraufhin, in den nächsten Jahren eine Milliarde Dollar in die US-Produktion zu stecken. Auch Fiat Chrysler kündigte Investitionen an. Ford stoppte nach Kritik von Trump den Bau eines Werks in Mexiko. Experten zweifeln aber, ob Trumps Haudrauf-Methoden zum Erfolg führen können.

Der Präsident macht die Produktion von US-Konzernen im benachbarten Niedriglohnland Mexiko für den Verlust von heimischen Jobs verantwortlich und droht deshalb, das nordamerikanische Handelsabkommen Nafta aufzukündigen. Analysten halten das für keine gute Idee. Ein solcher Schritt würde "zu höheren Kosten für die Hersteller, niedrigeren Erträgen für Investoren, weniger Auswahl für Kunden und einer weniger wettbewerbsfähigen US-Auto- und Zulieferindustrie führen", warnt das Center for Automotive Research.

Eine Studie des Forschungsinstituts kommt zu dem Schluss, dass Trumps Vorhaben, US-Arbeitsplätze aus Mexiko zurückzuholen, auf einem Irrglauben basiert. Der Fertigungsprozess in der Freihandelszone sei so stark verflochten, dass Bauteile vor der Endmontage mitunter bis zu acht Mal die US-Grenze passierten. Davon profitiere auch die US-Wirtschaft. Sollten die USA, wie von Trump angedroht, Strafzölle von 35 Prozent auf Importe aus Mexiko erheben, dürften der Analyse nach zahlreiche US-Jobs verloren gehen.

CAR-Studie

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Cloud-Boom beschert Microsoft kräftige Geschäftszuwächse
Bei Microsoft läuft es dank brummender Cloud-Dienste schon länger wieder rund. Inzwischen florieren die Geschäfte auch in anderen Sparten - die Quartalszahlen …
Cloud-Boom beschert Microsoft kräftige Geschäftszuwächse
MAN schickt Elektro-Trucks auf die Reise - und kündigt weitere Innovation an
Schon im September sollen für MAN Trucks mit Elektro-Antrieb unterwegs sein. Das soll nicht die einzige Innovation des Unternehmens bleiben.
MAN schickt Elektro-Trucks auf die Reise - und kündigt weitere Innovation an
EU bereitet Maßnahmen gegen mögliche US-Autozölle vor
Verhängen die USA im Handelsstreit mit der EU hohe Sonderzölle auf Autos? Diese Frage sorgt seit Monaten für Nervosität - vor allem Deutschland bangt wegen der großen …
EU bereitet Maßnahmen gegen mögliche US-Autozölle vor
Trump kritisiert Zinspolitik der US-Notenbank
Der US-Präsident sagt mitunter Dinge, die er besser für sich behalten sollte. Diesmal rüffelt er die unabhängige Notenbank Fed, weil diese die Leitzinsen erhöht hat. …
Trump kritisiert Zinspolitik der US-Notenbank

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.