General Motors verkauft Mehrheit an GMAC

- Detroit - Der angeschlagene US-Autohersteller General Motors (GM) verkauft nach monatelangen Verhandlungen eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an seiner lukrativen Finanzsparte General Motors Acceptance Corporation (GMAC). Käufer ist ein Investorenkonsortium unter Führung der US-Investmentfirma Cerberus Capital Managment LP.

GM erhält innerhalb von drei Jahren insgesamt 14 Milliarden Dollar (11,7 Mrd Euro) in bar. Davon fließen zehn Milliarden Dollar zum Abschluss der Transaktion in die Kassen. Dies hat GM am Montag bekannt gegeben. Dem Konsortium gehören auch die Citigroup und die japanische Aozora Bank Ltd an, die von Cerberus 2003 übernommen worden war. Cerberus verwaltet Vermögenswerte von 18 Milliarden Dollar.

GMAC betreibt die GM-Autofinanzierung, bietet kommerzielle Kredite und Hypotheken an und ist im Versicherungssektor tätig. Es handelt sich um die mit Abstand gewinnträchtigste GM-Sparte und Perle unter den GM-Vermögenswerten. GMAC hatte im vergangenen Jahr 2,4 Milliarden Dollar Gewinn an GM abgeführt. GMAC-Chef Eric Feldstein wird das Unternehmen weiter führen und will die Gesellschaft zu einem global führenden Finanzdienstleister ausbauen. GMAC könne jetzt in die Offensive gehen, erklärte er.

GM steht unter starkem Sanierungsdruck. Ein Verlust von 10,6 Milliarden Dollar im Jahr 2005, behördliche Untersuchungen, rückwirkende Bilanzkorrekturen, Herabstufung der Kredit-Ratings durch die Rating-Agenturen und ein Not leidendes Nordamerika-Autogeschäft haben GM mächtig zugesetzt. Der weltgrößte Autokonzern hat bereits mit dem Verkauf von Vermögenswerten sowie Beteiligungen an anderen Firmen begonnen.

GM wird von der Cerberus-Gruppe beim Abschluss der komplizierten Transaktion 7,4 Milliarden Dollar in bar erhalten sowie eine Barüberweisung von 2,7 Milliarden Dollar von GMAC. GM behält auch 20 Milliarden Dollar an GMAC-Vermögenswerten mit einem Buchwert von vier Milliarden Dollar. Sie sollen innerhalb von drei Jahren "monetisiert", sprich in Geld umgewandelt werden.

GM und das Konsortium wollen auch 1,9 Milliarden Dollar in neue GMAC-Vorzugsaktien investieren. 1,4 Milliarden Dollar der Titel gehen an GM und 500 Millionen Dollar an das Konsortium. GM wird im Rahmen des Verkaufs eine Sonderbelastung von 1,1 bis 1,3 Milliarden Dollar verbuchen, die im zweiten Quartal 2006 fällig wird. GM hat auf zehn Jahre eine Option, unter bestimmten Umständen die GMAC-Autofinanzierungssparte zurückzukaufen.

Die Citigroup wird zwei gesicherte Kreditlinien über insgesamt 25 Milliarden Dollar für GMAC arrangieren, um deren Liquiditätsposition zu stärken. Dabei ist die Citigroup neben ihrem GMAC-Investment selbst mit 12,5 Milliarden Dollar an dieser Kreditlinie beteiligt. GM hofft, dass das durch die Schwierigkeiten der Mutter angegriffene GMAC-Kredit-Rating verbessert wird.

GM-Konzernchef Rick Wagoner bezeichnete das Abkommen als "weiteren wichtigen Meilenstein". Er verwies auf die anderen Sanierungsmaßnahmen für das angeschlagene Nordamerikageschäft. Es werde GMAC stärken und gleichzeitig GM erhebliche Liquidität für seinen Sanierungsplan bringen. Damit will er auch zukünftige Wachstumsinitiativen finanzieren und die Bilanz stärken. Der GM-Verwaltungrat hat die Transaktion gebilligt. Sie soll im Schlussquartal 2006 über die Bühne gehen. Es sind noch behördliche Genehmigungen erforderlich.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Analyse: Viele Haushalte mussten mehr heizen
Eschborn (dpa) - Wegen der kühlen Witterung in den Wintermonaten des Jahres 2016 mussten viele Haushalte in Mehrfamilienhäusern laut einer Analyse mehr heizen als im …
Analyse: Viele Haushalte mussten mehr heizen
Stromnetz nicht vorbereitet für Ausbreitung von E-Autos
Der Bund erwartet eine EU-Quote für Elektroautos - doch das ächzende deutsche Stromnetz ist auf eine massenhafte Verbreitung von E-Mobilen gar nicht vorbereitet. Eng …
Stromnetz nicht vorbereitet für Ausbreitung von E-Autos
Dobrindt wirbt für Umtauschprämien der Autobauer
Damit die Luft in Städten besser wird, sollen alte Diesel runter von der Straße - das war ein Ergebnis des Dieselgipfels. Autobauer bieten Prämien für Kunden, die sich …
Dobrindt wirbt für Umtauschprämien der Autobauer
Machnig zu Wöhrl-Angebot: Air Berlin braucht mehrere Partner
Der Bund hält nichts von einer Komplett-Übernahme der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch den Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl.
Machnig zu Wöhrl-Angebot: Air Berlin braucht mehrere Partner

Kommentare