Generalprobe ohne Probleme: Jetzt kann die Maut kommen

- Berlin - Ein Monat noch, dann ist das Gratis-Zeitalter auf den deutschen Autobahnen vorbei. Zwar lässt die amtliche Betriebserlaubnis noch auf sich warten, aber nach dem gestrigen Ende der Generalprobe steht praktisch fest: Die Lkw-Maut kommt, und zwar tatsächlich am 1. Januar 2005. Bis auf kleinere Mängel ist die zehnwöchige Testphase zur allgemeinen Zufriedenheit verlaufen. Kein Grund, den Start des satellitengestützten Erfassungssystems, mit dem sich die deutsche Industrie bislang nur blamierte, abermals zu verschieben.

<P>Im Vergleich zu den letzten Wochen vor den ersten beiden Startterminen im August und November 2003 ist es ruhig geworden um das Projekt. Was vor allem daran liegt, dass nach all den technischen Schwierigkeiten im vergangenen Jahr jetzt im Testbetrieb kaum noch Probleme bekannt wurden. Allenfalls der Ärger einiger Lastwagenfahrer, deren On-Board Units (Obus) nach der Rückkehr aus dem Ausland nicht mehr funktionierten, sorgte nochmals für Unruhe. Dieser "Auslandsfehler" ist inzwischen behoben.<BR><BR>Die letzte Entscheidung über den Starttermin liegt nun beim Bundesamt für Güterverkehr, das vermutlich am 15. Dezember die Betriebserlaubnis erteilen wird. Die Behörde hat schon anklingen lassen, dass sie grünes Licht geben wird. <BR><BR>Im verbleibenden Monat geht es nun darum, einen möglichst reibungslosen Start zu garantieren. Dazu schickt das Betreiberkonsortium Toll Collect ab heute die ersten von insgesamt 5200 "Mautberatern" los. Die Aushilfskräfte sollen an Raststätten und Tankstellen Hilfe leisten, wenn Lkw-Fahrer mit dem Kassen-Automaten nicht zurechtkommen. Zudem verschickt das Konsortium um Daimler-Chrysler und Telekom eine neue Lern-Software, mit der die Einbuchung geübt werden kann.<BR><BR>Die größten Sorgen bereitet den Maut-Verantwortlichen weiterhin, dass zu wenig Obus eingebaut sind. Einen Monat vor dem Start sind erst 218 000 Lastwagen damit ausgestattet. "Irgendwie werden wir über 300 000 kommen", heißt es bei Toll Collect. Aber von den ursprünglich geplanten 500 000 Geräten ist dies weit entfernt. Hinzu kommt, dass gerade die Ausländer sehr im Verzug sind.<BR><BR>Befürchtet wird deshalb, dass es nach der Maut-Einführung vor allem an den Grenzen zu langen Staus kommen wird. Die Gefahr, dass es gleich nach dem Jahreswechsel ein Chaos gibt, ist allerdings gering. Der 1. Januar ist Feiertag, der 2. Januar ein Sonntag, und in der Woche darauf sind auch viele Lkw-Fahrer noch in den Weihnachtsferien. "Erst danach wird es ernst", sagt Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Güterverkehr und Logistik.<BR><BR>Der Verband erwartet, dass es dann unter den Lkw-Fahrern eine Drei-Klassen-Gesellschaft geben wird. "Die Mehrheit hat die Obus brav eingebaut und wird die Maut auch bezahlen. Andere werden sich einbuchen, wenn sich Gelegenheit dazu bietet. Aber viele werden es darauf ankommen lassen, dass sie nicht erwischt werden." Das kann teuer werden: Das Bußgeld für Mautpreller beträgt mindestens 75 Euro - zusätzlich zur Maut. Wiederholungstäter müssen bis zu 20 000 Euro bezahlen.</P>

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