Generationswechsel: Siemens gibt sich ein neues Gesicht

- München - In der Siemens-Familie hat eine neue Generation das Sagen. Vorstandschef Heinrich von Pierer soll am 27. Januar nächsten Jahres auf die Position des Aufsichtsrats-Vorsitzenden wechseln, teilte das Unternehmen mit. Neuer Konzern-Chef wird der bisher für die Kommunikations-Sparte zuständige Vorstand Klaus Kleinfeld. Auch weitere zentrale Positionen sollen neu besetzt werden. Schon im Herbst steht in dem Münchner Technik-Konzern eine der umfangreichsten Umstrukturierungen seit mehreren Jahren an.

<P>Mit dem Wort "Generationswechsel" hat Siemens die Mitteilung zur großen Personal-Rochade überschrieben. Nach über zwölf Jahren als Vorstandsvorsitzender wird Heinrich von Pierer den Chefsessel räumen. Sein bis zum 30. September dieses Jahres laufender Vertrag wird knapp vier Monate verlängert, dann ist Schluss. Bei der Hauptversammlung am 27. Januar 2005 wird der bisherige Aufsichtsrats-Chef Karl-Hermann Baumann sein Amt altersbedingt niederlegen. An seiner Stelle wird Pierer den Aktionären zur Wahl vorgeschlagen. Am selben Tag soll er in dem Kontroll-Gremium zum Vorsitzenden gewählt werden.<BR><BR>Klaus Kleinfeld wird der neue Chef des größten privaten Arbeitgebers in Deutschland, der 2003 einen Jahresumsatz von 74 Milliarden Euro und einen Gewinn von 2,45 Milliarden Euro erzielte. Kleinfeld war zuletzt im Vorstand für den Bereich Information und Kommunikation zuständig. Er galt als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge Pierers. Ein Unternehmenskenner beschreibt den 46-Jährigen als "netten, offenen Typ, einer, der auf Menschen zugehen kann" (siehe auch "Gesicht des Marktes"). Bislang soll es keine größeren Zusammenstöße mit Arbeitnehmervertretern gegeben haben. Doch die könnten bald kommen.<BR><BR>Zum 1. Oktober dieses Jahres sollen die Festnetz- und die Mobiltelefon-Sparte (ICN und ICM) zusammengelegt werden. Sie bilden mit einem Jahresumsatz von zuletzt mehr als 17 Milliarden Euro den mit Abstand größten Bereich des Siemens-Konzerns. "Spekulationen über diesen Schritt hat es schon länger gegeben", sagte Wolfgang Müller von der Siemens-Gruppe bei der IG Metall. Die Technik von Mobil- und Festnetz-Telefonen gleiche sich an. "Von daher macht das Sinn. Aber was das für die Arbeitnehmer bedeutet, wollen wir erstmal sehen." Beide Sparten waren in den vergangenen Jahren von massivem Stellenabbau betroffen. Der Aufsichtsrat soll die Umstrukturierung des Konzerns am 28. Juli beschließen. Danach würden "Einzelheiten der Neuorganisation bekannt gegeben", teilte Siemens mit.<BR><BR>Der Wechsel von Vorstands-Chefs in das Amt des Aufsichtsrats-Vorsitzenden wird von Anleger-Schützern kritisiert. "Das ist sicher unter gewissen Umständen gerechtfertigt. Bei Siemens muss man das abwägen", sagte Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger. Zwar könne man "sicher nicht sagen, dass Pierer die Gesellschaft mit großen Problemen an einen Nachfolger übergibt. Er hat das Unternehmen recht erfolgreich geführt", sagte Keitel. Generell werde aber auf europäischer Ebene eine Wartezeit angestrebt, die Vorstands-Chefs einhalten sollten, bevor sie den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen.<BR></P>

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