Genossen fürchten um ihr Eigenkapital

- München - Den Volks- und Raiffeisenbanken droht die Vernichtung weiter Teile ihres Eigenkapitals. Eine geplante Bilanzregel soll die Rechnungslegung der Genossenschaften auf den Kopf stellen: Das von Mitgliedern eingezahlte Geschäftskapital würde demnach nicht mehr als Eigenmittel, sondern als kurzfristige Verbindlichkeiten gelten, weil diese Einlagen kündbar sind. "Das wäre eine Katastrophe", sagte Wilhelm Frankenberger, der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern, unserer Zeitung.

Wer keine solide Eigenkapitalbasis hat, kann sich nur sehr teuer Geld beschaffen. Es geht deshalb um Milliarden. Die derzeit rund 1400 Volks- und Raiffeisenbanken haben etwa 8,54 Milliarden Euro Geschäftsguthaben von 15,2 Millionen Mitgliedern verbucht: "Ein Drittel unseres Eigenkapitals", sagt Frankenberger.<BR><BR>Erste Genossenschaftsbanken müssten schon ab 2005 nach den neuen Regeln bilanzieren. Weitere würden "über kurz oder lang folgen". Auch andere Genossenschaften und Personengesellschaften müssten mittelfristig wohl nach den neuen Bilanzstandards rechnen. Frankenberger spricht von "verheerenden Konsequenzen". Der internationalen Kommission, die den neuen Standard festsetzt, seien "die Besonderheiten von Genossenschaften im alten Europa offensichtlich fremd", heißt es in einer ungewöhnlich scharfen Stellungnahme des Verbands.<BR><BR>Bei der Expertenrunde, dem "Internationalen Accounting Standard Board" (IASB), stießen die Verbände auf taube Ohren. "Keinerlei Verständnis", notierten die Genossen konsterniert.<BR><BR>Frankenberger hat nun Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu alarmiert. In den nächsten Wochen reist er nach Brüssel. Gemeinsam soll verhindert werden, dass die EU diese Bilanzregeln übernimmt und ihren Unternehmen vorschreibt. "Das würde an der ökonomischen Wirklichkeit völlig vorbeigehen", sagt Wiesheu: "Das darf so nicht kommen."<BR><BR>EU-Parlamentarier wollen eine Mehrheit gegen die Pläne organisieren. "Wir müssen auf die Bremse steigen", sagt Alexander Radwan, Wirtschaftsexperte der konservativen Fraktion. Er ärgert sich auch über das Verfahren, solch weit reichende Entscheidungen willkürlich eingesetzten Kommissionen zu überlassen: "Immer mehr Finanzgestaltung läuft in internationalen Selbstfindungsgruppen." Nicht mal mehr Konzerne wie die Allianz hätten ausreichend Einfluss in diesen Gremien, um grobe Fehl-Pläne zu verhindern.<BR>

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