Genossenschaftsbanken beklagen Kontrollwut

- München - Die bayerischen Genossenschaftsbanken ächzen unter der Last bürokratischer Kontrollwut: So stellt Verbandspräsident Stephan Götzl die umfangreichen Aktivitäten der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) dar. "Es dürfte in Deutschland kaum weitere Institutionen geben, die so intensiv überprüft, überwacht und reglementiert sind wie die Genossenschaftsbanken."

Und das nicht etwa, weil in den Kellern der Genossenschaftsbanken besonders viele Kreditrisiken schlummern würden. Im Gegenteil: Im internen Rating bekämen über 80 Prozent der 350 bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken die Bestnoten A und B. Im externen Rating gebe es ebenfalls die Noten A und A+.

Dennoch habe es im vergangenen Jahr bei 47 Banken im Auftrag der Bafin Sonderprüfungen gegeben. Alles in allem (gesetzliche Prüfung durch den Verband, Sonderprüfung und Aufsichtsgespräche bei der Bundesbank) könne eine Bank im Jahr auf über 150 Prüfungstage kommen.

Die Prüfungen kosteten freilich nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Allein die 47 Sonderprüfungen hätten 2005 mit 1,75 Millionen Euro zu Buche geschlagen. "Wahrlich kein Pappenstiel", so Götzl, zählten doch die Genossenschaftsbanken eher zu den kleinen Banken im Lande.

Der Bafin, die ihr Personal in den vergangenen drei Jahren um 30 Prozent aufgestockt hat, kann's egal sein. 2002 wurde die Beteiligung der Behörde an den Kosten der Prüfungen abgeschafft - und seitdem, so beobachtet Götzl, wächst der Aktionismus der Finanzaufseher. Deshalb fordert der Verband, dass die Bafin wieder ihren Kostenbeitrag leisten muss - und sei es nur ein geringer Prozentsatz. Dann, so die Hoffnung, würde das Prüfwesen wieder ein vertretbares Maß erlangen.

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