Bei Genossenschaftswohnung keine Eigenbedarfskündigung

- Als "Kinder der Not" sind sie während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert entstanden ­- als Selbsthilfeeinrichtungen der kleinen Leute. 2000 Wohnungsgenossenschaften mit 2,2 Millionen Wohnungen in Deutschland zählt der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) in Berlin. Jede zehnte Mietwohnung hierzulande gehört damit einer Genossenschaft.

Wer darin wohnt, genießt ein hohes Maß an Sicherheit, betonen Experten. Doch gleichzeitig trägt er auch ein Stück Mitverantwortung für das Wohl aller Genossen.

"Wohnungsgenossenschaften stehen für sicheres und relativ preiswertes Wohnen", sagt Ulrich Ropertz, Sprecher des Deutschen Mieterbundes in Berlin. Sinn der Genossenschaft sei eben nicht das Erwirtschaften einer Rendite, sondern das Bereitstellen günstigen Wohnraums. Wer Anteile an einer Genossenschaft erwirbt, dadurch Miteigentümer wird und lebenslanges Wohnrecht hat, habe zudem mehr Schutz als andere Mieter. "Es ist niemand da, der Ihnen wegen Eigenbedarfs kündigen kann", erklärt Ropertz.

Solche Vorteile des genossenschaftlichen Wohnens betont auch Markus Hartleb von der Stiftung Warentest: "Der Mieter hat da eine ganz andere rechtliche Handhabe." Ein wesentlicher Aspekt ist auch die Gleichheit unter den Mitgliedern einer Genossenschaft ­ unabhängig vom eingezahlten Geld. In der Generalversammlung, die einen Aufsichtsrat wählt und so die Arbeit des Vorstands maßgeblich beeinflusst, hat jeder nur eine Stimme.

Für Angelika Riemer, Mitglied der GdW-Geschäftsführung, liegt eine weitere Besonderheit der Wohnungsgenossenschaften in ihrem Service: "Es gibt eine Vielzahl wohnbegleitender Leistungen für Jung und Alt", sagt sie ­ von Kinderbetreuung und Begegnungsstätten über einen Concierge- bis hin zum Busservice. Wenn der Wasserhahn tropft, kommt jemand vorbei und macht das ­ da muss man keinen Klempner rufen. Die meisten Genossenschaften beschäftigen eigene Handwerker.

Entscheidend für die Qualität einer Wohngenossenschaft ist die Arbeit des Vorstands. "In einer schlecht geführten Genossenschaft haben sie Renovierungsrückstände, wenn der Vorstand fünf oder zehn Jahre geschlafen hat", erläutert Eric Meyer von der Universität Münster. Oder die Wohnungen seien vom Zuschnitt her zu klein und kaum noch zu vermieten. Wer in eine Genossenschaft eintreten wolle, solle daher auf eine gute Mischung im Wohnungsbestand achten.

Wer in eine Wohngenossenschaft eintritt, kann nach Ansicht von Verbraucherschützer Hartleb recht schnell eine Wohnung finden. "Sie müssen in der Regel nicht lange warten", meint er. Es sei nicht mehr so wie früher, dass man fünf, sechs oder acht Jahre auf der Warteliste stehe, sagt auch Angelika Riemer.

Vor dem Eintritt in eine Genossenschaft sollte aber jeder die grundsätzliche Frage klären, ob er auch wirklich bereit ist, sich in eine Gemeinschaft zu integrieren. Denn wer sich als Genosse dem vielfach sehr aktiven Sozialleben in der Nachbarschaft verschließe, könnte Riemer zufolge Probleme bekommen: "Wenn Sie da nicht mitmachen, sind Sie ein Außenseiter", warnt sie.

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