Gen-Reis: Pflanze außer Kontrolle, Handel räumt die Regale

- Keine Durchsuchungen, keine Verhaftungen. Dieser "Skandal" hat keine unmittelbar Schuldigen. Seit gut einer Woche ist es möglich, den gentechnisch veränderten Reis LL601 aufzuspüren. Das Ergebnis, das die EU nur zögernd bekannt gab: Fast jede fünfte Probe von US-Langkornreis war positiv. Niemand wollte LL601 bisher in den Handel bringen. Nur versuchsweise wurde er in den USA angebaut. Der Unfall, der jetzt durch Untersuchungen aufflog, ist aber das Schlimmste, was den Befürwortern von Gentechnik passieren konnte.

Denn nun ist eingetreten, was die Gegner immer befürchtet haben: Gentechnisch veränderte Pflanzen sind außer Kontrolle geraten und verbreiten sich in der Natur.

Jeder fünfte Test positiv

Das Ausmaß ist allerdings noch ziemlich unklar. Der Verband europäischer Reismühlen hat 162 Langkornreis-Lieferungen untersucht. In 33 Fällen wurden Spuren von LL601 aufgespürt. Die betroffenen Lieferungen wurden daraufhin vom Markt genommen. Bei Untersuchungen der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg wurden gentechnische Veränderungen des in der Europäischen Union nicht zugelassenen Typs LL601 festgestellt. Wie das Stuttgarter Agrarministerium mitteilte, handelt es sich um zwei verschiedene Reisprodukte, die umgehend aus dem Handel genommen würden. Von den insgesamt 46 abschließend untersuchten Proben hatten den Angaben zufolge insgesamt sieben einen positiven Befund. Dabei handelt es sich um vier Proben eines Reiserzeugnisses aus den USA und drei weitere eines bislang noch unbekannten Herstellers. Auf Greenpeace-Informationen hin hatte Aldi Nord den Langkornreis aus den Regalen genommen. Nach dem Fund von Gen-Reis in Baden- Württemberg hat auch die Supermarktkette Edeka Südwest fragliche Ware aus den Regalen geräumt. Das Produkt "fit for fun Vollkornreis Marathon" werde aus allen Märkten entfernt, teilte das Unternehmen mit. Vorsorglich werde auch der "fit for fun Trix Reis-Mix Triathlon" nicht mehr verkauft.

Handel ist alarmiert

Der Hauptkonkurrent des Mülheimer Discounters hat es diesmal leicht. "Wir haben keinen US-Reis im Sortiment", sagt Thomas Oberle von Lidl, "und nehmen ihn auch nicht auf." Oberle verweist außerdem auf die Bio-Produkte im Lidl-Angebot und Milch, die ausdrücklich als gentechnikfrei gekennzeichnet ist. Auch Rewe hat für seine Eigenmarken Reis von keinen der betroffenen Unternehmen bezogen, wie Andreas Krämer von Rewe sagt. Außerdem sei den Lieferanten für diese Eigenmarken der Einsatz von gentechnischen Organismen ausdrücklich verboten. Diese müssen entsprechende Erklärungen unterschreiben. Der Handelsriese Metro hat alle Lieferanten angeschrieben und eigene Testreihen veranlasst, wie Konzernsprecher Jürgen Homeyer sagt. Die Ergebnisse ergaben eine Entwarnung: alle Tests negativ. Dass der bei Aldi verkaufte, möglicherweise verunreinigte Reis "Bon-Ri" nicht krank macht, darüber sind sich Behörden, Handel und Wissenschaftler einig. Der Forscher Dieter Jany bringt es auf den Punkt: "So viel Reis kann man gar nicht essen, dass man dadurch einen toxikologischen Effekt bekommt." Doch gefördert hat die Aufregung das Ansehen der grünen Gentechnik gewiss nicht.

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