Gentech-Öl in Bayerns Gaststätten: Oft fehlt der Hinweis auf der Karte

- Geht es um Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Inhaltstoffen, sind viele Verbraucher skeptisch. Rund die Hälfte der Deutschen würde laut Umfragen derartige Produkte beim Einkaufen links liegen lassen; die großen Supermarktketten führen kennzeichnungspflichtige Artikel deshalb auch nicht in ihren Sortimenten. Anders läuft es in der Gastronomie: Mancher Wirt greift im Großhandel gerne zum günstigeren Öl aus modifizierten Sojabohnen, um damit Schnitzel zu braten und Pommes zu frittieren. Der Gast erfährt davon jedoch häufig nichts, wie Greenpeace kritisiert.

Nach den Worten des Münchner Gentechnik-Experten der Umweltorganisation, Klaus Müller, fehlt auf den Speisekarten vieler bayerischer Restaurants der vorgeschriebene Hinweis auf den Einsatz von Gen-Ölen. Seine Annahme stützt der Aktivist auf Stichproben, die Greenpeace in den vergangenen Monaten durchgeführt hat. So besuchten Mitglieder im Herbst und Frühjahr 125 Gaststätten in München und stellten fest, dass bei allen 25 Betrieben, die entsprechende Soja-Öle verwendeten, der Gast nicht informiert wird. Zu einer ähnlichen Quote kamen die Umweltschützer im vergangenen Jahr in Regensburg und Wolfratshausen.

Die Schuld für die fehlenden Hinweise sieht Müller weniger bei den ertappten Wirten, die nach seinen Angaben mittlerweile alle auf Gentechnik-freie Zutaten setzen. "Die meisten wussten nichts von der Kennzeichnungspflicht", sagt der Umweltschützer. Vielmehr kritisiert er Großhändler, die Gen-Öle anbieten, und vor allem das bayerische Verbraucherschutzministerium: Im Freistaat fehle bei den Gastronomen das Problembewusstsein, weil die Kennzeichnungspflicht im Vergleich mit anderen Bundesländern erst spät eingeführt wurde. Außerdem seien die Kontrollen zu lasch. "Das zeigt, dass der Verbraucherschutz nicht für wichtig gehalten wird", sagt Müller.

Das Ministerium von Werner Schnappauf (CSU) weist die Vorwürfe zurück. "Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, dass auf den Karten Hinweise angebracht werden müssen", sagt Sprecherin Sandra Brandt. Auch würden die zuständigen Behörden ausgiebig prüfen. An die 27\x0f000 Gastronomie-Betriebe sind nach ihren Angaben 2006 in Bayern kontrolliert worden, 155 Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) hätten die Prüfer registriert. Eine hundert-prozentige Sicherheit könne es aber nicht geben.

Das Muss für die Hinweise besteht EU-weit seit April 2004. Ausgenommen sind Fleisch, Eier und Milchprodukte sowie Artikel, bei denen der GVO-Anteil unter 0,5 Prozent liegt. Bislang sind laut Greenpeace 50 kennzeichnungspflichtige Produkte in Deutschland zugelassen. Die meisten davon sind asiatische Würzmittel und Speiseöle, die aus Soja hergestellt werden.

Umstritten ist nach wie vor, ob der Verzehr solcher Lebensmittel bedenklich ist. Klaus Müller räumt zwar ein, dass der Verzehr eines in Sojaöl gebratenen Schnitzels "nicht akut gefährlich" sei. Er weist aber auf mögliche Langzeitschäden hin. Keinerlei Bedenken haben hingegen viele Wissenschaftler, wie Hans Hauner von der Technischen Universität München. "Es gibt keinerlei Anhaltspunkte für Sicherheitsbedenken beim Verzehr", sagt der Lehrstuhlinhaber für Ernährungsmedizin. Die Wahl sollten Verbraucher seiner Meinung nach aber haben: "Man muss die entsprechenden Produkte auszeichnen."

>> Weiterführende Links zu den Ergebnissen der Greenpeace-Stichprobe in München finden Sie >>>hier

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