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Gentechnik erreicht Supermärkte: Nachweis fällt oft schwer

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- München - Gentechnik im eigenen Kühlschrank. Für viele Verbraucher ist das ein Graus. Die Zeitschrift "Öko-Test" hat 56 Produkte unter die Lupe beziehungsweise mit ins Labor genommen; dabei wurden in 15 für den Menschen bestimmten Lebensmitteln gentechnisch veränderte Organismen (GVO) festgestellt.

Seit einem Jahr müssen Lebensmittel, die den Schwellenwert von 0,9 Prozent überschreiten, gekennzeichnet werden. Nicht deklariert werden Fleisch, Eier und Milchprodukte von Tieren, die mit GVO-Futter gefüttert wurden.

Die GVO-positiven Proben lagen alle um die 0,1 Prozent. "Nur in Sportlernahrung und Schlankheitsdrinks hat das beauftragte Labor etwas höhere Gehalte nachgewiesen", schreibt "Öko-Test". Vor allem Produkte, die auf Mais oder Soja basieren, seien betroffen. Das verwundert nicht, wenn etwa über die Hälfte der Sojabohnen weltweit gentechnisch verändert sind. Auch Mais aus Übersee wird zunehmend in abgewandelter Form angebaut.

Weil die meisten Verbraucher keine Gentechnik im Essen haben wollen, werden auch kaum als GVO gekennzeichnete Produkte angeboten. Laut Verbraucherzentrale Bayern nimmt auch die staatliche Lebensmittelverordnung Stichproben, ob und wie weit Gentechnik in Lebensmitteln drin steckt.

Zwei Probleme gibt es: Erstens handelt es sich bei den auffälligen Lebensmitteln um Verunreinigungen, die auf dem Feld, in der Mühle, beim Transport und bei der Weiterverarbeitung vorkommen können. Das ist wohl auch der Grund für den Schwellenwert von 0,9 Prozent.

Und zweitens sind GVO oft nicht nachweisbar. So seien gentechnisch veränderte Sojabohnen in Soja-Öl nicht nachzuweisen, sagte Sabine Schuster-Woldan, Ökotrophologin bei der Verbraucherzentrale in München. Weitgehend ausschließen könnten Verbraucher GVO im Essen durch den Kauf von Bio-Produkten, weil Gentechnik da nicht zum Einsatz komme.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über Folgen des Verzehrs gentechnisch manipulierter Lebensmittel auf den menschlichen Körper gibt es laut Schuster-Woldan nicht. Wohl aber negative Auswirkungen auf die Umwelt.
Die Handelskette Edeka verlangt für ihre Eigenmarken von den Lieferanten Erklärungen, dass darin keine gentechnisch veränderten Organismen enthalten sind.

Bei Markenartikeln, den klassischen Industrieprodukten, bittet Edeka die Hersteller um Auskunft über kennzeichnungspflichtige Produkte. "Derzeit hat Edeka keine kennzeichnungspflichtigen Produkte im Angebot", sagt Alexander Lüders aus der Hamburger Zentrale. So lautet auch meistens die Auskunft, die Greenpeace bei ihren Umfragen bekommt: "Wir bieten keine kennzeichnungspflichtigen Produkte an." Aufmerksame Käufer können Produkte mit ausgewiesenen GVO an der Kennzeichnung erkennen. Ein Restrisiko, gegen seinen Willen GVO auf den Tisch zu bekommen, bleibt, es lässt sich aber minimieren. Unter den 15 belasteten Lebensmitteln waren zwei Honigsorten aus Kanada. Laut Öko-Test seien kanadische Honige mit gentechnisch veränderten Rapspollen belastet: "Genraps wächst in Kanada auf mehr als 60 Prozent der Anbauflächen." Alle übrigen Lebensmittel, bei denen die Tester auf GVO stießen, waren industriell verarbeitete Fertig-Lebensmittel. 

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