Georgien-Konflikt sorgt für leichten Ölpreisanstieg

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New York/London/Berlin (dpa) - Die Ölpreise haben zum Wochenbeginn nach einer rasanten Talfahrt an den vergangenen Handelstagen nur mit leichten Aufschlägen auf den Konflikt in Georgien reagiert.

Meldungen über Kämpfe in dem wichtigen Öl-Transitland hätten den Preis für US- Rohöl nur für kurze Zeit nach oben getrieben, sagten Händler am Montag. Zeitweise sprang der Preis auf 116,90 Dollar. Er fiel im weiteren Handelsverlauf aber auf 115,35 Dollar zurück und lag damit 15 Cent höher als am Freitag.

Am Londoner Markt legte der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent ebenfalls nur zeitweise deutlich zu. Im späteren Handelsverlauf lag er bei 113,65 Dollar und damit 32 Cent höher als am Freitag. Experten sehen in der vergleichsweise moderaten Reaktion ein Indiz für den allgemein fallenden Preistrend bei Rohstoffen und speziell auch beim Öl. Es sei einfach "bemerkenswert, dass der Ausbruch von Kampfhandlungen in Georgien weitgehend ignoriert wurde", sagte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank.

Dabei sei Georgien ein "sehr wichtiges Transitland für Rohöl", erklärte Weinberg. Die "Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline" (BTC), die von den Erdölfeldern von Aserbaidschan am Kaspischen Meer durch Georgien an die Küste der Türkei führe, befördere knapp eine Million Barrel Rohöl täglich über eine Strecke von mehr als 1700 Kilometern.

Allerdings kann bereits seit Tagen kein Öl durch die Pipeline geleitet werden. Von Händlerseite hieß es, kurdische Separatisten hätten vergangene Woche einen Anschlag auf die Pipeline verübt. Ein Sprecher der staatlichen türkischen Pipelinegesellschaft Botas erklärte dagegen am Montag, es sei ein technischer Defekt gewesen, der einen Brand ausgelöst habe. Experten in der Türkei hätten das Feuer an der seit fünf Tagen brennenden BTC-Ölpipeline gelöscht. Der Zeitpunkt für die Wiederaufnahme des Betriebs sei noch nicht klar. Presseberichten zufolge sind bis zu zwei Wochen für die Arbeiten nötig.

Ein Sprecher der aserbaidschanischen Ölgesellschaft Socar sagte zudem, wegen der Kämpfe in Georgien sei der Erdöl-Transit dort seit dem Wochenende gestoppt.

Das Bundeswirtschaftsministerium bezifferte die Durchleitungsmenge der Pipeline auf rund ein Prozent der Weltölproduktion. Deutschland bezieht den Angaben zufolge 3,27 Prozent seiner Öleinfuhren aus Aserbaidschan.

Stabilisierend wirkte am Ölmarkt nach Angaben von Händlern, dass der georgische Präsident Michail Saakaschwili im Beisein von EU- Politikern in Tiflis eine einseitige Verpflichtung zur Waffenruhe unterzeichnet haben soll. Saakaschwili unterschrieb das von Moskau geforderte Papier nach Angaben der russischen Agentur Interfax in Anwesenheit von Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner.

Unterdessen ist der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) weiter kräftig gesunken. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats vom Montag kostete ein Barrel (159 Liter) am Freitag 112,73 Dollar. Das waren 2,35 Dollar weniger als ein Tag zuvor. Die OPEC berechnet den täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.

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