Gepäck-Ärger beim Fliegen: So verhalten Sie sich richtig

- Frank Böllert, 30, aus München ist Vielflieger. Etwa vierzig Mal im Jahr jettet er beruflich in die USA. Normalerweise klappt das reibungslos -­ aber nicht immer. Als er vor kurzem in Los Angeles ankam, fehlte an seinem Koffer ein Rad. Noch am Flughafen meldete er den Fall dem Gepäckservice, der seine Daten aufnahm.

Auch beim Rückflug ging etwas schief: Sein Gepäck war falsch verladen worden und traf erst einen Tag später in München ein. Auch dies meldete er nach der Ankunft der zuständigen Stelle. Ein nach der Reise in Auftrag gegebenes Transportgutachten ergab zudem: Der Koffer im Wert von 165 Euro wies irreparable Schäden auf. Trotzdem wartet Frank Böllert bis heute auf die Erstattung seines Schadens ­- er habe die nötigen Beschwerdefristen nicht eingehalten, hieß es von Seiten der Airline.

Zwar sind Fluggesellschaften grundsätzlich zur Haftung bei beschädigtem oder verlorenem Gepäck verpflichtet. Den Unternehmen bleiben jedoch einige Hintertüren, um sich vor Zahlungen zu drücken.

Beschwerdefristen

Fluglinien sind bei Schadensersatzforderung an die Bestimmungen des "Montrealer Übereinkommens" gebunden ­ ein Abkommen zur Vereinheitlichung bestimmter Vorschriften über die Beförderung im internationalen Luftverkehr aus dem Jahr 1999. Hier sind auch die Fristen geregelt, innerhalb derer schriftlich Beschwerde über die Beschädigung oder den Verlust eines Gepäckstücks eingereicht werden muss.

Im Idealfall sollten Sie Verlust oder Beschädigung eines Gepäckstücks unverzüglich der Gepäckermittlung am jeweiligen Flughafen melden. Zusätzlich muss ein beschädigtes Gepäckstück innerhalb von sieben Tagen bei der Fluggesellschaft reklamiert werden. Bei verspätet geliefertem Reisegepäck beträgt die Beschwerdefrist 21 Tage. In beiden Fällen muss die Beschwerde schriftlich erfolgen. Die Verbraucherzentrale Bayern empfiehlt, Beschwerden aus Beweisgründen per Einschreiben mit Rückschein aufzugeben. Die mündliche Mitteilung gegenüber der Fluggesellschaft genügt ebenso wenig wie die schriftliche Empfangsbestätigung der örtlichen Reiseleitung.

Schadensersatz

Auch die von der Fluggesellschaft zu leistende Schadensersatzzahlung ist im Montrealer Übereinkommen geregelt. So muss die Fluggesellschaft nie mehr als den Höchsthaftungsbetrag von 1170 Euro bezahlen. Auch wenn der Wert des Kofferinhalts größer ist.

Nach dem Montrealer Abkommen müssen Fluggesellschaften nicht für Schäden haften, wenn sie nachweisen können, dass der Schaden durch einen dem Gepäck innewohnenden Fehler, mangelhafte Verpackung oder außerhalb von Flugzeug und Flughafen entstanden ist.

Bis die Schadensersatzzahlung abgewickelt ist, sollten Sie alle relevanten Dokumente, wie den Flugschein, den Kontrollabschnitt des Gepäckanhängers, Kaufbelege des Gepäckstücks oder von Ersatzartikeln, die Reparaturrechnung des Gepäckstücks und das Gepäckstück selbst in jedem Fall aus Beweisgründen aufbewahren.

So schützt man sich

Es empfiehlt sich deshalb wertvolle Gegenstände entweder im Handgepäck zu transportieren oder eine Zusatzversicherung abzuschließen. Wichtige Dokumente oder Medikamente gehören ebenfalls ins Handgepäck.

Um die Suche eines Gepäckstücks zu erleichtern, sollten alle Gepäckstücke mit Namen, Heimat- und Urlaubsadresse versehen werden.

Späte Lieferung

Pauschalreisende können bei zu spät geliefertem oder verloren gegangenem Gepäck pro Tag ohne Gepäck zwischen fünf und dreißig Prozent des Tagespreises zurückverlangen. Außerdem darf die nötigste Ausstattung auf Kosten des Reiseveranstalters bzw. der Fluggesellschaft angeschafft werden, zum Beispiel Toilettenartikel oder einen einfachen Badeanzug, nicht aber teure Markenartikel.

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