Geplanter Bahn-Börsengang bringt rund 4,5 Mrd Euro

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Berlin (dpa) - Der geplante Börsengang der Deutschen Bahn dürfte dem Bund als Eigentümer einem Medienbericht zufolge rund 4,5 Milliarden Euro einbringen. Das gehe aus den Bewertungsberichten der 14 Konsortialbanken hervor, wie die "Welt am Sonntag" berichtet.

Das Ergebnis sei "die erste belastbare Bewertung der Deutschen Bahn". Ein Unternehmenssprecher wollte die genannte Zahl am Samstag in Berlin nicht kommentieren. Er sagte lediglich: "Wir sind im Plan, unsere Börsenvorbereitungen laufen so wie vorgesehen." Die Kritik an dem trotz weltweiter Finanzmarktkrise in vier Wochen geplanten Börsengang hält unterdessen an. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn warf Bahnchef Hartmut Mehdorn in der "Passauer Neuen Presse" vor, vorsätzlich Staatseigentum zu verschleudern.

Mit ihren Angaben von etwa 4,5 Milliarden Euro lägen die Banken deutlich unter den Erwartungen von Bundespolitikern, die sechs bis acht Milliarden Euro erwartet hätten. Schätzungen unabhängiger Analysten würden aber übertroffen, schreibt die "Welt am Sonntag". Diese hätten zuletzt Erlöse von vier bis 4,5 Milliarden Euro prognostiziert.

Von diesem Wochenende an sollen der Zeitung zufolge mit den Bewertungsberichten potenzielle Investoren von einem Einstieg bei der Bahn überzeugt werden. Die 14 Banken, darunter die Deutsche Bank, kämen zu dem Ergebnis, "dass Investoren bei der Notierung ab 27. Oktober begierig zugreifen" werden und begründeten dies "vor allem mit der schieren Größe der Bahn". Die neue Bahn-Börsen-Tochter DB Mobility Logistics (DB ML) werde im Durchschnitt auf einen Wert von 20,2 Milliarden Euro taxiert. Da nur knapp ein Viertel verkauft werden solle, könnten die Einnahmen demnach bei knapp über fünf Milliarden Euro liegen. Doch so viel Geld sei angesichts der gebeutelten Finanzmärkte nicht zu holen. Es werde einen Abschlag von rund zehn Prozent geben, laute das Fazit der Banker.

Nach Ansicht Kuhns befindet sich Mehdorn "voll auf Crash-Kurs". Der Zeitung sagte der Grünen-Politiker: "Er will den politisch verfehlten Börsengang auf Teufel komm raus. Wenn Mehdorn jetzt die Bahn ausgerechnet auf dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise an die Börse bringen will, verschleudert er vorsätzlich Staatseigentum." Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dürfe "diesen ruinösen Ausverkauf nicht aus falscher Verbundenheit mit Mehdorn zulassen".

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht in dem geplanten Börsengang auch Chancen. Pro-Bahn-Chef Karl-Peter Naumann sagte der "Berliner Zeitung" (Samstag): "Meine Hoffnung ist eher, dass neue Investoren auch Druck machen, durch neue Ideen zu versuchen, mehr Kunden in die Bahn zu bekommen." Naumann empfahl Kleinanlegern, die Aktien zu zeichnen. Gleichzeitig warnte er, dass Aktien "nicht in die falschen Hände etwa von Hege-Fonds" gerieten. Naumann forderte die Bundesregierung auf, dass künftige Investitionen vor allem in die Bestandspflege des Bahnnetzes fließen sollten.

Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte der "Berliner Zeitung", es sei ein Nachteil, dass nur 24,9 Prozent der Bahn-Anteile an der Börse verkauft werden sollten. "Das macht die Aktie für Anleger wenig attraktiv, weil dann faktisch bei allen Entscheidungen ohne den Bund nichts geht." Kunert hält es demnach auch für möglich, dass der Börsengang im letzten Moment noch gestoppt wird: "Politiker, die um ihr Image besorgt sind, könnten Mehdorn am Ende doch noch ausbremsen." Er könne nachvollziehen, warum der Bahn-Chef auf den Börsengang poche: "Er fürchtet, dass es im nächsten Jahr zu spät sein könnte, wenn sich angesichts der Bundestagswahl die politischen Rahmenbedingungen ändern."

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