Geräte bitte flott und verständlich

- München/Berlin - Sie sind modebewusst und mobil, machen sich gerne ein schöne Zeit, lieben flotte technische Geräte, ihr selbstständiges Leben und wollen vor allem nicht abgestempelt werden: Die Generation 50 plus ist ein immer größerer Teil unserer Gesellschaft und damit nicht zuletzt für die Wirtschaft immer interessanter. Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin (TU) haben jedoch herausgefunden, dass die meisten technischen Produkte zu wenig an den Bedürfnissen des potenten Käuferkreises ausgerichtet sind.

<P>"Ältere Menschen sind High Tech gegenüber nicht abgeneigt", erläutert Matthias Göbel, Ingenieur am Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft der TU. "Sie möchten nur die Kontrolle behalten und haben oft Angst, etwas kaputtzumachen." Dies sei bei komplizierten technischen Geräten ein Problem. Die Lösung: eine Benutzerebene mit weniger Funktionen. "Die Geräte müssten gegen unabsichtliches Verstellen der Grundfunktionen abgesichert werden", sagt Göbel.<BR><BR>Diesen Gedanken verfolgt die Bosch Siemens Haushaltsgeräte GmbH (BSH) eigenen Angaben zufolge bereits. Bei den BSH-Produkten gehe es vor allem darum, dass man sie einfach und sicher bedienen kann, erläutert eine Konzernsprecherin. Wie bei der Waschmaschine, die die beste Temperatur für Wollwäsche selbst wählt. "Design for all" - für alle Kunden - sei einer der Firmengrundsätze.<BR><BR>Große Hemmschwellen gibt es bei vielen älteren Menschen bei der Bedienung von Mobiltelefonen. Die TU-Forscher fanden heraus, dass ein Mobiltelefon auch mit vielen Erklärungen und selbst mit größeren Tasten nicht attraktiver für Senioren wird. "Das Menüsystem eines Handys ist Senioren zu fremd. </P><P>Sie können die Dialogtechnik auf verschiedenen Ebenen via Display nicht nachvollziehen", berichtet Göbel. Auch hier gelte: Sinnvoll wäre es, wenn Hersteller wichtige Handy-Funktionen auf einer Benutzerebene vereinten und noch eine Escape-Taste installierten.<BR>Anja Klein von Siemens Mobile sieht das etwas anders. "Ganz viele möchten kein Gerät, wo ,für Senioren draufsteht", so die Sprecherin der Münchner Siemens-Sparte. Viele seniorenfreundliche Impulse flössen hingegen in die Entwicklung aller Handys ein - zum Beispiel das Kurzwahl-System. Ihrer Erfahrung nach kommen die meisten älteren Kunden nach einer Einführung mit einem Einsteiger-Gerät gut klar.<BR><BR>Unternehmen, die im Bereich seniorengerechte Technik Nachholbedarf haben, können sich nun Anregungen von den Berliner Forschern holen. Rund 60 Senioren im Alter von 55 bis 91 Jahren beteiligten sich an dem staatlich geförderten TU-Projekt "Seniorengerechte Technik im Haushalt" (Sentha). Nach sechsjähriger Arbeit ist die Grundlagenforschung abgeschlossen - Mitte des Jahres sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden.<BR><BR>"Das Interesse der Firmen an unserer Studie ist noch sehr verhalten", berichtet Göbel. Das ist verwunderlich. Nicht nur, weil 23 Prozent der Deutschen inzwischen über 60 Jahre alt sind. Nach einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg sind ältere Menschen in sehr viel größerem Maße als früher bereit, Geld auszugeben. 45 Prozent der über 1800 Befragten gaben an, ein schönes Leben dem prall gefüllten Sparschwein vorzuziehen.<BR><BR>Göbel zufolge schafft es das Marketing jedoch nicht, die Generation 50 plus zu erreichen. Die so genannten Senioren wollten nicht als solche "abgestempelt" werden. Es sei auch nicht sinnvoll, ihnen alle Schwierigkeiten aus dem Weg räumen zu wollen. Von der Badewanne mit Tür haben die Wissenschaftler beispielsweise inzwischen Abstand genommen.<BR></P>

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