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Nach Schutzschirmen für Arcandor sucht der vorläufige Insolvenzverwalter bislang vergeblich.

Nach der Arcandor-Pleite

Gerangel um Karstadt neu entbrannt

Essen - Um den insolventen Handels- und Touristikkonzern Arcandor steht es schlecht. Der voläufige Insolvenzverwalter stellt ein vernichtendes Urteil aus und kritisiert ehemalige Manager.

Die Suche nach einem Gesamtinvestor ist eingestellt und das Gerangel um Karstadt neu entbrannt.

Der vorläufige Insolvenzverwalter der Arcandor- Gruppe, Klaus Hubert Görg, wirft der früheren Führung des Handelskonzerns Misswirtschaft vor und schließt auch rechtliche Schritte nicht aus. „Es gibt zahlreiche Beispiele dafür, dass um den Preis der kurzfristigen Liquidität die Ertragskraft und die Substanz ruiniert wurden“, sagte Görg der „Welt am Sonntag“. Auch den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff persönlich nahm er in die Kritik: Er habe sparsamere Vorstandsvorsitzende erlebt, sagte Görg. Der dienstliche Aufwand des Vorstandes sei für ein Unternehmen in der wirtschaftlichen Verfassung von Arcandor sehr hoch gewesen.

„Wir haben mit der Lupe nach der Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden. In diesem Hause gibt es wirklich nichts, was nicht anderen Leuten gehört“, sagte Görg. So etwas habe er in so großen Unternehmen noch nie erlebt. „Es ist dem Vorstand erstaunlich lange gelungen, den Staub aus den Ecken zu kehren und auch den noch zu Liquidität zu machen.“ Selbst die Übernahme des profitablen Touristik-Unternehmens Thomas Cook sieht Görg als Fehler. Sie habe Arcandor Substanz entzogen, die zur Sanierung der Karstadt-Warenhäuser und der Versandhandelssparte Primondo später gefehlt habe, argumentierte er.

Auf die Frage nach Hinweisen auf eine mögliche Insolvenzverschleppung, sagte Görg: „Wir sehen einige Hinweise, die wir sammeln und zu gegebenem Zeitpunkt bewerten wollen.“ Man habe drei Jahre Zeit, Konsequenzen zu ziehen.

Überlegungen des Handelsriesen Metro für eine Übernahme von bis zu 60 der mehr als 120 Warenhäuser verpasste Görg einen Dämpfer. „Es wird keinen schnellen Verkauf einzelner Häuser geben“, sagte er. „Wir wollen Karstadt als Ganzes abgeben, mutmaßlich in einem Bieterverfahren.“ Metro sei willkommen, „aber nicht zum Kuscheln“. Metro teilte nach dem Interview umgehend mit, der Konzern sehe in diesen Äußerungen eine neue Grundlage zur Aufnahme von Gesprächen. „Die Metro Group ist zu einem umfassenden Dialog über die Zukunft der Karstadt-Warenhäuser, die Rettung von Arbeitsplätzen und die Perspektiven einer deutschen Warenhaus AG bereit.“

Dem Nachrichtenmagazin „Focus“ zufolge rechnet Metro die Pläne für Karstadt neu durch. Die wirtschaftliche Lage einiger Karstadt-Filialen habe sich offenbar derart verschlechtert, dass sie für den größten deutschen Handelskonzern nicht mehr interessant sein könnten, hieß es unter Berufung auf Konzernkreise. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zeigte sich empört und wies Spekulationen über die angeblich verschlechterte Lage zurück. „Wir sind sehr erstaunt darüber, dass sich die Metro zu Karstadt-Zahlen äußert, die ihnen gar nicht vorliegen können – zumal sie falsch sind“, sagte Sprecher Thomas Schulz. Görg hatte am Donnerstag erklärt, von den derzeit 126 Waren- und Sporthäusern Karstadts kämen 19 nicht profitable aus elf Bundesländern auf den Prüfstand. Ihnen drohe die Schließung. „Das wird zu einem nennenswerten Stellenabbau führen“, fügte Görg hinzu.

Arcandor hatte zuletzt die Suche nach einem Investor für den gesamten Konzern eingestellt. Karstadt und Primondo (Quelle) sollen mit drastischen Einschnitten gerettet werden. Bei Primondo sollen rund 3700 der 10 500 Arbeitsplätze gestrichen werden, bei Karstadt werden 19 Warenhäuser erneut auf den Prüfstand gestellt. Für Primondo und Quelle gebe es acht Interessenten. Der 68-jährige Görg, der zu den führenden deutschen Experten für Insolvenzfälle zählt, will nach Arcandor keine weiteren Fälle mehr übernehmen. „Dieses ist mein letztes Mandat“, sagte er der „Welt“.

dpa/ap

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