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Gerhard Gribkowsky hat vor dem Landgericht München seine ehemaligen Kollegen wiedergetroffen.

Wiedersehen mit ehemaligen Kollegen

BayernLB-Prozess: Gribkowsky zeigt sich redselig

München - Der Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky kann eisern schweigen - wie er in seinem eigenen Prozess bewiesen hatte. Doch als Zeuge gegen seine Ex-Kollegen hat er sichtlich Spaß am Reden.

Der ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky bleibt auch zwei Jahre nach seiner Verurteilung zu einer langen Haftstrafe ein Stammgast im Münchner Landgericht. Kurz nach seiner tagelangen Vernehmung im Prozess gegen Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sagte Gribkowsky am Montag erneut ausführlich als Zeuge aus: Diesmal im Prozess gegen seine Ex-Kollegen aus dem Vorstand der Landesbank, die sich wegen des Milliardenflops mit der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria verantworten müssen.

In der stundenlangen Vernehmung zeigte sich Gribkowsky gut gelaunt und redselig - und gab erstaunliche Einblicke in den Umgangston auf der Chefetage der BayernLB: Dort seien regelmäßig die Fetzen geflogen, aber dann habe man sich wieder vertragen. „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“, sagte Gribkowsky und löste damit Kopfschütteln bei einigen Ex-Kollegen auf der Anklagebank aus.

Vorzeitiger Abschluss des Prozesses nicht ausgeschlossen

Die Staatsanwaltschaft wirft den Vorständen vor, beim Kauf der HGAA Risiken missachtet und einen zu hohen Preis für die Bank gezahlt zu haben. Aus Sicht der Verteidigung ist die Anklage aber nicht mehr haltbar, nachdem mehrere Zeugen ihr in zentralen Punkten widersprochen hatten. Ein vorzeitiger Abschluss des Prozesses ist nicht ausgeschlossen. Es könne darüber nachgedacht werden, ob sich alle zusammensetzen, um eine Lösung zu finden, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Eckert. Allerdings gebe es noch wichtige Zeugen.

Beim Prozessbeginn vor vier Monaten hatte Gribkowsky selbst noch auf der Anklagebank gesessen und den Vorwurf der Untreue bestritten, wie die übrigen Ex-Vorstände auch. „Nicht jedem Tod liegt ein Mord zu Grunde“, hatte er gesagt. Am dritten Verhandlungstag durfte Gribkowsky vorzeitig gehen, da eine weitere Haftstrafe bei ihm ohnehin nicht mehr groß ins Gewicht gefallen wäre: Er verbüßt bereits eine Haftstrafe von achteinhalb Jahren, weil er Schmiergeld kassiert und nicht versteuert hatte. Nach acht Monate langem Schweigen hatte er vor Gericht gestanden, dass er 44 Millionen Dollar von Formel-1-Chef Ecclestone angenommen hatte. Im Bestechungsprozess gegen den 83-Jährigen ist Gribkowsky nun der wichtigste Zeuge.

Vor seiner Verhaftung war Gribkowsky Risikovorstand der BayernLB und hatte in dieser Rolle auch beim verhängnisvollen Kauf der Hypo Alpe Adria (HGAA) im Jahr 2007 ein wichtiges Wort mitzureden. Bei der Übernahme hätten sich die Vorstände aber nicht durch eine höhnische Bemerkung der Landesbank-Kontrolleure unter Druck setzen lassen, betonte Gribkowsky.

Laut Anklage kam damals aus dem CSU-dominierten Kontrollgremium die Frage, ob der Vorstand eigentlich zu blöd sei, eine Bank zu kaufen. Der ehemalige Chef-Kontrolleur und bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser hatte als Zeuge bestritten, den Satz so gesagt zu haben. „Aber selbst wenn Herr Faltlhauser und seine Kollegen das im Chor gesungen hätten, hätte es uns nicht so unter Druck gesetzt, dass wir eine Bank kaufen, die nicht kaufbar gewesen wäre“, sagte Gribkowsky als Zeuge.

dpa

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