Gericht benennt Pensionär als Musterkläger

- Frankfurt - Im Schadenersatzprozess gegen die Deutsche Telekom hat das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt einen Musterkläger bestimmt. Der Pensionär verklagt den Konzern auf mehr als 1,2 Millionen Euro, die er mit Telekom-Aktien verloren hat. Anhand dieses Falles wird das OLG in einer mündlichen Verhandlung wichtige Rechtsfragen vorab klären, bevor der Prozess in erster Instanz fortgesetzt wird. Beteiligte rechnen mit einer Vorladung für den späten Herbst.

Mit der Musterklage wird in Deutschland juristisches Neuland betreten. Grundlage der "Zwischenrunde" beim Oberlandesgericht ist das am 1. November 2005 in Kraft getretene Gesetz zum Kapitalanleger-Musterverfahren (KapMuG), das zur Bündelung solcher Massenklagen entworfen wurde. 17 000 Aktionäre fordern in 2500 Klagen von der Telekom Schadenersatz für erlittene Kursverluste, weil angeblich zu den verschiedenen Börsengängen fehlerhafte Angaben gemacht worden seien. Das Landgericht hatte errechnet, dass die Bearbeitung der Fälle ohne Musterklage bis zu 15 Jahre dauern würde. "Unser Mandant hätte von einem Erwerb der Telekom-Aktien abgesehen, wenn er ordnungsgemäß vom Emittenten informiert worden wäre", sagte Rechtsanwältin Petra Dietenmaier. Nach Angaben des Gerichts fiel die Wahl auf den Pensionär, weil sein Fall verschiedene Fragen des Themas abdecke und es sich außerdem um einen hohen Streitwert handele.

Als problematisch gilt, dass andere Kläger der Musterklage als "Beigeladene" beitreten oder aber ihre Ansprüche fallen lassen müssen. Klagen sie weiter, tragen sie steigende oder unkalkulierbare Kostenrisiken mit, zum Beispiel für aufwendige Gutachten. Auch mit der Musterklage kann sich das Verfahren über Jahre und drei Instanzen hinziehen. Etliche Aktionärsschützer stehen dem Gesetz daher kritisch gegenüber.

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