Gericht legt Fusionspläne von Telekom und T-Online auf Eis

- Darmstadt - Es ist ein herber Rückschlag für die umstrittenen Fusionspläne von Deutscher Telekom und dem Internetdienstleister T-Online. Im ersten Prozess um den Zusammenschluss beider Unternehmen hat das Landgericht Darmstadt die angestrebte rasche Verschmelzung zunächst einmal gestoppt. Damit wächst die Gefahr eines jahrelangen juristischen Tauziehens um die Fusion.

"Das ist ein enormer Sieg auf ganzer Linie", freut sich der Anwalt der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), Peter Dreier, nach Verkündung der Entscheidung im Darmstädter Landgericht. Das Gericht habe die Aktionärsrechte gestärkt: "Das stimmt uns positiv für das weitere Verfahren."

Der Fusionsplan hat unter den T-Online-Aktionären für erheblichen Ärger gesorgt. Auf der Hauptversammlung des Internetriesen im vergangenen April war es zu wütenden Protesten zahlreicher Anleger gekommen. Als "Betrug" und "Abzockerei" wurde der Plan, T-Online mit der Festnetzsparte T-Com zu verschmelzen, von anwesenden Aktionären gegeißelt. Dennoch billigte die Hauptversammlung schließlich die Modalitäten des Zusammenschlusses. Bei der Fusion sollen die Anteilseigner für je 25 T-Online-Aktien 13 T-Aktien erhalten und damit wertmäßig nur knapp ein Drittel jener 27 Euro, die beim Börsengang vor fünf Jahren je Aktie gezahlt wurden.

Um die Fusion zu stoppen, haben nach Angaben des Landgerichts die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), mehrere britische Fondsgesellschaften sowie Privatanleger Klagen eingereicht. Eine rechtskräftige Entscheidung wird voraussichtlich erst in einigen Jahren fallen. Um mit der Fusion nicht so lange warten zu müssen, hat T-Online beim Darmstädter Gericht eine Freigabe nach dem so genannten Umwandlungsgesetz beantragt. Wäre die Freigabe erteilt worden, hätte die Verschmelzung ins Handelsregister eingetragen und damit faktisch sofort vollzogen werden können.

Telekom und T-Online begründen den Zusammenschluss mit der zunehmenden Konkurrenz für T-Online und T-Com. "Der Markt hat sich dramatisch verändert", betonte T-Online-Anwalt Bodo Riegger während des Prozesses. Das Internetunternehmen stehe in einem immer härteren Wettbewerb: "T-Online kann sich nur wirklich wehren, wenn das Unternehmen gemeinsam mit der Telekom auftritt."

In den nächsten zwei Jahren würden bundesweit voraussichtlich vier bis fünf Millionen neue Breitbandanschlüsse geschaltet, sagte Riegger. Es nütze T-Online nichts, wenn das Unternehmen das langwierige Hauptsacheverfahren um die Fusion am Ende gewinne, aber den Wettbewerb um diese neuen Kunden verliere.

Dagegen führen die Aktionärsschützer an, die Telekom habe schon beim Börsengang gegen Informationspflichten verstoßen. Im entsprechenden Prospekt sei nicht auf das Risiko einer Rückintegration hingewiesen worden, kritisiert SdK-Anwalt Harald Rotter. Zudem habe T-Online gegen die Treuepflicht gegenüber den Aktionären verstoßen. So seien die beim Börsengang eingenommenen rund vier Milliarden Euro nie in die Entwicklung des Internetgeschäfts geflossen, sondern der Telekom als Darlehen zur Verfügung gestellt worden.

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