Germania Express und dba: Scheidung nach den Flitterwochen

- München - Von einer Hochzeit am Himmel war die Rede, als sich Hans Rudolf Wöhrls dba und die Germania Express von Hinrich Bischoff zusammentaten. Doch eheliches Glück wollte sich nicht wirklich einstellen. Nun wird die Ehe nach wenigen Monaten geschieden. Die Fluggesellschaften bleiben aber Geschäftspartner.

"Beide wollen sich auf die jeweiligen Stärken konzentrieren", lautet die offizielle Formel. Im Hintergrund stecken aber wohl unvereinbare Unternehmenskulturen.Während Wöhrl beispielsweise für einen harten, aber auch fairen Verhandlungskurs mit den Gewerkschaften steht (er hat den Arbeitnehmern bereits bei der Rettung der von ihm in einer tiefen Finanzkrise übernommenen Fluggesellschaft einen 20-prozentigen Lohnverzicht abgerungen), sieht Bischoff beim Thema Gewerkschaften rot: Weder mit Verdi noch mit der Piloten-Vereinigung Cockpit hat er je zu tun haben wollen.Auch dürften unterschiedliche Vorstellungen über Kosten und Qualität zur Zerrüttung der Ehe beigetragen haben. Sparen, aber nicht um jeden Preis, war Wöhrls Devise. Bereits in der Vergangenheit hatte er deshalb beispielsweise die kostenpflichtige Verpflegung der Fluggäste in einen kostenlosen Service umgewandelt. Um dem Kabinenpersonal die "Peinlichkeit des Kassierens" zu ersparen, wie er sagte. Damit und bei der Pünktlichkeit hob sich die Münchner Gesellschaft auch in den Augen vieler Geschäftsreisenden sogar von der teureren Lufthansa ab.Der bisherige Partner sah das wohl anders: Von "schützenden Dämmen" zur Erhaltung des dba-Profils, die er aufbauen wolle, sprach Wöhrl jüngst gegenüber der "Zeit". Offenbar wollte Bischoff diese mit einem verschärften Sparkurs unterspülen.Die 64 Prozent an der dba, die Bischoff erst im Frühjahr übernommen hatte, werden nun von der dba unmittelbar zurückgenommen. Weil diese nicht stimmberechtigt sind, werden die alten Verhältnisse wieder hergestellt. Die Intro, eine Gesellschaft des Aufsichtsratsvorsitzenden Wöhrl, hält - wie bereits früher - 80 Prozent der verbleibenden Geschäftsanteile, die Geschäftsführer Martin Gauss und Peter Wojahn je 10 Prozent. Umgekehrt gibt die Intro die von ihr gehaltene stille Beteiligung an Germania Express zurück.Nun also wird getrennt marschiert. Germania übernimmt - gewissermaßen als Unterhalt nach der Scheidung - eine Art Grundversorgung: Als Leasing-Gesellschaft überlässt sie Flugzeuge der dba (die dafür freilich zahlt). Diese behält das Sorgerecht und setzt die Maschinen auf ihrem Liniennetz ein.Dabei ist etwas geschehen, was in richtigen Ehen bei der Scheidung kaum vorkommt. Die Familie bekam Zuwachs: Zur ursprünglichen dba-Flotte, die aus 15 Maschinen vom Typ Boeing 737 bestand, hatte Germania bislang nur 12 kleinere Fokker 100 eingebracht. Nun sollen zwei weitere Fokker-Flugzeuge für die dba fliegen. Deshalb kann die Gesellschaft in ihr bereits um mehrere Auslandsverbindungen ausgebautes Programm zusätzliche Strecken aufnehmen.Die dba bekräftigte in diesem Zusammenhang die Prognose, auch das laufende Geschäftsjahr 2005/2006 mit einem positiven Ergebnis abzuschließen. 2004/2005 lag der Gewinn zwischen einer und zwei Millionen Euro.

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