Gerücht um US-Milliardär bringt die Volkswagen-Aktie in Schwung

- Wolfsburg - Fortschritte bei den Verhandlungen über Kostensenkungen sowie Gerüchte über einen Einstieg des US-Milliardärs Kirk Kerkorian haben der VW-Aktie einen Kurssprung beschert. Das Papier kletterte auf den höchsten Stand seit drei Jahren. In der Korruptionsaffäre erhält der Aufsichtsrat des Autobauers am heutigen Freitag knapp drei Monate nach Aufkommen der Betrugs- und Untreuevorwürfe gegen Ex-Spitzenmanager einen Zwischenbericht von Wirtschaftsprüfern.

Betriebsrat und Management berichteten über eine Annäherung bei den Verhandlungen über den Bau eines neuen Golf-Geländewagens im Stammwerk Wolfsburg. Die VW-Spitze hat damit gedroht, den Geländewagen in Portugal zu bauen, wenn der Betriebsrat in Wolfsburg bis zum kommenden Montag nicht zu Zugeständnissen bei den Personalkosten bereit ist. In Portugal ist nach VW-Angaben eine Produktion nach derzeitigem Stand gut 1000 Euro pro Fahrzeug günstiger. Die Gespräche gelten als richtungweisend für die Zukunft der VW-Produktion am Standort Deutschland.

Betriebsratschef Bernd Osterloh teilte mit, der Betriebsrat hoffe, dass es in absehbarer Zeit zu einem "tragfähigen Kompromiss im Sinne der Standort- und Beschäftigungssicherung" komme. Eine VW-Sprecherin bestätigte, die Verhandlungen kämen voran. Sie sollen am Montag weitergeführt werden.

Konkret geht es um eine Summe von 850 Euro pro Fahrzeug, die VW bei den Personalkosten einsparen will. Die Folge wären geringere Löhne und andere Arbeitszeiten. Die VW-Spitze argumentiert, nur mit den Kostensenkungen könne das Auto im harten Konkurrenzkampf zu attraktiven Preisen angeboten und profitabel in die USA exportiert werden. Nach VW-Darstellung könnten rund 1000 Arbeitsplätze gesichert werden, wenn der Geländewagen in Wolfsburg gebaut würde.

An der Börse setzte sich der Höhenflug der VW-Aktie fort. Das Papier stieg am Vormittag zeitweise um mehr als fünf Prozent. Das Tageshoch von 50,74 Euro bedeutete den höchsten Stand seit mehr als drei Jahren.

Marktteilnehmer verwiesen auf Gerüchte, nach denen der US-Milliardär Kerkorian bei VW einsteigen wolle. Dieser war mit seiner Finanzholding Tracinda einst größter Aktionär von Chrysler. Am Vortag war bekannt geworden, dass Kerkorian seinen Anteil am weltgrößten Autobauer General Motors aufstocken wolle.

Aus Branchenkreisen verlautete allerdings, die Gerüchte über einen Kerkorian-Einstieg bei VW seien nicht nachvollziehbar und hätten keine Grundlage. VW wollte die Marktgerüchte nicht kommentieren.

Neben den Spekulationen um einen Einstieg von Kerkorian nannten Marktteilnehmer weitere Gründe für das Kursplus. Der Markt hoffe unverändert auf umfangreiche Restrukturierungen, hieß es. Seit Anfang des Monats hat die VW-Aktie bereits um mehr als 20 Prozent zugelegt. Der VW-Konzern fährt derzeit einen Milliarden-Sparkurs.

Daneben ist Volkswagen seit fast drei Monaten wegen der Korruptionsaffäre in den Schlagzeilen. Heute erhält der Aufsichtsrat einen Zwischenbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Bei der Affäre geht es neben Betrugs- und Untreuevorwürfen auch um "Lustreisen" von Betriebsräten.

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Joachim Geyer, sagte zum Bericht: "Das ist völlig klar, dass wir uns für diese Ergebnisse interessieren." Die Behörde werde alle erforderlichen Informationen bekommen.

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