Das Geschäft mit dicker Luft: Emissionshandel startet verhalten

- München - Am 1. Januar fiel nicht nur für Hartz IV und die Lkw-Maut der Startschuss sondern auch für eine umweltpolitische Revolution: den EU-weiten Emissionshandel. Unternehmen, die viel Energie verbrauchen, müssen künftig zahlen, wenn ihre Fabriken zuviel Kohlendioxid (CO2) aus den Schloten blasen. Rege getauscht wird bislang aber nicht.

<P>Der Handel mit Emissionen geht auf das Kyoto-Protokoll aus dem Jahr 1997 zurück. Darin verpflichteten sich 39 Industrienationen, die Emission von klimaschädlichen Treibhausgasen bis 2012 um fünf Prozent auf das Niveau von 1990 zu senken. Zu den Ländern, die das Abkommen unterzeichneten und später in nationales Recht umsetzten, gehören unter anderem die EU-Mitglieder, Japan, Australien und Kanada. Die USA, für einen Viertel des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, ratifizierten das Protokoll nicht.</P><P>Eine der zentralen Maßnahmen, das Kyoto-Ziel zu erreichen, ist der Emissionshandel. Zum 1. Januar wurde er nur in der EU eingeführt, später einmal soll er global möglich sein. Das Prinzip: Der Staat legt eine Obergrenze für die Menge von Abgasen fest, die freigesetzt werden dürfen. Von diesem Kuchen bekommen die Unternehmen ein Stück in Form von frei handelbaren Zertifikaten zugeteilt. Reichen die nicht, müssen sie entweder ihre Anlagen modernisieren, um den Ausstoß zu reduzieren. Oder aber sie müssen einer anderen Firma Berechtigungsscheine abkaufen, die diese nicht brauchen, weil sie beispielsweise die Produktion gedrosselt hat.</P><P>Der Vorteil des Systems: Die Verschmutzung der Umwelt wird begrenzt. Zudem müssen Firmen die Folgekosten ihrer Produktion selber tragen. Für saure Böden oder umgekippte Gewässer musste zuvor die Allgemeinheit zahlen.</P><P>Allerdings nimmt am europäischen Emissionshandel nicht die gesamte Wirtschaft teil. Es wird nur der Gasausstoß von Unternehmen limitiert, die eine der ca. 5000 registrierten energieintensiven Anlagen in Europa betreiben. Das sind meist Kraftwerkbetreiber oder Hersteller von Aluminium oder Glas. In Deutschland sind 1200 Unternehmen betroffen, die von der zuständigen staatlichen Emissionshandelsstelle (Dehst) Zertifikate erhalten haben. Insgesamt dürfen die bis 2007 jährlich 495 Millionen Tonnen CO2 freisetzen - rund 2,9 Prozent weniger als bisher. Der Ausstoß anderer Treibhausgase wie etwa Methan wird vorerst nicht beschränkt, da CO2 als Hauptursache für die Erderwärmung gilt.</P><P>Obwohl der Emissionshandel zum Jahresbeginn startete, wurden bislang kaum Zertifikate getauscht. "Furchtbar viel ist noch nicht passiert", heißt es etwa bei Eon. Experten führen das darauf zurück, dass die Unternehmen erst gegen Mitte oder Ende des Jahres aktiv werden, da sich erst dann abzeichnet, ob ihre eigenen Zuteilungen ausreichen. "Die Handelstätigkeit wird sich erst im Laufe des Jahres entwickeln", sagt Nino Turek von der Energieberatungsfirma Fichtner.</P><P>Ein weiterer Hinderungsgrund: Die Dehst hat den Unternehmen zwar schon mitgeteilt, wie viel CO2 sie ausstoßen dürfen. Die elektronischen Konten für die Zertifikate werden allerdings erst Ende Februar eingerichtet. So lange muss der Handel etwa an der Leipziger Strombörse noch ruhen. Der Einstandspreis steht mit acht Euro für eine Tonne CO2 aber schon fest.<BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

"Schlagzeilen-Risiko" belastet Pfund bei Brexit-Gesprächen
Um rund 20 Prozent ist das Pfund seit dem Brexit-Votum zum Euro eingebrochen. Kein Anlass zur Sorge, sondern eine ganz natürliche Bewegung, sagt der Finanzexperte James …
"Schlagzeilen-Risiko" belastet Pfund bei Brexit-Gesprächen
Trotz unerwartet starken Jahresstarts: US-Wirtschaft schwächelt
Deutlich besser ausgefallen als angenommen ist das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten unter Führung Trumps. Dennoch hat sie an Schwung verloren.
Trotz unerwartet starken Jahresstarts: US-Wirtschaft schwächelt
Dax geht etwas schwächer ins Wochenende
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich am Freitag mit leichten Verlusten ins Wochenende verabschiedet. Gute Wachstumszahlen aus der US-Wirtschaft halfen ihm, sein Minus …
Dax geht etwas schwächer ins Wochenende
„Vanille-Krise“: Schreck für Eisfreunde
Vanille ist die Lieblings-Eissorte der Deutschen. Bald könnten den Eisjüngern aber schmerzhafte Veränderungen ins Haus stehen.
„Vanille-Krise“: Schreck für Eisfreunde

Kommentare