Geschäft mit der Umschuldung: Banken lassen sich entschädigen

- Will ein Häuslebauer vom teuren Altkredit auf die derzeit niedrigen Zinsen umsatteln, darf ihm die Bank die Rechnung jetzt gründlich versalzen. Mit höchstrichterlicher Rückendeckung können Geldinstitute hohe Vorfälligkeitsentschädigungen kassieren, wenn sie Kunden vorzeitig aus der alten Hypothek herauslasssen. Sie dürfen Zuschläge verlangen, die bis zu 100 Prozent mehr ausmachen als vorher üblich.

<P>So entschied der Bundesgerichtshof (BGH) im Mai. Umschulden lohnt in der Regel daher nicht mehr. "Eine Umschuldung auf günstigere Zinsen ist zur teuren Angelegenheit geworden", mahnt Andrea Hoffmann, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Sachsen zur Vorsicht: "Die meisten Verbraucher wissen das nur noch nicht." Verlangten Banken früher beispielsweise 20 000 Euro Entschädigung für den frühzeitigen Ausstieg, dürfen sie mit dem Segen des BGH nun fast 40 000 Euro einfordern, hat die Allgemeine Deutsche Direktbank berechnet.<BR><BR>Der Preis für die Kulanz ist fast frei kalkulierbar, kritisiert auch "Finanztest". Das Kreditinstitut darf kräftig verdienen, wenn es dem Kunden schon entgegenkommt und ihn aus dem Vertrag entlässt (BGH, Az.: XI ZR 226/02). Der Häuslebauer kann die teure Ablösesumme nur dann anfechten, wenn sie sittenwidrige Ausmaße annimmt - nach Auffassung der Gerichte, wenn die Bank das Doppelte ihres Schadens fordert. Bis zu dieser Grenze sind die Vorfälligkeitsentgelte rechtlich im Rahmen.<BR><BR>Was Verbraucherschützern ein weiterer Dorn im Auge ist: Nicht einmal zur Offenlegung ihrer Entschädigungs-Berechnung sind die Geldhäuser verpflichtet. Sie müssen dem Kunden lediglich die Ablösesumme nennen. Rechendetails erfährt er nicht. "Und wir können nur noch prüfen, ob die Wuchergrenze überschritten ist oder nicht", kritisieren Verbraucherschützer.<BR><BR>Besser gestellt sind dagegen nach wie vor Bauherrn, die zwingende Gründe für einen vorzeitigen Kreditausstieg haben - und nicht nur von günstigeren Zinsen profitieren wollen. Wer etwa von Scheidung, Arbeitslosigkeit oder beruflicher Veränderung betroffen ist und seine Immobilie verkaufen muss, bleibt vom BGH-Urteil unberührt. In solchen Fällen sind Kreditinstitute dazu angehalten, das Darlehen gegen einen angemessenen Ausgleich zu beenden, stellte auch der BGH klar.<BR><BR>Wer aus zwingenden Gründen aussteigen will, sollte trotzdem ein argwöhnisches Auge auf die Ablösesumme haben. Erscheint sie sehr hoch, sollte nur unter Vorbehalt gezahlt werden. Bei den Verbraucherzentralen kann man die geforderte Vorfälligkeitssumme nachrechnen lassen. Hat sich die Bank zu Ungunsten des Häuslebauers verrechnet, kann das zu viel gezahlte Geld laut Diba zurückgefordert werden.</P><P>Kleines Schlupfloch bei Notausstieg<BR><BR>Ein günstiges Schlupfloch gibt es außerdem bei einer Reihe von Altkrediten, die vor 1987 aufgenommen wurden, wie Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen betont. Wer noch eine dieser alten Hypotheken in der Schublade hat, sollte sie bei den Verbraucherzentralen darauf prüfen lassen, ob ein Umstieg auf billigere Zinsen ganz ohne Ablösekosten möglich ist. Das war damals für Kunden der Fall, deren Zins über sechs Prozent lag. </P><P>Sie durften jederzeit mit einer Frist von sechs Monaten aussteigen, wenn die Kündigung nicht ausgeschlossen und der Kredit in eine Deckungsmasse für Schuldverschreibungen eingestellt wurde. "Bei manchen Verträgen gilt diese Regelung auch heute noch", erklärt Gottschalk und ermuntert zum Handeln.<BR></P>

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