Ein gescheiterter Medienmogul kehrt zurück: Leo Kirch greift nach der Bundesliga

München - Leo Kirch bastelt nicht nur an einem neuen Medienreich. Er greift auch nach der Fußball-Bundesliga und will bis zum letzten Atemzug Unternehmer bleiben.

Vom Finanzriesen Deutsche Bank fordert der Zuckerkranke 1,5 Milliarden Euro Schadenersatz und führt deshalb seit Jahren Prozesse. In wenigen Tagen feiert der Senior, der krankheitsbedingt kaum noch sieht, seinen 81. Geburtstag. Was ihm seine Ärzte raten, bleibt so unbekannt, wie vieles andere aus der Zeit seines schillernden Managerlebens. Tatsache ist, dass der 2002 spektakulär Pleite gegangene Ex- Medienmogul Leo Kirch es noch einmal wissen will. Er greift nach der Vermarktung der Bundesligarechte und zimmert an einem neuen Medienkonglomerat.

"Kirch war nie weg", sagte einer, der ihn auch die letzten Jahre begleitet hat. Im Hintergrund habe er stets weitergearbeitet in seinem Münchner Büro in der Kardinal-Faulhaber-Straße. Jeden Tag. Das Strippenziehen war schon immer das Markenzeichen des gebürtigen Franken. Ihm haftet die Aura eines der größten Finstermänner der Republik an.

Warum er auch im hohen Alter und als Gescheiterter nicht loslassen kann, beschreibt ein Weggefährte so. "Leo wird bis zu seinem letzten Atemzug Unternehmer sein." Zudem sei er geistig weiter hellwach, was wohl auch mit seiner speziellen Form des Gehirntrainings zu tun habe. Weil Kirch wegen seiner Zuckerkrankheit halb blind ist, lässt er sich seit Jahren alles Wichtige vorlesen, was zu einer ausgeprägten Merkfähigkeit geführt habe. Der gläubige Katholik gilt als extrem öffentlichkeitsscheu. Was man über ihn weiß, kommt deshalb fast ausschließlich aus zweiter Hand. So soll seine Pleite kein Beweggrund für eine Rückkehr auf die große Bühne sein. Er wolle Geld verdienen, nicht mehr und nicht weniger.

Bei den Rechten für die Fußballbundesliga für drei Jahre ab 2009 ist eine Gesamtsumme von 1,5 Milliarden Euro in der Diskussion. Wie ein mit Milliardenverlusten vor fünf Jahren Pleite gegangener Medienkaufmann dazu kommt, wieder mit solchen Summen zu jonglieren, fragen sich viele. Kirch selbst schweigt und aus seinem Umfeld kommen nur vage Andeutungen. Zum einen gehe Kirchs Griff nach der Bundesliga nur in Richtung Vertrieb der Rechte, nicht deren Kauf. Das mache den Einsatz finanzieller Mittel weit geringer als die kolportieren 1,5 Milliarden Euro. Außerdem sei der Untergang des Kirch-Imperiums 2002, der viele offene Rechnungen hinterlassen hat, keine Privatinsolvenz gewesen, betont ein Kirch-Kenner. Das soll heißen, dass Kirch noch einiges auf der hohen Kante hat.

Der Mann, der in den 50er-Jahren als Filmhändler seine Karriere begonnen hatte, outete sich Ende September als verdeckter Teilhaber am Schweizer Medienhaus Highlight, das auf knapp eine halbe Milliarde Euro Börsenwert kommt. Publik wurde das, als sich Highlight und die Münchner Firma EM Sport Media gegenseitig aneinander beteiligten, um auf lange Sicht ganz miteinander zu verschmelzen. Mit 11,5 Prozent der Anteile ist Kirch nun größter EM-Aktionär, seit er seine Highlight-Aktien an die Münchner weitergereicht hat.

Der Verkauf brachte dem als Zocker geltenden Kirch zudem 120 Millionen Euro Bargeld ein. Zudem spekuliert er auf einen außergerichtlichen Vergleich mit der Deutschen Bank, der auch eine mindestens dreistellige Millionensumme bringen soll. Das wäre eine ansehnliche Manövriermasse für alle bestehenden Pläne, die angeblich nicht auf die Bundesliga beschränkt sind. Denn durch den Schulterschluss von EM und Highlight entsteht im Kleinen wieder ein Firmengeflecht wie es für den Medienmogul früher typisch war.

EM kontrolliert zum einen den Sportsender DSF, der gerne mehr Zusammenfassungen von Bundesligaspielen zeigen würde, und zum anderen die Firma Plazamedia, die für viele Kunden wie den Bezahlsender Premiere Sportsendungen technisch produziert. Highlight wiederum verfügt über die Sportrechtefirma Team, die die TV-Rechte an der Fußball-Champions League hält und die Filmfirma Constantin. EM und Highlight zusammen seien ein "Nukleus" für weitere Zusammenballungen im Sportmediensektor, kündigte EM-Chef Werner Klatten an. "Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen", kommentierte Kirch seine Pleite vor fünf Jahren bibelfest. Jetzt baut er offenkundig darauf, dass ihm wieder gegeben wird.

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