Geschenk birgt Ruin: Wie die Amerika-Connection abzockt

- München - Ein angebliches Geschenk hätte ihn um ein Haar ruiniert: Nur in letzter Minute wurde der Landschaftsgärtner Helmut Seelos davor bewahrt, sich und seine Familie für 4000 Euro ins Unglück zu stürzen.

Im September erreichte den 36-Jährigen ein merkwürdiger Anruf. Der Mann am Telefon stellt sich als Mr. C. aus Scottsdale, USA, vor und behauptet Unglaubliches: Seelos besitze in Florida ein Grundstück, das Mr. C. ihm gerne abkaufen würde. Der Allgäuer Seelos, der nicht gut englisch spricht, erwidert, dass das nicht sein könne, weil weder er noch seine Familie Verbindungen nach Amerika hätten. Dennoch verspricht Mr. C., sich erneut zu melden.

Tage später ist wieder Mr. C. am Apparat und sagt: Er habe die Sache gecheckt, Seelos sei "der einzige Seelos im gesamten Universum". Erst später überprüft Seelos’ Frau diese Aussage und stellt fest, dass es allein in Deutschland und Österreich etliche Helmut Seelos gibt.

Mr. C. macht Druck: Seelos solle ihm schnellstmöglich seine Kontoverbindung mitteilen und einige Formalitäten erledigen, dann werde er, Mr. C., ihm umgehend einen Vorschuss von 4000 Euro überweisen. Seelos werde in den nächsten Tagen die Unterlagen bekommen.

Seelos staunt: Für 4000 Euro muss er mehrere Monate arbeiten. Kurz darauf treffen die Papiere ein. Absender ist ein Unternehmen aus Scottsdale, USA. Neben einem Anschreiben schickt Mr. C. einen Dienstvertrag und ein Formular, mit dem Seelos Mr. C. mit umfangreichen Vollmachten ausstatten soll.

Die Vollmacht muss, so schreibt Mr. C., im US-Konsulat in München beglaubigt werden. Zu diesem Zweck solle Seelos zwei Zeugen mitbringen, die bestätigen, dass er besagter Seelos sei. Zudem brauche Mr. C. eine Kopie des Passes. Sobald Mr. C. die Dokumente habe, werde er sofort 4000 Euro überweisen.

Der anfangs skeptische Seelos ist nun begeistert und plant bereits den Kauf einer Schneefräse und verschiedener Gartengeräte für sein Unternehmen. Nun ruft Seelos zurück. München liegt 180 Kilometer weg, das heißt wenn er da hinfährt, dann muss es sich lohnen. Dass Mr. C. jetzt auf einmal nicht mehr von einem Grundstück spricht, sondern von einem Fonds, ist zwar komisch, aber für geschenkte 4000 Euro kann auch was komisch sein.

Der Fonds liege still, sagt Mr. C. Er selbst gehöre zu einer Firma, die sich um solche Fonds kümmere, damit sie nicht an die Regierung fallen würden. Sobald er die Vollmacht habe, werde er Seelos weitere Urkunden zukommen lassen. Als Seelos dem Anrufer sagt, dass es ein Risiko sei, irgendwem eine derart umfassende Vollmacht auszustellen, sagt Mr. C., das sei in Amerika anders. Er könne Seelos’ Besorgnis nicht verstehen. Seelos ist entschlossen, am nächsten Tag nach München zu fahren.

Doch dann sagt ein Freund, der ihn als Zeuge begleiten sollte, ab. Und er fordert Seelos auf, einen Anwalt zu kontaktieren. Der rät ihm, die Finger von dem Geschäft zu lassen. Mr. C. ruft wieder an. Seelos sagt, er habe einen Anwalt gefragt, der ihm geraten habe, von dem Geschäft Abstand zu nehmen. Als Mr. C. dies hört, beendet er sofort das Gespräch. Seelos ist gerettet. Er wäre sonst in ein Betrugsszenario nach Art der "Nigeria-Connection" (siehe Interview) geraten. Als Seelos dies erfährt, sagt er: "Das hätte uns ruiniert. Wir haben keinerlei Rücklagen."

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