Gesetzesfallen im Urlaub

Zoll, Handel, Verkehr: - Vom Urlauber zum Gesetzesbrecher ist der Weg mitunter nicht weit. Ob Zollvorschriften oder Verkehrsregeln - wer nicht aufpasst, riskiert Bußgelder oder sogar Haftstrafen im Ausland.

Manches, was in Deutschland locker gesehen wird, wird anderswo streng geahndet. So sorgen Touristen, die mit hohen Strafen oder Bußgeldern konfrontiert wurden, alljährlich für Schlagzeilen. Dabei wären mit einem Blick in Zollbestimmungen oder Verkehrsregeln am Urlaubsort die schlimmsten Risiken zu vermeiden.

Eine Anklage etwa wegen Diebstahls, Drogenbesitz oder nach dem Kauf gefälschter Markenware kann üble Folgen haben. Daher informiere die Reiseleitung Pauschalurlauber in der Regel zu Beginn des Urlaubs auch über Gefahren, Risiken und angemessenes Verhalten, sagt Sibylle Zeuch, Sprecherin des Deutschen Reiseverbandes. "Auch die Reiseunterlagen enthalten entsprechende Hinweise und Informationen." Hilfreich seien auch die Länder- und Reisehinweise des Auswärtigen Amtes. "Die sollte jeder bei der Vorbereitung seiner Reise studieren." Unter anderem sind diese im Internet abrufbar (www.auswaertiges-amt.de).

Die deutsche Botschaft ist ohnehin häufig einer der ersten Ansprechpartner, wenn es im Urlaub zu Problemen wegen Gesetzesverstößen kommt. Allerdings können die Diplomaten auch nicht jedes gleich lösen. Und anders als viele Touristen glauben, übernimmt die Botschaft auch nicht die Kosten für den Verteidiger. Die Botschaften achten aber darauf, dass zumindest ein Pflichtverteidiger und ein Dolmetscher zur Verfügung stehen. Im vergangenen Jahr wurden 2600 deutsche Inhaftiere im Ausland betreut. Zu den häufigsten Delikten, die zu Anklagen führen, zählen Drogenbesitz und Drogenschmuggel. Vor allem Jugendliche sind in dieser Hinsicht oft blauäugig. "Die denken gar nicht daran, dass sie auffliegen könnten - oder unterschätzen, wie hart die Behörden dagegen vorgehen", sagt Michael Ebel vom Auswärtigen Amt.

Typisch ist auch der Fall eines Berliners, dem ein antiker Stein zum Verhängnis wurde: Am Flughafen in Antalya wurde er im Sommer vor drei Jahren kurzerhand festgenommen, weil die Zollbeamten das Stück eines Säulenkapitells in seinem Gepäck entdeckt hatten. Der Urlauber hatte den Stein für 60 Euro gekauft - ohne sich Gedanken über das damit verbundene Risiko zu machen. Und das ist nur einer von vielen vergleichbaren Fällen.

In der Türkei wird der Schmuggel archäologisch wertvoller Kulturgüter mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft. "Leider beschäftigen uns solche Fälle in Urlaubsländern wie der Türkei oder in Ägypten immer wieder", sagt Michael Ebel.

Buchstäblich am schnellsten geraten Touristen im Ausland im Auto in Konflikt mit geltendem Recht. Dass der Urlaub gleich zu Beginn wegen eines Bußgelds für überhöhte Geschwindigkeit getrübt wird, gehört zu den Klassikern ärgerlicher Reiseerfahrungen. "Gar kein Tempolimit auf Autobahnen gibt es praktisch nur in Deutschland", sagt Katja Frisch, Tourismusexpertin beim ADAC in München. "In der Regel gilt eine Grenze von 110 oder 130 Stundenkilometern."

Einige Länder verstehen bei Verstößen absolut keinen Spaß: In Norwegen etwa zahlen Temposünder mindestens 400 Euro, wenn sie 20 Stundenkilometer zu schnell waren, in Spanien bis zu 300 Euro. Auch Alkohol am Steuer kommt Touristen oft teuer zu stehen. "Da gelten schon in Europa ganz unterschiedliche Promillegrenzen", warnt Katja Frisch. "Tschechien, Ungarn und Kroatien zum Beispiel bestehen auf 0 Promille." In Großbritannien seien zwar 0,8 Promille erlaubt, dafür kann das Bußgeld bei einer Überschreitung bis zu 7200 Euro betragen.

Auch andere Verkehrsdelikte können richtig ins Geld gehen, warnt Katja Frisch: "Wer in Griechland ein Überholverbot missachtet, riskiert bis zu 355 Euro." Ein Licht aufgehen sollte Autourlaubern auch beim Thema Scheinwerfer: Die müssen in allein 18 Ländern auch tagsüber eingeschaltet sein. "Das gilt auch für klassische Urlaubsreiseziele wie Österreich, Italien, Dänemark und Slowenien, ist aber in vielen Köpfen noch nicht angekommen", sagt Frisch.

Ähnlich sei es mit dem Thema Warnwesten, die in vielen Ländern bei Unfällen oder Pannen vorgeschrieben sind - zum Beispiel in Österreich, Belgien und Spanien. Und auch in dem Fall gilt: Die Verkehrshüter bitten zur Kasse - Verstöße werden mit bis zu 120 Euro geahndet. Und nur weil Urlaubszeit ist, drücken die wenigsten Polizisten ein Auge zu.

Wo das Tempolimit von der Tageszeit abhängt

Beim Thema Tempolimit ist Europa alles andere als einig. Umso aufmerksamer sollten Urlauber sein, rät der ADAC.

Innerorts: Innerhalb von Ortschaften ist in den meisten Ländern Tempo 50 vorgeschrieben. Nur in Serbien und der Slowakei sind 60 Stundenkilometer (km/h) erlaubt. In Polen hängt die Höchstgeschwindigkeit dagegen von der Tageszeit ab: Von 5 bis 23 Uhr gilt Tempo 50, von 23 bis 5 Uhr sind 60 km/h erlaubt.

Landstraßen: In Dänemark und Norwegen liegt außerhalb von Ortschaften das Tempolimit schon bei 80 km/h. Genauso lauten die Verkehrsregeln in Irland, Serbien, den Niederlanden und der Schweiz, wo auf Schnellstraßen aber 100 km/h erlaubt sind.

Tempo 90 außerhalb der Ortschaften ist in Belgien, Bulgarien, Griechenland, Italien, Luxemburg, Polen, Portugal, Schweden, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und der Türkei erlaubt. Ebenso ist es in Frankreich, Kroatien und Ungarn, wo auf Schnellstraßen 110 km/h erlaubt sind.

Finnland und Österreich beschränken die Geschwindigkeit außerorts generell auf 100 km/h.

Autobahnen: Auch hier gibt es deutliche Unterschiede: In Norwegen verstehen Polizisten schon ab 90 km/h keinen Spaß mehr, in Schweden ab 110 km/h und in Großbritannien ab 112 km/h. Dagegen dürfen in Belgien, Finnland, Griechenland, Irland, den Niederlanden, Portugal, der Schweiz, Serbien, Spanien und der Türkei 120 km/h gefahren werden. Sonst sind 130 km/h in Europa die Regel.

Sonderfall Anhänger: Für Gespanne sind auf Autobahnen meist 80 km/h erlaubt. In Frankreich gilt - europaweit einmalig - eine Höchstgeschwindigkeit von 130, die nach Empfehlung des ADAC aber möglichst unterschritten werden sollte. Wohnanhänger seien in Deutschland bauartbedingt nur bis Tempo 100 zugelassen.

Weitere Infos:

www.forumandersreisen.de

www.fahrtziel-natur.de

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