Gespenstische Stille im Werk: Jetzt bangen weitere Zulieferer

- München - Wo sonst hunderte von Arbeitern Autos der 3er-Reihe zusammenbauen, herrscht gespenstische Stille. Bei BMW in München und Regensburg stehen die Bänder still. Wegen des Streiks der Ost-Metaller mussten mehr als 10 000 Beschäftigte zu Hause bleiben. Auch wenn viele das schöne Wetter zu einem unverhofften Ausflug nutzen, wächst der Ärger.

<P>"Wenn man sich hier im Werk umschaut, gibt es nicht so viel Verständnis", heißt es bei BMW. Die Beschäftigten versuchten, bei brütender Hitze und weiß-blauem Himmel das beste aus ihrer Situation zu machen. "Statt meiner Spätschicht werde ich an den Baggersee fahren und mich in die Sonne legen", sagte ein Mitarbeiter. Über die finanzielle Situation macht er sich keine Sorgen. "Ich gehe davon aus, dass normal weiterbezahlt wird."<BR><BR>Die Bundesanstalt für Arbeit wird wohl 1,7 Millionen Euro überweisen müssen - für eine Woche Kurzarbeit bei 10 000 Beschäftigten. Sprecher der BA bestätigten, dass es keine Ausschlussgründe gebe. Die letzte Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen. BMW selbst muss 900 000 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen zahlen.<BR><BR>Wegen der massiven Streiks beim brandenburgischen Getriebe-Zulieferer ZF ist BMW stark behindert. Andere Autohersteller haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. In München ist die Verärgerung besonders groß, weil BMW sich stark in den neuen Bundesländern engagiert und ein neues Werk in Leipzig baut. Demnach sollen dort 5500 Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen rechnet damit, dass BMW wegen der neuen Ausgangslage nur 4500 Stellen schafft.<BR><BR>Unterdessen muss sich im Westen jeder betroffene Mitarbeiter täglich bei einer Hotline über eine mögliche Wiederaufnahme der Arbeit informieren. Bei BMW hofft man, dass sich Arbeitgeber und IG Metall schnell wieder an einen Tisch setzen. Denn selbst bei der Gewerkschaft gibt es intern Proteste gegen die Streikationen im Osten. Bayerns Bezirks-Chef Werner Neugebauer sagte unserer Zeitung, er dränge auf ein rasches Ende der Aktionen.<BR><BR>Viele Kunden sorgen sich derweil um die rechtzeitige Auslieferung ihres bestellten 3er-BMWs. Es könnte für fast alle Neuwagen zu empfindlichen Lieferverzögerungen kommen, wird befürchtet. Ein BMW-Sprecher sagte, bisher habe man durch flexibles Reagieren noch keine Verzögerungen bei der Auslieferung. Allerdings werde dies bei einem längeren Produktionsstopp nicht durchzuhalten sein.<BR><BR>Noch dazu sind die nächsten Opfer in Sicht: Weitere Zulieferer müssen zusperren. Der insolvente Automobilzulieferer Peguform habe bereits Kurzarbeit beantragt, sagte ein Unternehmenssprecher am Montag. Bislang seien 95 Mitarbeiter unter anderem in München betroffen. Zuliefer Honsel im Sauerland musste die Produktion von Fahrwerksteilen für den 3er BMW stilllegen. Der Autositzhersteller Grammer versucht derzeit, durch Urlaub und Überstundenabbau die Kurzarbeit für 65 Mitarbeiter zu verhindern.<BR><BR>Für die Betriebe sei das ein Problem, warnt IG-Metall-Funktionär Neugebauer: "Das begrüße ich nicht." Weitere Kollateralschäden drohen: Rund 75 % der Fahrzeugteile werden zugeliefert.</P><P><BR> </P>

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