Gotthard-Tunnel gesperrt: In der Schweiz droht „gigantisches Problem“ um Versorgungsengpässe
Nach einem Zugunfall ist der Gotthard-Basistunnel gesperrt. Wie lange der Zugverkehr auf der zentralen Achse in den Alpen beeinträchtigt bleibt, ist weiter unklar. Jetzt wachsen die Sorgen.
Update vom 17. August, 17.05 Uhr: Entwarnung am Gotthard-Basistunnel: Der Güterverkehr soll bereits ab dem 23. August wieder rollen. Darüber informierte die SBB heute. Somit dürften die schlimmsten Befürchtungen der Transportunternehmen nicht eintreffen. Beim Personenverkehr dauert die Einschränkung aber noch deutlich länger. Hier sollen erst 2024 wieder Züge mit Fahrgästen den Tunnel passieren können.
Gotthard-Tunnel gesperrt: In der Schweiz droht „gigantisches Problem“ um Versorgungsengpässe
Erstmeldung vom 16. August: Am Donnerstagnachmittag (10. August) ist im Schweizer Gotthard-Basistunnel ein Güterzug entgleist. Dabei wurden die Gleisanlage und ein Sicherheitstor schwer beschädigt, der Zugverkehr ist eingestellt. Die Sperrung des längsten Bahntunnels der Welt hat Folgen.
Schweizer Tunnel blockiert: Transportunternehmen in Sorge
Güterzüge stauen sich, da der 57 Kilometer lange Tunnel immer noch nicht befahrbar ist. Bis der Rückstau abgearbeitet ist, könne es bis zu vier Wochen dauern, erklärt Hans-Jörg Bertschi, Chef des Transportunternehmens Bertschi gegenüber der Schweizer Zeitung Blick. Die Logistikunternehmen, die stark auf die Strecke angewiesen sind, hoffen, dass die Sperrung bald aufgehoben wird. „Wenn die Sperrung nur eine Woche dauert, dann können wir damit noch leben“, macht Benjamin Giezendanner, der ebenfalls ein Transportunternehmen besitzt, gegenüber der Zeitung.
Doch die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) halten sich mit Einschätzungen zur Lage zurück. Ein konkretes Wiederöffnungsdatum hat das Unternehmen noch nicht bekannt gegeben. „Die SBB arbeiten mit Hochdruck daran, die unbeschädigte Tunnelröhre rasch möglichst in Betrieb nehmen zu können, also eine von zwei Tunnelröhren“, heißt es lediglich auf Blick-Anfrage.

Gotthard-Tunnel gesperrt: „Gigantisches Problem“ droht
Doch für die Transportunternehmen zählt jeder Tag. Derzeit muss der Transport auf die Straße umgelegt werden. Das bedeutet aber vor allem eins: höhere Kosten. Denn auf der Straße kann ein Lkw nicht so voll beladen werden, wie es auf der Schiene der Fall wäre. Somit sind also mehr Fahrten nötig, was auch mehr Kosten für Diesel und Co. bedeutet. Auf Dauer ist das keine Lösung. Spätestens wenn die Industriebetriebe in Italien nach der Sommerpause wieder die Produktion hochfahren wollen, wird es eng.
„Wenn die Kapazität anzieht, dann kann die Straße nicht alles auffangen“, zeigt sich Giezendanner besorgt. Dann kann es zu Versorgungsengpässen kommen, da die Lieferketten unterbrochen werden. Derzeit fehlt es bereits in manchen Tessiner Krankenhäusern an Stickstoff und Sauerstoff. Als Nächstes wären Lebensmittel betroffen, die ohne Unterbrechung der Kühlkette transportiert werden müssen. „Wenn der Gotthard einen Monat zu ist, haben wir ein gigantisches Problem“, warnt Giezendanner gegenüber der Zeitung. (ph)




