Was gesund ist, wird nun kontrolliert

Lebensmittel-Kennzeichnung: - Neue EU-Regeln sollen Verbraucher ab Juli vor falschen Gesundheitsversprechen auf Lebensmittel-Verpackungen schützen. Doch schnelle Besserung ist nicht in Sicht.

Wenn es nach der Werbung geht, kann man allein mit dem Verzehr von probiotischen Joghurts, besonders vitaminreichen Säften oder sogar manchen Süßigkeiten einiges für die Gesundheit tun. Das versprechen zumindest Slogans auf der Verpackung wie "Stärkt die Abwehrkräfte" oder "Omega-3-Fettsäuren schützen vor Herz- und Kreislauferkrankungen". Doch solche Lebensmittel stehen in der Kritik, denn für Verbraucher bleiben viele Fragen offen. Gesundheitsbezogene Angaben, sogenannte "Health Claims", unterliegen daher ab 1. Juli europaweit strengeren Regeln.

Künftig dürfen Hersteller nur noch damit werben, wenn die Aussagen auch wissenschaftlich belegt sind. Die neue "Health-Claim-Verordnung" der EU schreibt vor, dass solche Aussagen in einer Positivliste registriert sein müssen und dass ein Produkt einem vorgeschriebenen Nährwertprofil entsprechen muss.

In der Positivliste werden nach Angaben des in Deutschland zuständigen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zwei Arten von "Health Claims" unterschieden: Einerseits sind Aussagen zur physiologischen Funktion eines Nährstoffs enthalten ("Kalzium ist wichtig für gesunde Knochen"). Neu sind Aussagen zu einer möglichen Reduzierung eines Krankheitsrisikos ("Ausreichende Kalziumzufuhr kann zur Verringerung des Osteoporose-Risikos beitragen").

Vor allem soll die Neuregelung Verbraucher vor irreführenden Angaben und Täuschung schützen. So ist laut der Verordnung jede Angabe gesundheitsbezogen, wenn sie erklärt, suggeriert oder auch nur indirekt zum Ausdruck bringt, dass ein Zusammenhang zwischen einem Lebensmittel oder einem seiner Bestandteile und der Gesundheit besteht. Dazu gehört zum Beispiel auch ein Slogan wie "verbessert die Lernfähigkeit". Solche Angaben müssen sich auf anerkannte wissenschaftliche Nachweise stützen. Darüber hinaus muss sie jeder verstehen können. Verboten bleiben krankheitsbezogene Aussagen wie "zur Behandlung von Osteoporose".

Nährwertprofile sollen dafür sorgen, dass bei einer vermeintlich gesundheitsfördernden Eigenschaft gleichzeitig der Gehalt eines eher ungünstigen Nährstoffs wie Fett, Zucker oder Salz nicht überschritten wird. Soll also ein Lebensmittel künftig mit einer gesundheitsbezogenen Angabe werben, muss es bestimmten, festgelegten Kriterien entsprechen. Abweichungen davon sind anzugeben.

Süßigkeiten, die wenig Fett, aber viel Zucker enthalten, dürfen dann die Kennzeichnung "fettarm" tragen, wenn zugleich auch auf den möglichen hohen Zuckergehalt hingewiesen wird. "So soll verhindert werden, dass Verbraucher einen höheren gesundheitlichen Nutzen erwarten, als das Lebensmittel tatsächlich bieten kann", betont das BfR.

Das Bundesinstitut hat in den letzten beiden Jahren im Auftrag des Bundesverbraucherschutzministeriums ein Konzept zur Erstellung solcher Nährwertprofile erarbeitet. Es ist auch in die Bewertung von "Health Claims" in Deutschland eingebunden. Für die Prüfung von Aussagen im Zusammenhang mit der Verringerung eines Krankheitsrisikos ist die Europä\-ische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) zuständig.

Verbraucherschützer halten die Neuregelung für einen längst überfälligen Schritt: "Die Verordnung trägt sicherlich dazu bei, dass mit gesundheitsbezogener Werbung künftig weniger Schindluder getrieben wird", glaubt Thomas Isenberg, Gesundheitsexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. Dabei dürfe es aber nicht bleiben. "Auch zu zucker- und fetthaltige Stoffe müssen leichter erkennbar sein."

Mit der neuen Verordnung wird sich nicht sofort alles ändern: "Am Angebot in den Regalen wird der Verbraucher die Auswirkungen der neuen Verordnung wohl erst in zwei bis drei Jahren ablesen können", schätzen die Fachleute des Bundesinstituts. Bis Ende Januar 2008 müssen die Mitgliedstaaten eine Liste mit den "Health Claims" ihres Landes samt der geltenden Bedingungen bei der EU-Kommission einreichen. Nach Konsultation der EFSA sollen die Angaben dann bis spätestens 31. \-Januar 2010 in die europäische Gemeinschaftsliste aufgenommen werden.

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