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Zusatzleistungen oder Zusatzbeitrag? Was auf die Patienten konkret zukommt, ist noch nicht absehbar.

Gesundheitsffonds: Warum ein Wechsel (noch) nicht lohnt

München - Der Gesundheitsfonds kommt. Er macht Gesundheit für einige günstiger und für viele teurer. Mit einem Wechsel der Kasse sollte man dennoch warten.

Vor Jahren noch undenkbar – ab Januar 2009 Realität: Alle gesetzlichen Krankenkassen berechnen ihren Mitgliedern einen einheitlichen Beitrag. Das heißt zwar nicht, dass jeder gleichviel zu berappen hat. Nur der Prozentsatz, der nach Verdienst bestimmt wird, ist identisch: Er beträgt 14,6 Prozent. Den teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Hinzu kommen 0,9 Prozent, die die Versicherten allein zu bezahlen haben. Für sie gilt der Beitrag von 15,5 Prozent.

Der Einheitsbeitragssatz ist die Folge des „Gesundheitsfonds“, den Gesundheitsministerin Ulla Schmidt gegen viele Bedenken aus Kreisen der Krankenkassen und Ärzte durchgesetzt hat. Der Fonds wird aus allen bei den Krankenkassen eingehenden Beiträgen gebildet.

Sämtliche Beitragseinnahmen gehen also zunächst an eine zentrale Sammelstelle und werden von dort auf die mehr als 200 gesetzlichen Krankenkassen aufgeteilt. Dabei bekommen Krankenkassen mehr pro Mitglied, die viele Versicherte mit ausgewählten, kostenintensiven chronischen Krankheiten versichern. Das heißt: Krankenkassen mit mehr kranken Mitgliedern bekommen mehr als die mit jungen gesunden. Außerdem spielen Alter und Geschlecht der Versicherten eine Rolle.

Staat zahlt ein

In den Topf hinein zahlt übrigens auch der Staat, da er den Krankenkassen „versicherungsfremde“ Leistungen aufgebürdet hat, etwa die kostenfreie Mitversicherung von Ehepartnern und Kindern, oder die Mutterschaftshilfe (die ja mit „Krankheit“ nichts zu tun hat).

Teure werden billiger

Unmittelbare Folge des Fonds für die Versicherten: Krankenkassen, die bisher „teuer“ waren, bescheren ihren Mitgliedern gegebenenfalls eine Ersparnis gegenüber dem aktuellen Stand, „billige“ Kassen müssen ihre Versicherten stärker als bisher zur Kasse bitten.

Doch wenn eine Krankenkasse mit den ihr zugewiesenen Beiträgen nicht auskommt, darf sie Zusatzbeiträge erheben, die allerdings maximal 1 Prozent ihres Bruttoverdienstes ausmachen dürfen (2009 also maximal 36,75 Euro pro Monat, da die Bemessungsgrenze für die Beiträge 3675 Euro monatlich beträgt); minimal sind es – unabhängig von der Einkommenssituation – 8 Euro im Monat. Diese Zusatzbeiträge zahlen allein die Versicherten – neben dem Zusatzbeitrag von 0,9 Prozent.

Umgekehrt dürfen die Krankenkassen Prämien an ihre Versicherten ausschütten, wenn sie mehr aus dem gemeinsamen Gesundheitsfonds erhalten, als sie für ihre Leistungsausgaben benötigen.

Zusatz-Leistungen

Stattdessen kann es auch sein, dass diese Krankenkassen ihren Versicherten Zusatzleistungen bieten. Welche Kasse 2009 von den Möglichkeiten Gebrauch machen wird, steht noch nicht fest. Niemand weiß, wie sich die Lage entwickelt. Frühestens zur Jahresmitte 2009 dürften Teil-Ergebnisse absehbar sein, wahrscheinlich aber erst gegen Ende 2009.

Wann wechseln?

Soll jetzt noch schnell die Krankenkasse gewechselt werden? Das macht – objektiv gesehen – keinen Sinn. Denn, wie zuvor geschildert, muss zunächst abgewartet werden, welche Krankenkassen mit dem Einheitsbeitrag auskommen und welche nicht. Welche also „beitragsstabil“ bleiben, Beiträge zurückzahlen können oder aber Zuschläge berechnen müssen.

Erst dann lohnt die Überlegung, wo man seinen Krankenversicherungsschutz möglichst preisgünstig – bei optimalem Versicherungsschutz – sicherstellen könnte. Jeder Krankenversicherte kann mit zweimonatiger Frist ein anderes Zuhause für seinen Versicherungsschutz aussuchen, wie bisher auch schon.

Die neu gewählte Krankenkasse bleibt dann für mindestens 18 Monate zuständig – es sei denn, sie würde in dieser Zeit ihre Versicherten mit (weiteren) Zusatzbeiträgen belegen oder aber die Prämie, die die Kasse zuvor gezahlt hat, wird gesenkt.

Hierfür gilt dann wiederum die Zweit-Monats-Frist für den Kassenwechsel. Die Versicherten müssen so früh über die neue Situation (Erhöhung, Senkung) informiert werden, dass ihre Mitglieder Reißaus nehmen können, ohne dass der neue Beitrag fällig wird.

Was unterscheidet die Krankenkassen vom nächsten Jahr an denn überhaupt noch?

  • Maßgebend für ein „Sich-Wohlfühlen“ bei einer Krankenkasse kann die örtliche Nähe sein. Das wird schon jetzt von Versicherten geschätzt, die mit ihrer Krankenkasse nicht ausschließlich per Brief, E-Mail, Fax oder Telefon korrespondieren wollen.
  • Ferner kommt es auf den individuellen Service an – der von Interessenten aber nur schwer zu erkunden ist (allenfalls durch Mund-zu-Mund-Propaganda wahrgenommen werden kann).
  • Nicht zuletzt wird es auf die Leistungen ankommen, die – wie heute schon – durchaus differieren können, beispielsweise bei vorsorgenden Maßnahmen und verschiedenen Wahltarifen (die etwa eine Beitragserstattung vorsehen könnten, wenn ein Jahr lang Leistungen nicht in Anspruch genommen wurden).
  • Auch Selbstbehalttarife, die eine Prämie bringen können, wenn ein Teil der Behandlungskosten aus der eigenen Tasche (über die üblichen Zuzahlungen hinaus) bezahlt werden, könnten den Wechselwillen schüren, weil es dann am Jahresende eine Prämie gibt.

Von Wolfgang Büser

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