Gesundheitsreform: Wer sparen will, muss Arztbesuch planen

- Ab Januar 2004 müssen Patienten in der gesetzlichen Krankenversicherung für ihre Gesundheit tiefer in die Tasche greifen. Alle Menschen über 18 Jahren müssen mit Mehrkosten durch Praxisgebühr und höhere Zuzahlungen rechnen. Auch Sozialhilfeempfänger sind nicht mehr grundsätzlich von Zuzahlungen befreit.

<P>Damit die jährliche Eigenbeteiligung nicht ausufert, gibt es klare Obergrenzen, die an das Einkommen gebunden sind. Sie helfen zum Beispiel Familien, die Belastung zu begrenzen. Praxisgebühr Die wichtigste Neuerung der Gesundheitsreform ist die Praxisgebühr. Ab Januar muss man zum Erstbesuch eines Arztes im Quartal nicht nur die Chipkarte, sondern auch zehn Euro mitnehmen. </P><P>Ausnahmen gibt es nur in Notfällen. Dann muss die Gebühr nachgezahlt werden. Beim Zahnarzt oder beim Psychotherapeuten fallen im gleichen Quartal jeweils noch einmal zehn Euro an. Wer also wegen Grippe zum Hausarzt geht, Zahnweh hat und einen Psychologen wegen Mobbings am Arbeitsplatz konsultiert, ist in einem Quartal 30 Euro los. Wer zu einem Fachmediziner überwiesen wird, zahlt dort keine Praxisgebühr mehr - solange es im gleichen Quartal passiert. Ohne Überweisung wird auch beim Spezialisten - zum Beispiel beim Orthopäden oder Augenarzt - die Gebühr fällig. Kosten minimieren kann daher der Patient, der seine Arztbesuche künftig sorgfältig plant, wie Julia Nill, Gesundheitsexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, betont. </P><P>Überweisung kurz vor Quartalsende ungeschickt </P><P>Ungeschickt ist eine Überweisung kurz vor Ende des Quartals zu einem Arzt, der erst einige Wochen später einen Termin frei hat. Dann werden noch einmal zehn Euro fällig. Ratsam ist es auch, sich beim Hausarztbesuch gleich um notwendige Rezepte zu kümmern. Die Praxisgebühr fällt nämlich auch dann an, wenn man nur ein verschreibungspflichtiges Medikament oder telefonischen Rat vom Arzt braucht. Keine Gebühr wird bei Krebs- oder Zahnvorsorge, Impfungen oder ähnlichen Terminen verlangt.</P><P>Zuzahlungen bei Arzneien richtete sich bisher die Höhe der Zuzahlung nach der Packungsgröße. Jetzt geht es nach dem Preis der Arznei. Für Medikamente, die bis zu 50 Euro kosten, muss man dann pauschal fünf Euro zuzahlen. Bei Preisen von 50 bis 100 Euro müssen zehn Prozent der Kosten übernommen werden. Kostet ein Medikament 75 Euro, dann werden also 7,50 Euro fällig. Liegt der Arzneimittelpreis über 100 Euro, ist die Zuzahlung auf zehn Euro begrenzt. Dieselbe Zuzahlungsregel gilt grundsätzlich auch für Hilfsmittel wie Hörgeräte oder Rollstühle. </P><P>Ausnahme: Hilfsmittel, die zum Verbrauch bestimmt sind, dazu gehören auch Ernährungssonden oder Windeln bei Inkontinenz. Dabei muss der Patient zehn Prozent je Verbrauchseinheit draufzahlen, aber maximal zehn Euro pro Monat. Zehn Euro müssen Patienten auch pro Tag im Krankenhaus zuzahlen (bislang neun Euro), allerdings nur für maximal 28 Tage im Jahr. Die gleiche Summe wird täglich bei stationärer Vorsorge und Rehabilitation fällig. Bei Anschlussbehandlungen gilt wiederum die Grenze von 28 Tagen. Befreiung "Ganz wichtig ist für alle Versicherten: Sämtliche Belege und Quittungen sammeln und aufheben - ob vom Arzt, aus Apotheke oder Klinik", rät Verbraucherschützerin Nill. </P><P>Die Summe aller Zuzahlungen und Praxisgebühren ist maßgeblich für eine mögliche Befreiung durch die Krankenkasse. Die jährliche Eigenbeteiligung eines Versicherten darf nämlich zwei Prozent seiner Bruttoeinnahmen dieses Jahres nicht überschreiten. Für chronisch Kranke gilt eine Obergrenze von einem Prozent. Sozialhilfeempfänger dürfen auch nicht mit mehr als zwei Prozent des Regelsatzes belastet werden. </P><P>Bei der derzeitigen Rechtslage müssten sie nur Kosten bis etwa 70 Euro im Jahr übernehmen. Die Obergrenze von Familien kann durch extra Freibeträge gedrückt werden. Pro Kind können 3648 Euro vom Nominaleinkommen abgezogen werden, für einen nicht erwerbstätigen Ehepartner noch einmal 4347 Euro. </P><P>Weitere Informationen: www.die-gesundheitsreform.de</P>

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