Geteiltes Echo nach Leitzins-Erhöhung

- Berlin - Die Erhöhung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) hat ein geteiltes Echo hervorgerufen. Während der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Joachim Poß, den Schritt kritisierte, zeigten die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) und der Bankenverband am Donnerstag Verständnis für die Erhöhung um 0,25 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent. Der Leitzins ist der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft in der Eurozone mit Zentralbankgeld.

Die Erhöhung entspricht laut Bankenverband hinsichtlich des Zeitpunktes als auch der Höhe den Markterwartungen. Die Notenbank setze ihren Kurs der Normalisierung des Zinsniveaus fort. Das sei in Anbetracht eines Wirtschaftswachstums, das in etwa der Zunahme des Produktionspotenzials entspreche, und einer üppigen Liquiditätsausstattung der Euro-Raums gerechtfertigt.

"Die EZB-Entscheidung ist angemessen. Die Konjunktur im Euroraum ist überaus robust. Das hohe und zuletzt sogar gestiegene Geldmengenwachstum legt den Zinsschritt sogar nahe. Allerdings besteht aus unserer Sicht kein Handlungsbedarf, dieser Zinserhöhung in Kürze weitere folgen zu lassen", sagte DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke. Die Entspannung auf den Ölmärkten reduziere auch in den Euroländern die Inflation. Laut Nitschke dürfte die Anhebung der Mehrwertsteuer in Deutschland dem Wirtschaftswachstum im gesamten Euroraum im kommenden Jahr einen Dämpfer versetzen, so dass der nachfrageseitige Preisdruck abnehmen wird.

Der Bankenverband räumte ein, dass im kommenden Jahr eine spürbare Verlangsamung des wirtschaftlichen Aufschwungs zu erwarten sei. In Hinblick auf die Konjunktur sagte der SPD-Finanzpolitiker Poß: "Die EZB gibt das unmissverständliche Signal, dass sie zur Einhaltung ihres Stabilitätsziels von maximal zwei Prozent Preisniveauanstieg pro Jahr auch bereit ist, die zu beobachtende konjunkturelle Belebung zu stoppen." Europa brauche aber dringend eine längere Phase des Wirtschaftswachstums, damit sich die Arbeitsmärkte und die Situation der nationalen öffentlichen Haushalte nachhaltig entspannten.

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