Gewerkschaft ver.di kündigt Warnstreiks bei Post an

-

Bonn/Berlin (dpa) - Viele Privathaushalte und Unternehmen werden sich an diesem Dienstag auf leere Briefkästen oder verzögerte Zustellungen einstellen müssen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di macht im Tarifkonflikt mit der Deutschen Post ernst und kündigte erste Warnstreiks an. Auch die Brief- und Paketzustellung werde betroffen sein, sagte eine ver.di-Sprecherin am Montag in Berlin. Wo genau gestreikt werde, werde intern beraten. "Bei der Post wird es Störungen geben, um Druck auf die laufenden Tarifverhandlungen zu machen."

Bei der Deutschen Post gebe es "keinerlei Verständnis" für die ver.di-Aktion, sagte Sprecher Uwe Bensien in Bonn. "Es gibt für einen Streik überhaupt keinen Grund." Die Gespräche dauerten an, und eine Lösung sei am Verhandlungstisch möglich. Auf Ausfälle oder Verzögerungen werde die Post sofort reagieren. "Wir werden alles dafür tun, um Beeinträchtigungen bei den Kunden so gering wie möglich zu halten."

Bisher sind die Verhandlungen zu Beschäftigungssicherung, Arbeitszeit und Löhnen ohne Ergebnis und Annäherung geblieben. Die nächste (dritte) Runde soll am 9. April in Köln stattfinden. Die Friedenspflicht endet am 31. März. "Ohne Druck bewegt sich offenbar am Verhandlungstisch nichts", sagte die stellvertretende ver.di- Bundesvorsitzende Andrea Kocsis. Auf dem Tisch liegt ein Verhandlungspaket. ver.di will den Kündigungsschutz für die rund 130 000 Tarifbeschäftigten erhalten und eine höhere Wochenarbeitszeit für Beamte verhindern, die sich auch auf die Tarifbeschäftigten auswirken würde.

Der Beschäftigungspakt gilt bis Ende März. Die Gewerkschaft fordert den Ausschluss der betriebsbedingten Kündigungen bis zum 30. Juni 2011. Außerdem will sie einen Ausgleich von jährlich zehn Arbeitszeitverkürzungstagen, um "die arbeitsplatzvernichtende Wirkung" der Erhöhung der Wochenarbeitszeit bei den noch rund 55 000 Postbeamten von 38,5 auf 41 Stunden (wie für die übrigen Staatsdiener) auszugleichen. ver.di forderte daneben Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) auf, die Sonderregelung für die Postbeamten-Arbeitszeit unbefristet über den 1. April hinaus weiter bei 38,5 Stunden pro Woche festzuschreiben.

Die Post bot an, die Vereinbarungen zum Beschäftigungspakt bis Ende Juni zu verlängern und auch die für Beamte ab dem 1. April geltende längere Arbeitszeit von 41 Stunden "bis auf weiteres" nicht abzufordern. Dieses Angebot verschaffe mehr Zeit für die Verhandlungen. ver.di lehnte dies ab. "Das Problem ist seit langem bekannt. Es muss zügig gelöst und nicht vor sich hin geschoben werden", erklärte Koscis.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Tesla verklagt Ex-Mitarbeiter wegen angeblicher Sabotage
Las Vegas (dpa) - Der US-Elektro-Autobauer Tesla will einen Ex-Mitarbeiter vor Gericht bringen, der das Unternehmen angeblich gezielt sabotiert hat. Der Beschuldigte …
Tesla verklagt Ex-Mitarbeiter wegen angeblicher Sabotage
VW-Bußgeld "größter Schadensfall der Wirtschaftsgeschichte"
Niedersachsens Landeskasse hat eine Milliarde Euro an Einnahmen verbucht. Sie stammen vom VW-Konzern und wurden als Geldbuße im Dieselskandal fällig. Doch wofür soll das …
VW-Bußgeld "größter Schadensfall der Wirtschaftsgeschichte"
General Electric steigt aus US-Leitindex Dow Jones ab
GE war einst Innovationsführer und Aushängeschild der US-Wirtschaft. Doch seit Jahren ist der über 125 Jahre alte Industrieriese eines ihrer größten Sorgenkinder. Nun …
General Electric steigt aus US-Leitindex Dow Jones ab
Millionen-Steuerrabatt: EU-Kommission prangert Luxemburg an
Ein französischer Energie-Konzern musste in Luxemburg jahrelang kaum Steuern auf seine Gewinne zahlen. Das Großherzogtum räumt ein: Steuerrechtlich Legales sei nicht …
Millionen-Steuerrabatt: EU-Kommission prangert Luxemburg an

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.