Areva-Sparpläne: IG-Metall sauer

Paris - Milliardenverluste, Wertberichtigungen, Stellenstreichungen: Nach dem Nuklearunglück in Fukushima und kostspieligen Engagements in Afrika tritt Atomriese Areva auf die Kostenbremse - auch in Deutschland.

Die IG Metall hat den französischen Atomkonzern Areva davor gewarnt, deutsche Konzernstandorte beim geplanten Arbeitsplatzabbau unverhältnismäßig stark zu belasten. Das Management in Deutschland kündigte an, betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu wollen. Dies sei erklärtes Ziel der Unternehmensführung, teilte Areva am Dienstag in Erlangen mit.

Zuvor hatte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Erlangen, Wolfgang Niclas, schwere Bedenken geäußert. Mit Blick auf den französischen Präsidentschaftswahlkampf im Frühjahr zeichne sich ab, das der Jobabbau in Frankreich zulasten der deutschen Standorte begrenzt werden solle, sagte Niclas der dpa. “Wenn es um Arbeitsplatzabbau geht, darf es kein deutsches Opfer für Frankreich geben“, unterstrich der Gewerkschafter. “Es müssen diejenigen Stellen angebaut werden, die in jedem Land nicht mehr benötigt werden.“

Areva plant nach Aussagen von Firmen-Chef Luc Oursel, in Deutschland 1200 bis 1500 von rund 6000 Stellen abzubauen. Grund sei die Entscheidung der Bundesregierung zum Atomausstieg, sagte Oursel der Zeitung “Le Figaro“ (Dienstag). In Frankreich will Areva in der Verwaltung einen Einstellungsstopp verfügen. Die Zahl der so eingesparten Stellen werde im Bereich von “einigen hundert“ liegen.

Der europäische Betriebsrat fordert die Aussetzung der Sparpläne, berichtete die französische Wirtschaftszeitung “La Tribune“ (Dienstag). Begründung: Er sei zuvor weder über die Umstrukturierung informiert noch konsultiert worden. “Sollte der Vorstand nicht unseren Forderungen entsprechen, bin ich beauftragt, vor Gericht zu ziehen“, sagte Betriebsrats-Mitglied Maureen Kearney dem Blatt.

Die IG Metall befürchtet, dass darüber hinaus ein weiterer Stellenabbau bei Areva ansteht. Denn derzeit stehe der Bau eines finnischen Atomkraftwerks vor dem Abschluss. “Wenn dafür keine Anschlussaufträge gefunden werden, sieht es schlecht aus für das kommende Jahr“, sagte Niclas und bestätigte einen Bericht des Bayerischen Rundfunks. Bedroht seien dadurch rund 1000 Stellen.

Allerdings sei der deutsche Ausstieg aus der Atomkraft auch eine Chance für die Beschäftigten. Es gebe einen unglaublichen Bedarf an regenerativen Energien. In diesem Bereich könnten laut Niclas auch bei Areva Arbeitsplätze entstehen. Auch beim Rückbau abgeschalteter Atomkraftwerke würden viele Spezialisten benötigt.

“Die Anpassung des Unternehmens an die zu erwartende Auslastung wird in enger Abstimmung mit den Arbeitnehmervertretern geschehen“, hieß es von Areva. Die Geschäftsleitung werde nun mit den Gewerkschaften in einen Dialog treten, um möglichst sozialverträgliche Instrumente wie einen Arbeitsplatzwechsel oder Vorruhestand auszuarbeiten, erläuterte Sprecher Christian Wilson.

Welche Standorte vom Stellenabbau wie stark betroffen sein werden, sei noch unklar. “Wir können das im Moment nicht aufschlüsseln, das werden die nächsten Monate zeigen“, sagte Wilson. Klar sei aber, dass es vor allem die 3600 Mitarbeiter in Erlangen, die 900 Beschäftigten in Offenbach und die 325 Kollegen in Lingen treffen werde. An den ersten beiden Standorten arbeiteten überwiegend Ingenieure, die für den Neubau, die Modernisierung und die Sicherheit von Atomkraftwerken zuständig seien. In Lingen werden Brennelemente gefertigt.

“Eine Schließung von Standorten in Deutschland ist nicht geplant“, betonte Wilson. Deutschland bleibe ungeachtet des Stellenabbaus für Areva auch in Zukunft von großer Bedeutung, weil hier zahlreiche Kompetenzen sowohl in der Kerntechnik als auch im Bereich der Offshore-Windenergie gebündelt seien, hieß es darüber hinaus in der Mitteilung des Unternehmens.

Areva erwartet angesichts der Folgen des Atomunglücks in Fukushima sowie von massiven Wertberichtigungen auf Uranminen-Projekte hohe Verluste. Der zu 87 Prozent vom Staat kontrollierte Weltmarktführer will nun bis 2015 jährlich eine Milliarde Euro einsparen, etwa durch Streichung von Investitionen und den Abbau von Arbeitsplätzen.

dpa

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